Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan gestikuliert, während er in Ankara eine Rede hält.
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Recep Tayyip Erdogan bei einer Rede (Symbolbild). Seit Wochen schaukelt sich der Streit zwischen Griechenland und der Türkei um Seegebiete im Mittelmeer hoch.

Erdgas im Mittelmeer

„Verpiss Dich“: Zeitung beleidigt Erdogan und heizt Streit zwischen Türkei und Griechenland weiter an

  • Christian Stör
    vonChristian Stör
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Im Streit zwischen der Türkei und Griechenland gießt eine Zeitung zusätzlich Öl ins Feuer. Sie beleidigt den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

  • Eine rechtsextreme griechische Zeitung provoziert den türkischen Präsidenten Erdogan
  • Die Türkei verlangt, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden
  • Hintergrund des Streits zwischen der Türkei und Griechenland sind Erdgasvorkommen in der Ägäis.

Istanbul/Athen – Die Aussage ließ keinen Interpretationsraum zu. „Verpiss Dich, Herr Erdogan“ stand am vergangenen Freitag (18.09.2020) dick und fett auf der Titelseite der griechischen Tageszeitung „Dimokratia“ zu lesen“. Damit der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan auch wirklich wusste, welche Botschaft ihm da vermittelt werden sollte, stand sie gleich zweimal dort: einmal auf Türkisch („Siktir git Mr. Erdogan“) und einmal auf Englisch („F@ck you“)

Recep Tayyip Erdogan: Zeitung aus Griechenland beleidigt türkischen Staatschef

Mit dieser Aktion goss die griechische Zeitung natürlich wieder Öl ins Feuer des Erdgasstreits, der seit geraumer Zeit die Beziehungen zwischen der Türkei und Griechenland schwer belastet. Die Türkei reagierte entsprechend. Regierungssprecher Fahrettin Altun sprach von einer „schamlosen“ Veröffentlichung und verlangte von Griechenland, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. „Ich verurteile die Veröffentlichung von Beleidigungen gegen unseren Präsidenten (...) auf der Titelseite einer rechtsextremen Zeitung auf das Schärfste“, schrieb Altun.

Einen ausländischen Staatschef zu beleidigen sei „nichts als ein Zeichen von Hilfslosigkeit und mangelnder Vernunft und fällt nicht in das Spektrum der Pressefreiheit oder der Meinungsfreiheit“, so Altun weiter. Zuvor hatte sich das griechische Außenministerium bereits von der Überschrift distanziert, gleichzeitig aber auch die türkische Kritik an die Adresse der Regierung in Athen zurückgewiesen. Die Meinungsfreiheit genieße in Griechenland vollen Schutz, erklärte das Außenministerium in Athen. Allerdings widerspreche der Gebrauch beleidigender Sprache „der politischen Kultur unseres Landes und kann nur verurteilt werden“.

Recep Tayyip Erdogan beleiditgt - Türkei verklagt griechische Zeitung wegen Anti-Erdogan-Titel

Inzwischen hat die Türkei wegen Beleidigung von Recep Tayyip Erdogan rechtliche Schritte eingeleitet. Man werde gegen die Verantwortlichen der Tageszeitung „Dimokratia“ vorgehen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf einen Anwalt Erdogans. Eine solch „verachtenswerte Aktion“ sei nicht nur gegen Erdogan persönlich, sondern auch gegen die Interessen der Türkei im Mittelmeer und in der Ägäis gerichtet, zitierte Anadolu aus der Begründung. Die Aussage sei nicht von der Meinungsfreiheit gedeckt. Die als extrem rechtslastig geltende Zeitung hat eine Auflage von nur wenigen Tausend.

Seit der Entdeckung reicher Gasvorkommen im östlichen Mittelmeer liegen die beiden Nato-Mitgliedsstaaten über Kreuz. Sowohl die EU-Mitglieder Griechenland und Zypern als auch die Türkei erheben Anspruch auf die betreffenden Seegebiete und untermauern diesen auch durch die Entsendung von Kriegsschiffen. Das türkische Forschungsschiff Oruc Reis war kürzlich von Erkundungen im Mittelmeer zurückgekehrt, was von vielen als Entspannung gewertet wurde. (cs mit dpa/afp)

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