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Nach Enthüllungen von Sedat Peker: Zwei Berater von Erdogan treten zurück

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Von: Erkan Pehlivan

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Die Enthüllungen des ehemaligen Mafiabosses Sedat Peker über Korruptionsfälle einer AKP-Abgeordneten führen zu ersten Rücktritten. Zwei Berater von Erdogan haben ihren Rücktritt eingereicht.

Ankara – Nach den jüngsten Enthüllungen des ehemaligen Mafiosos und Natioanlisten Sedat Peker aus seinem Exil in den Vereinigten Arabischen Emiraten über die Verstrickung einer Abgeordneten der Regierungspartei AKP und ihrer Familie in Korruptionsfälle gibt es erste Rücktritte. Dabei handelt es sich um Korkmaz Karaca und Serkan Taranoglu, einen Berater von Präsident Recep Tayyip Erdogan.

Türkei: Zurückgetretener Erdogan-Berater sieht sich als Opfer

„Seit 2018 bin ich mit Zustimmung von Präsident Recep Tayyip Erdogan Mitglied im Rat für Wirtschaftspolitik. Während dieser Tätigkeit habe ich kein Geld und Auto dafür bekommen“, schreibt Korkmaz in den sozialen Medien als Begründung für seinen Rücktritt. 2022 habe der Manager drei schwere Operationen hinter sich gebracht und habe deswegen gesundheitliche Probleme. Karaca sieht sich in den sozialen Medien einer „Lynchkampagne“ ausgesetzt.

Ehemaliger Mafiaboss und Nationalist Sedat Peker
Sedat Peker © OZAN KOSE/dpa

Die Vorwürfe gegen Korkmaz wiegen schwer. Sedat Peker hatte im Juni 2021 mitgeteilt, dass Karaca ein enger Freund von Innenminister Süleyman Soylu ist. „Noch vor vier, fünf Jahren im Istanbuler Stadtteil Maltepe einem gewöhnlichen Haus gelebt und heute lebst du in einer Luxusvilla im Stadtteil Cekmeköy“, schrieb damals Peker auf Twitter.

Obwohl Peker auch Videos und Unterlagen auf Twitter postet, die seine Vorwürfe belegen, trauen sich weiterhin weder Staatsanwaltschaften noch Polizei Ermittlungen einzuleiten. Erdogan hat nach dem Putschversuch am 15. Juli 2016 Tausende Richter und Staatsanwälte sowie zehntausende Polizisten entlassen und viele von ihnen festnehmen lassen.

Türkei: Erdogan akzeptiert Rücktritt von Taranoglu nicht

Auch Serkan Taranoglu, der ebenfalls Berater von Präsident Erdogan ist, soll inzwischen zurückgetreten sein, schreibt der Investigativjournalist Erk Acerer. Taranoglu hat sein Twitterkonto gesperrt und seinen Titel als Präsidentenberater unter seinem Namen gelöscht. Wie der Abgeordnete Cemal Enginyurt (Demokrat Parti) auf Twitter mitteilt, habe Erdogan den Rücktritt nicht akzeptiert. „Der Präsident hat den Rücktritt nicht akzeptiert, damit es nicht so aussieht, dass die Vorwürfe gegen Taranoglu bestätigt werden“.

Der bekennende Nationalist Peker, der auch Verbindungen in die rechte Szene hat, hatte über den Twitter-Kanal „Deli Cavus“ den Whatsapp-Nachrichtenverlauf mit Mine Tozlu Sineren veröffentlicht. Darin verlangt er 200.000 TL (ca. 11.000 Euro). „Schau, wie ich deine Probleme löse“, ist in dem Nachrichtenverlauf zu lesen. Auch im Fall von Taranoglu sind keine Ermittlungen zu sehen, obwohl der Abgeordnete Cemal Enginyurt Strafanzeige gestellt hat. Die Enthüllungen von Peker belasten auch die Minister von Erdogans Kabinett. In den Straßen in der Türkei wird inzwischen laut über die Vorwürfe gegen Regierungsmitglieder diskutiert. Dennoch schweigt der türkische Staatschef zu den Vorwürfen. (Erkan Pehlivan)

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