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Präsident Recep Tayyip Erdoğan, Präsident der Türkei, steht in Anzug an einem Rednerpult und hält eine Rede.
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Übt viel Einfluss aus auf die Geldpolitik der Türkei: Präsident Recep Tayyip Erdoğan.

Erdoğans Geldpolitik

Wirtschaft in der Türkei wächst – Währung aber so schwach wie nie

  • Matthis Pechtold
    vonMatthis Pechtold
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Während in der Türkei die Wirtschaft floriert, fordert Präsident Erdoğan erneut niedrigere Zinsen. Fachleute sehen das als schlechtes Zeichen für die Inflation.

Ankara – Von Januar bis März 2021 ist das Bruttoinlandsprodukt der Türkei um sieben Prozent gewachsen, wie das staatliche Statistikamt am Montag (31.05.2021) mitgeteilt hat. Ein verhältnismäßig hoher Wert, in der Gruppe der G20-Staaten nimmt die Türkei damit für das erste Quartal dieses Jahres den zweiten Platz ein, nur China wächst noch stärker. Analyst:innen überrascht das, sie hätten dem Redaktionsnetzwerk Deutschland zufolge ein Plus von 6,3 bis 6,7 Prozent erwartet. Für den türkischen Finanzminister Lütfi Elvan sind diese Werte „Indikatoren eines ausbalancierten und gesunden Wachstums.“

Zweischneidige Entwicklung in der Türkei: Wirtschaft wächst – aber auch die Inflation

Zieht man weitere Indikatoren für die Stabilität einer Volkswirtschaft hinzu, trübt sich dieses Bild dagegen schnell ein, meinen Fachleute. Rund zwei Tage, nachdem diese Zahlen veröffentlicht worden sind, hat Präsident Recep Tayyip Erdoğan Angaben über den Wert der türkischen Währung Lira gemacht: Sie fiel demnach gegenüber einem US-Dollar zeitweise auf bis zu 8,80 Lira, gegenüber einem Euro auf bis zu 10,75 Lira, berichtet die dpa. Beide Werte sind so niedrig wie nie. Kurz zuvor hatte Erdoğan in einem Interview noch eine Zinssenkung durch die türkische Zentralbank als „Notwendigkeit“ bezeichnet.

Hier gehen die Ansichten des türkischen Präsidenten und die zahlreicher Wirtschaftswissenschaftler:innen auseinander: Erdoğan ist der Ansicht, eine Abwertung der eigenen Währung über niedrigere Zinsen bekämpfen zu können; für Finanzexpert:innen sind dagegen gerade die niedrigen Zinsen der Auslöser, nicht die Heilung. Auch die Jahresinflation zog an und kletterte im April auf 17,1 Prozent. Denn seit 2016 fiel das statistische Pro-Kopf-Einkommen von 10.000 auf 7500 Euro, berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland und kommt zu dem Schluss, der Wertverfall der Lira relativiere die hohen Wachstumszahlen.

Türkei: Erdoğan hält an Niedrigzinspolitik fest – Bonitätsrating könnte darunter erneut leiden

Würden die Zinsen nun erhöht werden, würde das gemäß den Annahmen dominanter wirtschaftswissenschaftlicher Schulen das Wirtschaftswachstum bremsen. Das scheint Fachleuten zufolge aber nicht im Interesse Erdoğans zu sein: Im März hatte er zum zweiten Mal binnen weniger Monate den Chef der Zentralbank ausgewechselt, kurz nachdem dieser den Leitzins um zwei Prozent erhöht hatte. Und noch vorige Woche entließ er einen Vizegouverneur der Notenbank. Jetzt entscheidet der ehemalige AKP-Abgeordnete Şahap Kavcıoğlu über die Preisstabilität im Land.

Mag Erdoğan Beobachter:innen zufolge zwar viel Einfluss auf den aktuell amtierenden Präsidenten der Zentralbank haben und eine Zinssenkung im Juli und August damit absehbar scheinen: Auf dem internationalen Währungsmarkt droht der Türkei Ungemach. Am Freitag (04.06.2021) will die Ratingagentur Moody‘s eine neue Bewertung der Kreditwürdigkeit der Türkei veröffentlichen. Erwartet wird, dass das Ranking des Landes (aktuell „B2“) weiter gesenkt wird. Fachleuten zufolge wird diese Entscheidung Anleger:innen eine weitere Warnung sein, zukünftig in die türkische Wirtschaft zu investieren. (mp)

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