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Lebenshaltungskosten in der Türkei steigen weiter an – Mindestlohn unter „Hungergrenze“

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Von: Erkan Pehlivan

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Eine vierköpfige Familie muss in der Türkei inzwischen 6.840 TL nur für Lebensmittel ausgeben. Diese sogenannte Hungergrenze liegt über dem Mindestlohn von 5.500 TL.

Ankara – In der Türkei sind die Lebensmittelkosten auch im Juli gestiegen. Das geht aus einer Untersuchung der Gewerkschafts-Dachverbandes „TÜRK-İŞ“ hervor.

Demnach braucht eine Familie mit vier Personen monatlich 6.839, 64 TL (ca. 371 Euro), um sich ausreichend und gesund zu ernähren (Hungergrenze). Die Autor:innen gehen davon aus, dass die Lebensmittelkosten monatlich um mind. sieben Prozent steigen.

Inflation in der Türkei: Familie mit vier Personen braucht 22.280 TL jeden Monat

„Die hohen Lebenshaltungskosten gehen in der Türkei einher mit der hohen Inflation“, heißt es in dem Bericht von „TÜRK-İŞ“. Insgesamt berechnet der Gewerkschafts-Dachverband die Lebenshaltungskosten (Armutsgrenze) für eine vierköpfige Familie auf 22.278,98 TL (ca. 1.210 Euro). Heute kostet der US-Dollar rund 18 TL. Ein Jahr vorher lag die amerikanische Leitwährung noch unter neun TL. Ein Ende der Talfahrt ist nicht in Sicht.

Lebenshaltungskosten in der Türkei steigen immer weiter
Einkaufen in der Türkei. © Sha Dati/IMAGO

Türkei: Mindestlohn liegt unter „Hungergrenze“

Die Situation hat sich in der Türkei gerade für Geringverdiener:innen verschlechtert. Der Mindestlohn liegt in dem Land bei 5.500 TL (ca. 298 Euro) und damit unter der Hungergrenze. Die Armutsgrenze für eine vierköpfige Familie beträgt das Vierfache des Mindestlohns. Und die Situation verschlimmert sich zunehmend: Die Türkische Lira verliert immer mehr an Wert, was die Inflation von offiziell 78 Prozent noch weiter anfeuert.

Das unabhängige Wirtschaftsforschungsinstitut „ENAGrup“ berechnete die Inflation in der Türkei zuletzt mit 175,55 Prozent. Neben Geringverdiener:innen haben es besonders die Menschen in Istanbul schwer. Nach Informationen der Handelskammer von Istanbul (Türkisch: Istanbul Ticaret Odasi) sind die Lebenshaltungskosten in der Millionenmetropole sogar um 99 Prozent gestiegen.

Türkei: Erneut Durchhalteparolen gegen Inflation

Finanzminister Nureddin Nebati versucht es dagegen erneut mit Durchhalteparolen. „Wir haben den ganzen Juli über intensiv gearbeitet um die Interessen unseres Staates und unserer Bürger zu schätzen“, teilt der türkische Finanzminister mit. Kritik an der Wirtschaftspolitik von Präsident Recep Tayyip Erdogan und seiner AKP-Regierung kommt dagegen vom renommierten Wirtschaftsexperten Prof. Dr. Özgür Demirtas. „Hindern euch äußere Mächte daran die Inflation zu senken“, kritisiert Demirtas die AKP-Regierung auf Twitter. (Erkan Pehlivan)

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