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Türkei erhebt Vorwürfe gegen Griechenland: Kampfjets sollen „notwendige Antwort“ geben

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Von: Erkan Pehlivan

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Erneut gibt es Spannungen in der Ägäis. Ankara wirft Griechenland vor, eine Nato-Übung mit der Türkei gestört zu haben.

Ankara/Athen - In der Ägäis droht ein neuer Konflikt. Griechenland soll sich in eine gemeinsame Übung von der Türkei und der Nato eingemischt haben. Das behauptet die türkische Regierung. Griechische Flugzeuge sollen versucht haben, das Manöver mit der Nato in der Ägäis zu verhindern.

Türkische Kampfjets sollen daraufhin die „notwendige Antwort“ gegeben haben, teilte das Verteidigungsministerium in Ankara mit. Die NEXUS ACE-Mission der Nato sei dennoch erfolgreich abgeschlossen worden, heißt es in der Mitteilung.

Türkei: Streit um Luftraum, Hoheitsgewässer und Erdgasvorkommen

Immer wieder hatte es in den vergangenen Monaten Streit zwischen den beiden Nato-Partnern gegeben. Dabei geht es vor allem um den Luftraum und Hoheitsgewässer, die beide Länder für sich beanspruchen. Auch geht es bei dem Streit um Erdgasvorkommen in der Ägäis und im Schwarzen Meer. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte zuletzt gedroht, Griechenland mit selbst entwickelten Raketen vom Typ „Tayfun“ anzugreifen. „Griechenland hat Angst vor unseren Raketen. Die Tayfun-Raketen können Athen treffen, sagt man. Das werden sie natürlich, wenn du nicht friedlich bleibst“, sagte Erdogan am 11. Dezember 2022.

Die selbe Drohung gegen sein Nachbarland wiederholte der türkische Staatschef bei einer Konferenz am vergangenen Samstag in Mardin. Er habe den Streitkräften folgende Anweisung gegeben: „Wenn die Griechen nicht friedlich bleiben, dann tut, was nötig ist“, sagte Erdogan. „Mit euch jungen Menschen haben wir schon gezeigt, dass wir eines Nachts ungeahnt kommen können und werden es auch wieder zeigen“, so Erdogan.

Nikos Dendias: „Türkei führt sich auf wie Nordkorea“

„Es ist inakzeptabel und allgemein zu verurteilen, dass ein verbündetes Land mit einem Raketenangriff gegen Griechenland droht“, sagte der griechische Außenminister Nikos Dendias am 12. Dezember bei einem EU-Außenministertreffen in Brüssel. Die Türkei würden sich aufführen wie Nordkorea, so Dendias. Ähnliche hatte sich der griechischen Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis bei seiner Rede vor der UN-Vollversammlung im September geäußert.

Spannungen zwischen der Türkei und Griechenland in der Ägäis nehmen erneut zu
F-16 Kampfflugzeug der griechischen Luftwaffe © IMAGO/Michalis Karagiannis / Eurokinissi

Griechen und Türken würden aber auch auf eine lange und friedliche Koexistenz zurück, sagte er. „Deshalb wende ich mich heute nicht nur an die politische Führung der Türkei, sondern auch an das türkische Volk mit folgender Botschaft: Griechenland stellt keine Bedrohung für euer Land dar“, sagte Mitsotakis. Als Nachbarn schätzten Griechen und Türken gleichermaßen die Freundschaft zwischen den beiden Völkern. „Ich weiss, dass die große Mehrheit beider Länder keine politischen Konflikte möchte“, sagte Mitsotakis.

Verbalattacken lenken vor inneren Problemen in der Türkei ab

Experten sehen in den Verbalattacken von Erdogan allerdings innenpolitisches Kalkül. Die Spannungen mit Griechenland schwächt die Opposition und lenke von inneren Problemen ab. Zudem wird im Juni 2023 gewählt. Sollte Erdogan und seine AKP die Wahlen verlieren, drohen dem türkischen Staatschef unter anderem Gerichtsprozesse wegen Korruption und Menschenrechtsverletzungen. (Erkan Pehlivan)

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