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Höchster Stand seit 24 Jahren: Türkische Inflation bei fast 85 Prozent

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Von: Erkan Pehlivan

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Inflation steigt in der Türkei auf 24-Jahres-Hoch
Das Einkaufen in der Türkei wird wegen der Inflation immer teurer. © Sedat Suna/dpa

Während die staatliche Statistikbehörde die Inflation mit 83,45 Prozent angibt, liegt sie unabhängigen Experten zufolge bei mehr als doppelt so hoch.

Ankara - Der Preisanstieg nimmt in der Türkei kein Ende. Überall machen sich die hohen Preise bemerkbar. Nicht nur bei Lebensmitteln, sondern auch Energie und Dienstleistungen sind deutlich teurer geworden. Die staatliche Statistikbehörde TÜIK hat die aktuellen Inflationszahlen deswegen mit 83,45 Prozent angegeben. Das ist der höchste Stand seit 24 Jahren.

Türkei: Unabhängiger Wirtschaftsforscher sieht Inflation bei 186 Prozent

Unabhängige Wirtschaftsinstitute kommen dagegen auf mehr als das Doppelte. Die Ena Grup spricht von 186,27 Prozent. Der Wirtschaftsforscher:innen geht davon aus, dass die Inflation alleine seit Jahresanfang um 101,63 gestiegen ist. Den Expert:innen zufolge sei die Inflation in der Türkei im September alleine um 5,3 Prozent gestiegen. TÜIK kommt hier auf 3,08 Prozent und liegt damit ebenfalls unter den Zahlen der Ena Grup.

Türkei: Erdogan spricht von Investitionen

Trotz der schlechten Inflationszahlen verkündet Finanzminister Nureddin Nebati (AKP) positive Nachrichten. „Unsere Exporte sind im September auf 252,6 Milliarden Dollar gestiegen und haben damit einen neuen Rekord gebrochen“, teilt Nebati auf Twitter mit. „Unsere Flagge wird auf globaler Arena mit jedem Tag höher gehisst werden“. Auch Präsident Recep Tayyip Erdogan sieht es ähnlich. In den sozialen Medien gibt er sich optimistisch und berichtet etwa über Investitionen in die Infrastruktur. Die Inflation wollte Erdogan auch diesmal nicht kommentieren.

Türkei: CHP sieht Zahlen von TÜIK manipuliert

Erneut hat die Opposition die staatliche Statistikbehörde kritisiert. „Die TÜIK raubt die Bürger aus“, schreibt der Abgeordnete Gökhan Zeybek (CHP) auf Twitter. Die Türkei werde durch den Präsidenten uns seiner Regierung erdrückt. Grund dafür sei, dass sich die Renten und Beamtengehälter an der Inflation richten und die Betroffenen dadurch weniger Geld bekommen, als ihnen zusteht.

Türkei bittet Russland laut Bloomberg um Zahlungsaufschub

Unterdessen bekommt die Türkei zunehmend Probleme, ihre Rechnung zu bezahlen. Der staatliche Gasliefernat „BOTAŞ“ soll nach einem Bericht von Bloomberg bei der russischen Regierung angefragt haben, einen Teil der Zahlungen auf 2024 zu verschieben. Die Türkei bezieht ihr Öl und Gas fast vollständig aus dem Ausland und ist vor allem von Energieimporten aus Russland abhängig.

Türkei: Oppositionsführer nennt System marode

Kritik daran kommt von Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu (CHP). „Die Türkei kann den Preis für Erdgas nicht zahlen“, sagt Kilicdaroglu in einer Mitteilung. „Die Türkei war immer ein ernst genommener Staat und hatte Ansehen“, kritisiert der Oppositionschef. Die AKP-Regierung habe alles vernichtet. Das System sei marode, empört sich Kilicdaroglu.

Die Energiepreise steigen in der Türkei enorm. Das liegt auch an dem Währungsverfall. Lag der US-Dollar zu Jahresbeginn bei 10,90 TL liegt er heute bei 18,50. Ein Jahr zuvor lag der US-Dollar sogar bei 8,86 TL. Die Türkei muss bei ihren Einkäufen ihre Rechnungen in der amerikanischen Leitwährung bezahlen. (Erkan Pehlivan)

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