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Opposition in der Türkei kritisiert Erdogan: „Hör auf, die Bürger anzulügen“

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Von: Erkan Pehlivan

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Erdogan
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bittet die Menschen in der Türkei um Geduld. © Khalil Hamra/AP/dpa

Erdogan will angesichts der Wirtschaftskrise in seinem Land die subventionierten Supermärkte von derzeit 1300 auf 3000 erhöhen. Die Opposition sieht darin Augenwischerei.

Ankara – Die wirtschaftlichen Probleme in der Türkei sind erdrückend. Eine offizielle Inflation von 80 Prozent und der Währungsverfall lassen die Kaufkraft der Menschen schwinden. Dennoch sieht Präsident Recep Tayyip Erdogan die Situation gelassen. Bei seinen Auftritten bitte Erdogan die Bevölkerung immer wieder um Geduld.

Türkei: „Regale in Europa leer“

Gleichzeitig beschwichtigt das türkische Staatsoberhaupt auch mit obskuren Vergleichen. „Auch wenn im Westen die Inflation bei neun Prozent und bei uns bei 80 Prozent sind, gibt es unterschiedliche wirtschaftliche und soziale Effekte“, sagte Erdogan bei einem Treffen mit Bauunternehmen am 24. August. Bei seiner Rede zum Nationalfeiertag in Kütahya legte Erdogan nach: „Über Europa und Amerika ziehen schwarze Wolken. Schaut, sie finden kein Erdgas mehr. In Europa sind die Regale in den Supermärkten leer“, so der türkische Staatschef.

Türkei: Mehr Supermärkte der Landwirtschafts- und Kreditkkooperative „Augenwischerei“

Um die steigenden Lebensmittelpreise abzufedern, kündigte Erdogan an, die Supermärkte der Landwirtschafts- und Kreditkkooperative (Türkisch: Tarım Kredi Kooperatifleri marketleri) von derzeit 1300 binnen kurzer Zeit auf 3000 zu erweitern. Diese sollen Lebensmittel günstiger verkaufen.

Diese Supermärkte hält die Opposition dagegen für Augenwischerei und zeigt auf, dass die Preise dort sogar teurer als in den herkömmlichen Supermärkten sein können. Auf seiner Twitterseite verglich der Abgeordnete Yildirim Kaya (CHP) die Preise mehrerer Produkte mit ernüchterndem Ergebnis. Viele Produkte waren tatsächlich teurer als in herkömmlichen Supermärkten. „Erdogan: Hör auf, die Bürger anzulügen“, lässt der Abgeordnete über Twitter mitteilen.

Türkei: Lebensmittelpreise 176 Prozent gestiegen

Die Gewerkschaft „Birlik Kamu Is“ hatte im Juli ausgerechnet, dass Lebensmittel im Durchschnitt im Vergleich zum Vorjahr um 176 Prozent teurer wurden. Den Rekordanstieg verzeichnet Gemüse mit 411,9 Prozent. Wegen der Wirtschaftsprobleme sind die Umfragewerte für Erdogan deutlich zurückgegangen. Seine Widerwahl im kommenden Jahr ist deswegen in Gefahr. (Erkan Pehlivan)

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