Mittelmeer-Eskalation

Streit mit Griechenland: Türkei kündigt Militärübung „Mittelmeer-Sturm“ vor Zypern an

  • Daniel Dillmann
    vonDaniel Dillmann
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Der Konflikt zwischen der Türkei und Griechenland um Ansprüche im Mittelmeer droht weiter zu eskalieren. Vor Zypern plant das türkische Verteidigungsministerium derweil eine Militärübung.

  • Im Mittelmeer droht die Eskalation: Türkei spricht offen von Krieg mit Griechenland.
  • Hintergrund des Streits zwischen der Türkei und Griechenland sind Erdgasvorkommen in der Ägäis.
  • Türkische Streitkräfte kündigen eine Militärübung vor Zypern an.

Update vom Samstag, 05.09.2020, 16.41 Uhr: Inmitten des Streits mit Griechenland um die Erdgassuche im östlichen Mittelmeer hat die Türkei eine Militärübung vor Zypern angekündigt. Unter dem Namen „Mittelmeer-Sturm“ soll sie am Sonntag (06.09.2020) beginnen und bis Donnerstag (10.09.2020) dauern, wie das türkische Verteidigungsministerium mitteilte. Es sollen auch Einheiten aus dem türkisch kontrollierten Nordzypern teilnehmen. Ziel sei es „wechselseitiges Training, Kooperation und Interoperabilität“ zwischen dem türkischen Festland und dem Truppenkommando auf der geteilten Mittelmeerinsel zu verbessern, hieß es weiter.

In einem Telefonat mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat der griechische Außenminister Nikos Dendias am Samstag erneut gefordert, dass die Türkei die Spannungen im östlichen Mittelmeer abbauen müsse. Das teilte das griechische Außenministerium nach dem Telefonat in einem Tweet mit.

Die Insel Zypern ist seit einer türkischen Militärintervention 1974 geteilt. Im Norden wurde mit türkischer Hilfe eine Türkische Republik Nordzypern eingerichtet, die jedoch nur von Ankara anerkannt wird. Dort sind auch türkische Truppen stationiert. Die Gesamtinsel wird als Republik Zypern international anerkannt und ist seit 2004 EU-Mitglied.

Update vom Dienstag, 01.09.2020, 8.45 Uhr: Die Türkei hat die umstrittene Erdgas-Suche ihres Forschungsschiffs „Oruc Reis“ im östlichen Mittelmeer ein weiteres Mal verlängert. Am 12. September solle der Einsatz enden, teilte die zuständige Marinebehörde mit. Der Einsatz hätte eigentlich schon am 23. August auslaufen sollen, wurde dann aber mehrmals und zuletzt bis zum 1. September verlängert.

Das griechische Außenministerium kritisierte die Verlängerung scharf. „Die Türkei erfüllt treu die Rolle des Unruhestifters und des Faktors der Destabilisierung der Region“, hieß es aus Athen.

Erdogan droht Griechenland und Frankreich: „Wir sind bereit, Märtyrer zu werden“

Update vom Montag, 31.08.2020, 11:17 Uhr: Im Streit über Gasvorkommen im Mittelmeer hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan den Ton gegenüber Griechenland und Frankreich nochmals verschärft. Die politisch Verantwortlichen in Athen und Paris seien „geldgierig“ und „inkompetent“, sagte der Staatschef am Sonntag in Ankara.

„Wenn es ums Kämpfen geht, sind wir bereit, Märtyrer zu werden“, sagte Erdogan in einer Rede. Er fügte hinzu: „Die Frage ist: Sind diejenigen, die sich gegen uns im Mittelmeer auflehnen, zu den gleichen Opfern bereit?“

Erdogan droht Griechenland mit Krieg.

„Akzeptiert das griechische Volk das Risiko, in dem es wegen seiner geldgierigen und inkompetenten Anführer ist?“, fragte Erdogan weiter. „Weiß das französische Volk um den Preis, den es wird zahlen müssen wegen seiner geldgierigen und inkompetenten Anführer?“

Ankara und Athen streiten um unlängst entdeckte Gasvorkommen im östlichen Mittelmeer. Die Beziehungen zwischen den beiden Nato-Ländern sind deshalb extrem angespannt. Angesichts der Lage hat Frankreich als Zeichen seiner Unterstützung für Griechenland seine Militärpräsenz im östlichen Mittelmeer verstärkt.

Türkei droht Griechenland offen mit Krieg - Konflikt im Mittelmeer spitzt sich zu

Ankara - Sollte Griechenland seine territorialen Ansprüche in den Gewässern der Ägäis ausweiten, würde die Türkei das als Grund für eine militärische Auseinandersetzung werten. „Wenn das kein Kriegsgrund ist, was denn sonst?“ fragte der türkische Vizepräsident Fuat Oktay laut der staatlichen Nachrichten Anadolu. Auch Außenminister Mevlut Cavusoglu drohte Griechenland: „Das wäre ein Grund für einen Krieg.“

Streit im Mittelmeer: Erdogan-Regierung droht Griechenland

Aus Griechenland wiederum kam Kritik an den Drohungen der türkischen Regierung unter Präsident Recep Tayyip Erdogan. Das Außenministerium in Athen nannte die Drohungen eine Taktik, die „gegen die internationale politische Kultur" verstöße.

Der Konflikt zwischen der Türkei und Griechenland im Mittelmeer hatte sich diese Woche deutlich verschärft. Griechenlands Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis hatte am Mittwoch verkündet, sein Land werde seine Hoheitszone im Ionischen Meer, das Italien zugewandt ist, verdoppeln - von bislang 6 auf dann 12 Meilen. Gleichzeitig betonte Mitsotakis, eine ähnliche Ausweitung der Gebietsansprüche könne auch in der Ägäis erfolgen. Dort sei man aber zum Dialog mit der Türkei bereit.

Es droht die Eskalation mit der Türkei: Griechische Kriegsschiffe bei einer Militärübung im östlichen Mittelmeer teil.

Sowohl Türkei als auch Griechenland erheben Ansprüche in der Ägäis

In Ankara ließen diese Ankündigungen die Alarmglocken läuten. Man werde die Rechte der Türkei im Mittelmeer ungeachtet aller Kosten verteidigen. In einer gemeinsamen Erklärung hatten am Freitag die Außenminister der Europäischen Union die Türkei und Griechenland zum Dialog aufgerufen. Sollten Gespräche nicht zustande kommen, könnte die EU auf ihrem Sondergipfel am 24. September weitere Strafmaßnahmen gegen die Türkei beschließen. Türkeis Vizepräsident Oktay wiederum rief die EU zur Fairness auf. Der Staatenbund sei kein internationales Gericht, das bestimmen könne, sagte Oktay.

Bereits im Jahr 1995 hatte das türkische Parlament eine mögliche Ausdehnung der griechischen Hoheitsgewässer in der Ägäis als Kriegsgrund für die Türkei definiert. Denn dann würde die Ägäis wegen der zahlreichen griechischen Inseln quasi zu einer griechischen See.

Streit zwischen Türkei und Griechenland: Der Grund sind Erdgasvorkommen

Hintergrund der Streitigkeiten zwischen den beiden Mitgliedsstaaten der Nato und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sind große Erdgasvorkommen, die im östlichen Mittelmeer vermutet werden. Bereits seit längerem erkundet die Türkei den Meerboden in Regionen, die sowohl von Zypern als von Griechenland beansprucht werden.

Griechische und türkische Truppenverbände demonstrieren beide mit Manövern in der Region militärische Stärke. Währen die griechischen Manöver von französischen Einheiten unterstützt werden, beteiligen sich an den türkischen Übungen die US-Marine.

Am Freitag soll es bereits zu ersten kleineren Scharmützeln gekommen sein. Die Türkei meldete, sie habe östlich von Zypern sechs griechische F-16-Kampfflugzeuge abgefangen. Zuvor hatte sie die Arbeit ihres seismischen Erkundungsschiffes „Oruc Reis“ dort um fünf Tage bis zum 1. September verlängert. Am Samstag kündigte Ankara neue Schießübungen im östlichen Mittelmeer vor der türkischen Südküste an. (Daniel Dillmann mit dpa)

Rubriklistenbild: © Handout / GREEK DEFENCE MINISTRY / AFP

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