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Türkei: Mindestens 97 Femizide zwischen Januar und April 2022

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Zwischen Januar und April 2022 wurden in der Türkei mindestens 97 Frauen aufgrund ihres Geschlechts ermordet. Alleine im April gab es 24 Frauenmorde.

Ankara – Das Thema Femizid bleibt in der Türkei aktuell, da immer wieder Frauen aufgrund ihres Geschlechts ermordet werden. Im April 2022 wurden nach Angaben der Frauenrechtsorganisation „Kadın Cinayetlerini Durduracağız Platformu“ (auf Deutsch: Wir-werden-die-Frauenmorde-stoppen-Plattform) 24 Frauen in dem Land ermordet. In 16 weiteren Fällen ist die Todesursache zweifelhaft.

Zehn der Frauen wurden ermordet, weil sie sich von ihren Ehepartnern scheiden lassen wollten. Eine der Frauen wurde ermordet, weil sie sich geweigert hatte, ihren Partner zu heiraten.

Türkei: Mindestens 97 Femizide zwischen Januar 2022 und April 2022

Insgesamt wurden in den ersten vier Monaten des Jahres 97 Frauen wegen ihres Geschlechts ermordet. In 84 Fällen kamen Frauen auf zweifelhafte Weise ums Leben. Die Frauenrechtsorganisation kritisiert die AKP-Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan. „Anstatt Zahlen zu veröffentlichen, wie viele Frauen, wo, wie und durch wen ermordet wurden, behauptet das Innenministerium, unsere Zahlen seien falsch“, teilt die Plattform auf ihrer Internetseite mit.

Ankara, Frauen protestieren gegen den Istanbul-Konvention Austritt der Türkei
Proteste gegen Austritt aus Istanbul-Konvention in Ankara © Tunahan Turhan / Imago Images

Türkei: 46 Prozent der Täter im April 2022 Ehepartner

In ihrem monatlichen Bericht hat die Plattform weitere Details zu den Hintergründen der Tat veröffentlicht. Bei den 24 Morden im April war in 11 Fällen der Täter der Ehepartner. Drei Frauen wurden durch Verwandte, eine Frau durch einen Ex-Partner, eine weitere Frau durch ihren Sohn und eine andere Frau durch einen Unbekannten ermordet.

Türkei: Austritt aus Istanbul-Konvention per Dekret

Per Dekret hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan im März 2021 den Austritt der Türkei aus der Istanbul-Konvention angeordnet. Mit dem Abkommen des Europarates aus dem Jahr 2011 sollte Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt durch verbindliche Rechtsnormen unterbunden werden. Die Türkei war eines der ersten Länder, die das Abkommen unterzeichnete. Zahlreiche Demonstrationen gegen einen Austritt aus der Istanbul-Konvention konnten Erdogan nicht überzeugen.

Außer der Kadın Cinayetlerini Durduracağız Platformu hatten noch mehrere andere Organisationen beim Kassationshof (Türkisch: Danıştay) Anträge gegen das Dekret von Erdogan gestellt. Die Anträge wurden allesamt abgewiesen und seit dem 1. Juli 2021 ist die Türkei aus der Istanbul-Konvention ausgetreten. (Erkan Pehlivan)

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