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Exportschlager im Ukraine-Krieg: Die „Bayraktar TB2“-Drohne aus der Türkei

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Von: Erkan Pehlivan

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Die ganze Welt wolle die türkische Kampfdrohne Bayraktar TB2 kaufen, sagt Chefingenieur Selcuk Bayraktar. Stimmt das auch?

Ankara – Die türkische Drohne „Bayraktar TB2“ ist im Ukraine-Krieg zu einer wichtigen Waffe gegen russische Truppen geworfen. In den sozialen Medien posten die Menschen aus der Ukraine immer wieder zerstörte russische Panzer, die durch die türkischen Drohnen angegriffen wurden. Zuletzt wurde der Drohne aus der Türkei sogar ein Lied gewidmet.

Putin wiederholte „Bayraktar“ mindestens 45 Mal seit Kriegsbeginn

Der russischen Führung sind die Erfolge der „Bayraktar TB2“ hingegen ein Dorn im Auge. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters hat der russische Präsident Wladimir Putin seit Beginn des Ukraine-Kriegs am 24. Februar öffentlich den Namen „Bayraktar“ mindestens 45 Mal verwendet.

Türkische Drohne Bayraktar TB2 der Firma „Baykar Makina“
Die Drohne „Bayraktar TB2“. © IMAGO/Tolga Adanali

„Bayraktar TB2“ auch gegen Armenien erfolgreich

Auch im Krieg zwischen Aserbaidschan und Armenien um die Enklave Berg-Karabach haben die türkischen Drohnen den Armeniern große Verluste zugefügt. Panzer und Artillerie wurden massiv von „Bayraktar TB2“ zerstört.

Auch im Kampf gegen die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK ist die Drohne im Einsatz. In einem Video zeigt das türkische Verteidigungsministerium die „Bayraktar TB2“ während der Militäroperation „Kralle-Schloss“ in Irakisch-Kurdistan, wie sie Bomben über eine Bergregion abwirft. „42 Terroristen wurden unschädlich gemacht. Wir werden ihre Höhlen dem Erdboden gleichmachen“, teilte das türkische Verteidigungsministerium dahingehend mit. Auch in Syrien kommen die türkischen Drohnen zum Einsatz.

„Deutsche Firma trifft Mitschuld an türkischen Kriegsverbrechen“

Menschenrechtsorganisationen, wie die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV), kritisieren diese Einsätze, weil dabei auch immer wieder Menschen aus der Zivilbevölkerung getötet würden. „Mit den türkischen Drohnen werden in Irakisch-Kurdistan und Nordsyrien Kriegsverbrechen betrieben,“ sagt der Nahostreferent bei der GfbV, Kamal Sido, unserer Redaktion. Neben der Türkei könnte dabei auch der Drohnenhersteller für die Verbrechen gegen die Menschlichkeit belangt werden, warnt Sido.

Warnt: Kamal Sido war in Katar.
Warnt: Kamal Sido war in Katar. © Michael Caspar

In der türkischen Drohne soll auch deutsche Technik verbaut sein, hatte das ZDF-Politmagazin Frontal 21 berichtet. So sollen die Zielerfassungssysteme für die türkischen Drohnen von der südafrikanischen Tochterfirma des deutschen Unternehmens „Hensoldt“ geliefert werden.

„Damit ist Hensoldt an den türkischen Kriegsverbrechen in Irakisch-Kurdistan und Nordsyrien beteiligt und macht sich mitschuldig“, warntDr. Kerem Schamberger, Kommunikationswissenschaftler und Aktivist aus München, im Gespräch mit der FR. Ohne diese Technik könnten diese Kriegsverbrechen nicht begangen werden. Auch Sido sieht eine Beteiligung von „Hensoldt“ an Kriegsverbrechen in der Region.

Kerem Schamberger tritt bei der Bundestagswahl als Kandidat für die Linke im Wahlkreis München Süd an.
Dr. Kerem Schamberger, Kommunikationswissenschaftler und Aktivist aus München © privat

Erdogans Schwiegersohn ist Chefingenieur von „Bayraktar TB2“

Hinter den Drohnen steckt der Ingenieur Selcuk Bayraktar, der Schweigersohn von Präsident Recep Tayyip Erdogan. Selcuk Bayraktar hatte im Jahr 2016 Sümeyye Erdogan geheiratet. Bayraktars Vater Özdemir ist der Gründer der Firma „Baykar,“ die auch die Drohnen herstellt. In den 1990er Jahren war Özdemir Bayraktar in die Politik gegangen, wo er auch den späteren Präsidenten Erdogan kennengelernt hatte.

„Ganze Welt Kunde von Bayraktar TB2“

Auf der Flugmesse „Teknofest“ in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku sagte Selcuk Bayraktar kürzlich, dass die ganze Welt nun Kunde des türkischen Drohnenherstellers sei. Genaue Verkaufszahlen nannte er dabei allerdings nicht. Der Verkauf der Drohnen dürfte aber vor allem an dem geringen Kaufpreis, zwischen zwei und fünf Millionen Dollar, liegen, je nach Menge und Ausstattung der Drohnen.

Die türkischen Drohnen können aber kaum mit den amerikanischen Drohnen vom Typ „Predator“ oder „Reaper“ mithalten, weder in der Reichweite noch der Traglast. Für viele Staaten sind die amerikanischen Drohnen mit einem Preis von circa 17 Millionen Dollar kaum bezahlbar, auch wenn die US-Regierung ihnen diese Drohnen verkaufen würden. (Erkan Pehlivan)

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