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Armutsgrenze in der Türkei: Die wirtschaftliche Talfahrt geht weiter

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Von: Erkan Pehlivan

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Die Armutsgrenze liegt in der Türkei beim Dreifachen des Mindestlohns
Großer Basar in Istanbul © Lefteris Pitarakis/dpa

Wer in der Türkei weniger als 16.000 TL verdient, darf sich um den Kauf einer Sozialwohnung bewerben. Damit legt die Regierung indirekt auch die Armutsgrenze fest.

Ankara - Die hohe Inflation und der Währungsverfall setzt den Menschen in der Türkei immer mehr zu. Das spiegelt sich auch in den hohen Mieten wider. Der Staat baut daher immer mehr Sozialwohnungen. Die AKP-Regierung will jetzt 250.000 neue Wohnungen für einkommensschwache Familien bauen und hat die Bedingungen dafür offengelegt.

Wer eines dieser Sozialwohnungen in Istanbul kaufen möchte, darf nicht mehr als 16.000 TL netto (circa 868 Euro) verdienen, in anderen Provinzen liegt die Einkommensgrenze bei 14.000 TL. Indirekt wird damit auch die Armutsgrenze von staatlicher Seite beziffert.

Türkei: Finanzminister sieht Türkei auf „Wachstumskurs“

Allerdings leben Menschen mit einem Mindestlohn von 5.500 TL (ca. 298 Euro) weit unter der Armutsgrenze. Das könnte die AKP-Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan noch weiter unter Druck setzen. Denn die Wirtschaftszahlen sind alles andere als positiv. Während das staatliche Statistikamt TÜIK die jährlichen Inflation mit 80 Prozent beziffert, sieht die unabhängige Wirtschaftsforschungsinstitut EnaGrup diese bei 180 Prozent.

Finanzminister Nureddin Nebati hingegen sieht keine drängenden Probleme: „Während viele Länder mit dem Risiko der Rezession konfrontiert sind, ist die Türkei auf einem schnellen Wachstumskurs,“ schreibt Nebati auf Twitter. Die Regierung siehe vor, jährlich 890.000 Arbeitsplätze zu schaffen und die Arbeitslosigkeit auf unter 10 Prozent zu drücken, so Nebati. Wie er das schaffen will, lässt der türkische Finanzminister aber offen.

Türkei: Steigende Energiepreise treffen Türken doppelt

Besonders die Energiepreise steigen in der Türkei überdimensional. „Vor zwei Jahren ein haben 1000 Kubikmeter Erdgas 150 Dollar gekostet. Heute liegt der Preis bei fast 250 US-Dollar“, beschwert sich Energieminister Fatih Dönmez bei einer Konferenz der Regierungspartei AKP. Engpässen sieht er allerdings keine.

Die Türken treffen die gestiegenen Preise auf den Weltmärkten besonders. Die Türkei ist in Sachen Energie und vieler Rohstoffe komplett vom Ausland abhängig. Zudem kommt der drastische Währungsverfall. Kostete der US-Dollar vor einem Jahr noch 8,5 TL, liegt er heute bei über 18 TL. Ein Ende der wirtschaftlichen Talfahrt ist weiterhin nicht in Sicht. (Erkan Pehlivan)

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