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Türkei: „Konfrontation mit Griechenland innenpolitisches Kalkül“

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Miese Wirtschaft und Sicherheitsbedenken führten in der Türkei zu einem „Klima der Angst“, sagt der Türkeiexperte Dr. Süleyman Özeren. Dieses Klima diene Erdogan.

Ankara – Zwischen der Türkei und Griechenland herrscht diplomatische Eiszeit. Nach der Rede des griechischen Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis vor dem US-Kongress am 17. Mai hatte es für den Regierungsoberhaupt Standing Ovation gegeben. Mitsotakis hatte dabei eine ZweistaatenLösung für Zypern ausgeschlossen.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan kritisiert Griechenland mehrere US-Basen genehmigt zu haben.
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan © Imago

„Rede von Mitsotakis vor US-Kongress hat Erdogan psychisch getroffen“

„Die Rede von Mitsotakis vor dem US-Kongress hat Erdogan psycholgisch getroffen“, sagte Dr. Süleyman Özeren, Türkeiexperte beim US-Think Tank „Orion Policy Institute“ in Washington im Gespräch mit unserer Redaktion. In Ankara hatte die Rede hohe Wellen geschlagen. „Ein Mitsotakis existiert nicht mehr für mich“, sagte das türkische Staatsoberhaupt Recep Tayyip Erdogan. Mitsotakis solle nicht versuchen, mit der Türkei zu tanzen, warnte der türkische Präsident die Regierung in Athen. Zudem setzt sich die griechische Regierung in den USA dafür ein, dass es keine F-16 Flugzeuge an die Türkei verkauft, so Özeren.

Türkei fordert „Entmilitarisierung“ griechischer Inseln

Griechenland hatte als Reaktion auf die Verbalattacken aus Ankara sein Militär in der Ostägäis zuletzt in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Inzwischen legt die türkische Regierung nach und fordert eine „Entmilitarisierung“ von 12 griechischen Inseln in der Ägäis. „Wenn diese Inseln nicht entmilitarisiert werden, werden wir die Souveränität dieser Inseln diskutieren“, sagte der türkische Außenminister, Mevlüt Cavusoglu. Die griechische Seite sei zudem nicht Aufrichtig, sagte Cavusoglu.

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu bei einer Pressekonferenz in Moskau 2016.
Mevlüt Cavusoglu, Außenminister der Türkei, bei einer Pressekonferenz in Moskau 2016 © Natalia Kolesnikova / dpa

„US-Basen in Griechenland bedrohen die Türkei“

Erdogan wirft Griechenland auch vor, mehrere amerikanische Militärbasen auf seinem Territorium erlaubt zu haben. Diese würden sich gegen die Türkei richten. Özeren sieht darin innenpolitisches Kalkül: „Ein Grund, warum die Erdogan-Regierung die Konfrontation mit Griechenland erhöht, ist die tiefe Wirtschaftskrise und das Schwinden seiner Popularität“, so der Washingtoner Türkei-Experte Dr. Özeren. „Mit einer solchen Rhetorik garantiert sich Erdogan die Stimmen der Nationalisten. Schließlich finden nächstes Jahr Wahlen statt“, so Özeren.

Dr. Süleyman Özeren, Türkei-Experte beim US-Think Tank „Orion Policy Institute“ in Washington DC, sieht in der Türkei ein „Klima der Angst“.
Dr. Süleyman Özeren, Türkei-Experte beim US-Think Tank „Orion Policy Institute“ in Washington DC © privat

Türkei: „Klima der Angst“

Derzeit sieht der Wissenschaftler kein Ende dieser Verbalattacken gegen den Westen. „Es gibt in der Türke ein Klima der Angst. Und das nicht nur wegen der Sicherheit, sondern vor allem wegen der miesen Wirtschaftslage“, sagte Özeren.

Derzeit liegt die Inflation in der Türkei bei 73 Prozent in der Türkei. Das unabhängige Wirtschaftsinstitut „Enagrup“ geht sogar von 160 Prozent. Auch die Landeswährung verliert zunehmend an Wert. Der Euro liegt derzeit bei 17,7 TL und der US-Dollar bei 16,5 TL. Ein Ende der wirtschaftlichen Talfahrt und damit die Unzufriedenheit bei den Menschen ist derzeit nicht ersichtlich. (Erkan Pehlivan)

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