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Türkei: Rund 250.000 Unternehmenspleiten seit 2018

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Von: Erkan Pehlivan

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Erneut gibt es aus der Türkei miese Wirtschaftszahlen. Die Zahl der Insolvenzen in den vergangenen vier Jahren ist laut Oppositionspartei CHP erschreckend hoch.

Ankara – Die Wirtschaftszahlen in der Türkei lassen nichts Gutes erahnen. Die offizielle Inflation liegt bei 78,6 Prozent. Jetzt hat die Oppositionspartei CHP auch die Zahlen zu den Insolvenzen veröffentlicht. So sind in den vergangenen vier Jahren 248. 867 Unternehmen insolvent gegangen, sagt der stellvertretende Vorsitzende der CHP, Veli Agbaba. Zudem haben in derselben Zeit 479.736 Geschäfte geschlossen. Alleine in den vergangenen sechs Monaten sind knapp 58.000 Geschäfte geschlossen worden, so Agbaba.

Türkei: Experten fordern Zinsanhebung

Angesichts der miesen Wirtschaftszahlen möchte die türkische Zentralbank nicht den Leitzins erhöhen. Fachleute warnen aber, dass ohne eine Anhebung keine Besserung möglich sei. „Die Regierung wird früher oder später den Leitzins anheben müssen. Oder sie wird stur bleiben und die Inflation wird die Menschen im Würgegriff halten“, schrieb der renommierte türkische Ökonom Özgür Demirtas auf Twitter.

Einkaufsviertel Tasksim in Istanbul.
Das Einkaufsviertel Tasksim in Istanbul. © Tolga Ildun/dpa

Türkei: Währungsverfall befeuert Inflation zusätzlich

Eine sehr große Sorge ist der Währungsverfall in dem Land. Der US-Dollar kostet inzwischen mehr als 17,55 Türkische Lira. Alleine seit Jahresanfang ist der US-Dollar damit um über 30 Prozent teurer geworden. Das Land kauft Energie und viele Rohstoffe aus dem Ausland, was die Inflation in der Türkei zusätzlich anheizt.

Zuletzt hatte der Chefberater des ehemaligen Präsidenten Can Pulak behauptet, dass aus den Golfstaaten Devisen in die Türkei kommen sollen. Pulak sprach davon, dass 20 Milliarden Dollar aus Saudi-Arabien, 15 Milliarden Dollar aus Katar, 10 Milliarden Dollar aus den Vereinten Arabischen Emiraten und weitere 10 Milliarden Dollar aus Russland kämen. Den Währungsverfall konnten diese Meldungen auch nicht stoppen.

Türkei braucht in kommenden 12 Monaten 220 Milliarden US-Dollar

Der Sprecher der CHP, Faik Öztirak, hat bei seinem Treffen mit Wirtschaftsjournalisten ebenfalls schlechte Wirtschaftszahlen vorgelegt. Öztirak zufolge wurden in den ersten sechs Monaten 134,6 Milliarden TL (ca. 7,5 Milliarden Euro) alleine für Zinsen gezahlt. Zudem müsse die Türkei in den nächsten 12 Monaten 220 Milliarden US-Dollar an Geldmittel finden, um etwa Schulden zurückzuzahlen und das Außenhandelsdefizit zu schließen. Öztirak zufolge habe die Zentralbank damit angefangen, dafür zu werben, dass die Menschen in der Türkei ihre Devisenreserven in die heimische Währung wechseln. (Erkan Pehlivan)

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