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Blick vom Camlica Hügel auf der asiatischen Seite von Istanbul über den Bosporus auf den europäischen Teil der türkischen Metropole
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Blick vom Camlica Hügel auf der asiatischen Seite von Istanbul über den Bosporus auf den europäischen Teil der türkischen Metropole (Archivbild).

Infrastruktur der Türkei

Erdoğans Prestigeprojekt: „Kanal Istanbul“ soll Suez-Katastrophe in Türkei verhindern

  • vonJoel Schmidt
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Schon seit Jahren bringt Recep Tayyip Erdoğan riesige Infrastrukturprojekte in der Türkei auf den Weg. Nun bekommt auch sein Kanal Istanbul grünes Licht.

Istanbul – Die Türkei macht den Weg frei für ein weiteres Prestigeprojekt von Recep Tayyip Erdoğan. Mit dem Kanal Istanbul möchte der Präsident der Türkei einen „zweiten Bosporus“ und sich selbst ein Denkmal erschaffen. Gegner:innen des Projektes warnen hingegen vor den weitreichenden Folgen des umstrittenen Bauprojektes für Mensch und Natur.

„Wir haben die Entwicklungspläne für das Kanal Istanbul-Projekt genehmigt und zur öffentlichen Konsultation freigegeben“, verkündete Umweltminister Murat Kurum am Samstag (27.03.2021) auf dem Kurznachrichtendienst „Twitter“. „Wir werden schnell Schritte unternehmen, um unser Land und unsere heilige Stadt mit dem Kanal Istanbul zu bereichern“, fügte er bedeutungsvoll hinzu.

Weiteres Prestigeprojekt für Erdoğan und die Türkei: Auf dem Weg zum Kanal Istanbul

Westlich der berühmten Bosporus-Meerenge gelegen soll mit dem Kanal Istanbul eine 45 Kilometer lange und an der schmalsten Stelle 275 Meter breite, künstliche Wasserstraße entstehen, welche das Marmameer und das Schwarze Meer miteinander verbinden. Laut der regierungsnahen Zeitung „Hurriyet Daily News“ soll mit dem Kanal nicht nur der Schiffsverkehr auf einer der verkehrsreichsten Seepassagen der Welt – der Bosporus-Straße – erleichtert, sondern auch Vorfälle wie die Blockade des Suezkanals durch das Containerschiff „MS Ever Given“ verhindert werden. Derzeit werden die Baukosten mit etwa zehn Milliarden Euro angegeben.

Präsident Recep Tayyip Erdoğan auf einer Pressekonferenz nach einer Sitzung des Kabinetts.

Doch Recep Tayyip Erdoğan, der bei der Vorstellung des Projektes vor zehn Jahren die Pläne selbst als „verrückt“ bezeichnet hatte, will nicht einfach nur eine neue Wasserstraße bauen. In einem Werbevideo des türkischen Umweltministeriums ist die Rede von der Entstehung einer neuen Stadt mit einer halben Million Einwohner:innen, direkt am Kanal Istanbul gelegen. Jacht- und Containerhafen, eine unter dem Kanal verlaufene U-Bahn sowie Autobahnanschluss an den 2019 eröffneten Flughafen Istanbul inklusive. Nach Willen des Präsidenten und Vorsitzenden der regierenden Partei AKP sollte das Projekt bereits im Jahr 2023, dem 100. Jahrestag der Gründung der Republik eröffnet werden.

Erdoğan-News:

Alle Informationen rund um den Präsidenten der Türkei auf unserer Themenseite.

Selbst Türkeis Präsident Erdoğan bezeichnete Pläne zum Kanal Istanbul als „verrückt“

Zu den Kritiker:innen des Projektes zählt der seit 2019 amtierende Bürgermeister Istanbuls Ekrem İmamoğlu, von der Repulikanischen Volkspartei (CHP). Er warnte bereits nach seiner Amtsübernahme davor, der Bau des Kanal Istanbul würde auf „Beton und Rendite“ beruhen und den Verlust von Wald, Ackerflächen und Wasserresourcen mit sich bringen.

Auch der Istanbuler Städteplaner Gürkan Akgün bezeichnete das Projekt bereits im vergangenen Jahr als „sehr riskant“, da zwischen dem neuen Kanal und dem Bosporus gewissermaßen eine Insel entstehe. Im Angesicht der sowieso schon stark durch Erdbeben gefährdeten Lage Istanbuls zeigte er sich besorgt, dass die Evakuierungsmöglichkeiten in einem Notfall aufgrund der Lage nicht ausreichend seien. Zudem kritisierte er gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa), dass der Plan Erdoğans überhaupt in die Tat umgesetzt werden solle – trotz Klimakrise und in einer Zeit abnehmender Trinkwasserquellen und Regenfälle. (Joel Schmidt)

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