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Präsident Recep Tayyip Erdoğan spricht im vergangenen Oktober vor Journalisten  in Istanbul
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Präsident Recep Tayyip Erdoğan spricht im vergangenen Oktober vor Reporter:innen in Istanbul (Archivbild).

Präsident äußert sich

Türkei: Erdogan zum Frauentag - „Heiligkeit der Familie“ statt LGBTQI+

  • vonJoel Schmidt
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Am Internationalen Frauentag meldet sich Präsident Erdoğan zu Wort und greift erneut die LGBTQI+-Community an.

  •  Am Internationalen Frauentag äußert sich Recep Tayyip Erdoğan in einer Botschaft.
  • Der AKP-Vorsitzende betont den Einsatz der Regierung für die Rechte von Frauen. Seit Beginn des Jahres gab es aber in der Türkei 51 Femizide.
  • Erdogan-News: Alle Informationen rund um den Präsidenten der Türkei auf unserer Themenseite.

Istanbul – Anlässlich des Internationlen Frauentags hat Präsident Recep Tayyip Erdoğan Gewalt gegen Frauen aufs Schärfste verurteilt. Frauenrechtlerinnen werfen der türkischen Regierung indessen vor, den Hass in der Gesellschaft weiter zu schüren.

Erdoğan und andere Vertreter:innen würden mit LGBTQI+-feindlichen Aussagen dazu beitragen, dass viele Menschen sich nicht sicher fühlen könnten, sagte eine Sprecherin der Organisation „Wir werden Frauenmorde stoppen“ der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Doch der Präsident der Türkei sieht das anders.

Laut Erdoğan habe das Land in der Vergangenheit zahlreiche Reformen durchgeführt, um Probleme wie Diskriminierung, häusliche Gewalt als auch die Benachteiligung von Frauen in Bildung, Wirtschaft und dem sozialen Leben zu lösen. „Nochmals, ich verurteile alle Formen körperlicher und psychischer Gewalt und Diskriminierung von Frauen, die ich als Verbrechen gegen die Menschlichkeit betrachte“, wird der Präsident in der regierungsnahen Tageszeitung „Daily Sabah“ zitiert.

Erdoğan zum Internationalen Frauentag: Bedrohung der Familienstruktur durch LGBTQI+

Nach Daten der Organisation „Wir werden Frauenmorde stoppen“ hat es allein in den ersten Monaten des Jahres 2021 in der Türkei 51 Femizide gegeben. Im vergangenen Jahr seien es der Organisation zufolge 300 gewesen. Die blumigen Worte Erdoğans anlässlich des 8. März stehen somit in einem krassen Widerspruch zur alltäglichen Realität in dem Land. Erst recht vor dem Hintergrund, dass der Präsident selbst es war, der noch im August vergangenen Jahres laut darüber nachdachte, aus dem „Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt“ auszusteigen.

Die sogenannte Istanbul-Konvention, mit dem ein europaweiter Rechtsrahmen zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen geschaffen wurde, hatte Erdoğan 2011 selbst unterschrieben. Durch die Ratifizierung in der Türkei hätten die rechtlichen Grundlagen zwar Bestand, fänden laut der Sprecherin von „Wir werden Frauenmorde stoppen“ jedoch schlichtweg keine Anwendung.

Internationaler Frauentag: Präsident Erdoğan bemüht die „Heiligkeit der Familie“

Die Botschaft zum Internationalen Frauentag nutzte Recep Tayyip Erdoğan indessen auch, um sein erzkonservatives Weltbild zu untermalen. In Richtung der LGBTQ+-Community sagte er, die Türkei werde weiterhin gegen alle Versuche und Diskurse standhalten, die darauf abzielten die Familienstruktur zu zerstören. Stattdessen gelte es die „Heiligkeit der Familie“ zu schützen. Bereits in der Vergangenheit hatte der Präsident sich wiederholt abwertend zu dem Thema geäußert. Nach den jüngsten Studierendenprotesten in Istanbul im vergangenen Monat sagte er etwa, LGBT, so etwas gibt es nicht“.

Der Kampf für Gerechtigkeit für Frauen sei unlösbar mit dem Kampf gegen LGBTQI+-Feindlichkeiten verbunden, betonte hingegen die Sprecherin von „Wir werden Frauenmorde stoppen“ gegenüber der dpa. Nur wenige Monate vor Erdoğans heuchlerischer Botschaft anlässlich des diesjährigen Frauentags äußerte sich im „Deutschlandfunk Nova“ bereits eine bekannte Person der Frauenbewegung in der Türkei. Zur Rolle der Frau sagte die Rechtsanwältin Hülya Gülbrahar Ende November: „Das türkische Regime will eine neue Gesellschaft erschaffen: Sie wollen Frauen früher aus der Bildung nehmen, Frauen sollen früher heiraten und so viele Kinder wie möglich zur Welt bringen.“ (Joel Schmidt mit Material von dpa)

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