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Graue Wölfe in Deutschland: Türkische Rechtsextremisten breiten sich aus

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Von: Erkan Pehlivan

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Rechtstreme Organisation Graue Wölfe
Teilnehmer einer Demonstration der rechtsextremen Organisation Graue Wölfe (Archivbild). © Boris Roessler/dpa

Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) warnt vor türkischem Rechtsextremismus in Deutschland. Dennoch können sie „Kulturveranstaltungen“ durchführen.

Köln - In einer Mitteilung klärt das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) über türkischen Rechtsextremismus und seine Strukturen in Deutschland auf. Im Fokus steht eine Gruppierung, die als „Graue Wölfe“ oder „Ülkücü“ bekannt sind. Demnach sei die ADÜTDF („Almanya Demokratik Ülkücü Türk Dernekleri Federasyonu“ – „Föderation der Türkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland e.V.“) der größte Dachverband türkischer Rechtsextremisten in Deutschland. Etwa 7.000 Mitglieder sollen in knapp 170 örtlichen Vereinen organisiert. Die Behörde sieht den Dachverband als die Auslandsorganisation der rechtsextremistischen türkischen Partei MHP.

Türkische Rechtsextremisten in 3 Dachverbänden organisiert

Auch zwei weitere Vereine in Deutschland gehörten zu den türkischen Rechtsextremisten: Die ATİB („Avrupa Türkİslam Kültür Dernekleri Birliği“ – „Union der Türkisch-Islamischen Kulturvereine in Europa e.V.“) mit rund 20 Ortsvereinen und 1.200 Mitgliedern und der ANF („Avrupa Nizâm-ı Âlem Federasyonu“ – „Föderation der Weltordnung in Europa“) mit 15 Ortsvereinen und ebenfalls rund 1.200 Mitgliedern.

„So kann die türkisch-rechtsextremistische „Ülkücü“-Ideologie (abgeleitet von ´Ülcücüler´ - ´Idealisten´) als eine Überhöhung des türkischen Volkes bei gleichzeitiger Abwertung anderer Ethnien, Staaten und Religionen, vor allem aber der Juden, Israels und der Armenier verstanden werden“, schreiben die Experten des BfV. „ Manche ´Ülkücü´-Aktivisten erstreben gar ein eigenes Reich ´Turan´, das sich über ein riesiges Gebiet weit über die heutige Türkei hinaus bis auf den Balkan erstrecken würde. Die gängige Parole lautet ´Hedef Turan´ (´Das Ziel ist Turan!´), in dem alle Turkvölker vereint herrschen sollen“, so die Mitteilung. „Die einschlägigen Vereinslokale der ´Ülkücü´-Bewegung dienen als Treffpunkte und Gebetsräume für Mitglieder und Sympathisanten“, schreibt das BfV.

Warnung vor Kulturveranstaltung von türkischen Rechtsextremisten

Die türkischen Rechtsextremisten veranstalten in Deutschland immer wieder sogenannte Kulturveranstaltungen, in denen sie Politiker und Sängerinnen und Sänger aus ihren eigenen Reihen einladen. Unter den Sängern sind auch solche wie Mustafa Yıldızdoğan, der bei türkischen Rechtsextremisten besonders beliebt ist. Yıldızdoğans Lied „Ölürüm Türkiyem“ (übersetzt: ich sterbe für dich Türkei) sticht dabei besonders vor. In dem Text des Liedes wird praktisch alles in der Türkei glorifiziert. An der Veranstaltung hatte auch der Abgeordnete der rechtsextremistischen MHP, Cemal Çetin, teilgenommen.

Türkische Rechtsextremisten vermitteln deutschlandfeindliche Haltung

„Solche Veranstaltungen werden oft als Folkloreveranstaltungen wahrgenommen, sind aber weit mehr als das. Über die Lieder wird eine türkisch-nationalistische Ideologien vermittelt, die Überlegenheit des Türkentums vermittelt“, warnt Eren Güvercin, Gründungsmitglied der Alhambra Gesellschaft, im Gespräch mit FR.de von IPPEN.Media. Diese türkischen Rechtsextremisten vermitteln den anwesenden Jugendlichen die Haltung, dass der deutsche Staat, seine Institutionen und die deutsche Gesellschaft insgesamt den Türken und Muslimen feindlich gesinnt sei“,so Güvercin.

Mitgliederstärkste rechtsextremistische Gruppe Deutschlands

Auch der Präsident der Bundesarbeitsgemeinschaft der Immigrantenverbände in Deutschland (BAGIV), Ali Ertan Toprak, warnt im Gespräch mit unserer Redaktion vor dem türkischen Rechtsextremismus. In Deutschland verstehe man unter Nationalismus anscheinend nur den deutschen Nationalismus und Rechtsextremismus. „Wie könnte man sonst die absurde Situation erklären, dass die mitgliederstärkste rechtsextremistische Gruppe Deutschlands zwar die Grauen Wölfe – eine türkisch-rechtsextremistische Gruppe – sind, aber die sich dennoch seit Jahrzehnten gesellschaftlich fast unbehelligt überall in Deutschland ausbreiten konnten“, sagt Toprak.

Experten fordern Handeln gegen türkische Rechtsextremisten

„Ich kenne keinen Staat, der seine Gegner so unterstützt wie Deutschland“, empört sich Experte und fordert die Politik zum Handeln auf. „Türkisch rechts gilt bei den Parteien von CDU über SPD und FDP bis zu den Grünen zu oft als minder schwerer
Fall von rechts“, so Toprak. Auch Güvercin fordert Handeln. Diese türkischen Rechtsextremisten vermitteln diesen Jugendlichen die Haltung, dass der deutsche Staat, seine Institutionen und die deutsche Gesellschaft insgesamt den Türken und Muslimen feindlich gesinnt sei. Genau da müssen wir als Gesellschaft eingreifen und aktiv werden. Ansonsten dürfen wir uns nicht wundern, wenn durch den türkischen Rechtsextremismus der gesellschaftliche Frieden in Deutschland immer stärker gefährdet wird“, sagt Güvercin. (Erkan Pehlivan)

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