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Türkei: Armutsgrenze steigt auf das Vierfache des Mindestlohns

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Von: Erkan Pehlivan

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Armutsgrenze in der Türkei steigt immer weiter
Einkaufen in der Türkei. © Tolga Ildun/dpa

Die Armutsgrenze liegt in der Türkei inzwischen bei 23.599 TL. Das ist mehr als das Vierfache des Mindestlohns. Erdogan sieht das Land dennoch auf dem richtigen Weg.

Ankara - Hohe Inflation und Währungsverfall führen bei den Menschen in der Türkei zu zunehmender Verarmung. Inzwischen braucht eine Familie mit vier Personen 7.245 TL (ca. 398 Euro) um sich ausreichend mit Lebensmitteln zu versorgen. Das hat die Gewerkschaft „Türk-İş“ ausgerechnet. Die sogenannte „Hungergrenze“ liegt damit 5,15 Prozent höher als im Vormonat und 130 Prozent höher als am Jahresanfang.

Türkei: Währungsverfall und hohe Inflation

Die Gesamtausgaben für eine Familie mit vier Personen, einschließlich Miete, belaufen sich laut der Studie auf mindestens 23.599 TL (ca. 1.295 Euro). Für einen Single belaufen sich die Gesamtausgaben dagegen auf mindestens 9.496 TL, um oberhalb der Armutsgrenze zu leben. Angesichts der anhaltenden Inflation und des Währungsverfalls ist auch weiterhin mit einem Anstieg bei den Zahlen zu rechnen.

Die staatliche Statistikbehörde „TÜIK“ gibt die Inflation mit 80,21 Prozent an. Mit den Zahlen unabhängiger Stellen verglichen, liegen die Zahlen deutlich niedriger. Der unabhängige Wirtschaftsforscher „Ena Grup“ kommt auf eine Inflation von 181,37 Prozent. Alleine seit Jahresbeginn sei die Teuerungsrate um 91,62 Prozent gestiegen.

Türkei: Finanzminister Nebati ignoriert Mega-Inflation

Finanzminister Nureddin Nebati (AKP) sieht sich trotz mieser Zahlen auf dem rechten Weg. Seiner Meinung nach hätte es schlimmer kommen können. „Hätten wir das neue Wirtschaftsmodell nicht in Kraft treten lassen, hätten wir mit dem Inflationsproblem einen Stillstand und damit verbundene andere Probleme. Darüber würde das Inflationsproblem weiterhin eine ernsthafte Angelegenheit sein“, schreibt Nebati auf Twitter.

Türkei: Erdogan will im Dezember Mindestlohn anheben

Wie die Menschen mit niedrigem Einkommen über die Runden kommen sollen, sagt der Finanzminister nicht. Der Mindestlohn liegt in der Türkei bei 5.500 TL (ca. 302 Euro). Auch wenn in einer Familie zwei Personen mit einem Mindestlohn arbeiten, könnten sie kaum ihre Familie ernähren oder Miete bezahlen. Präsident Recep Tayyip Erdogan hat daher für Dezember 2022 eine Anhebung des Mindestlohns angekündigt.

Auch Erdogan sieht die Wirtschaft in der Türkei auf dem richtigen Weg. „Während internationale Organisationen die Prognosen für die globale Wirtschaft und Wirtschaftsnationen nach unten korrigieren, korrigieren sie die Wachstumsprognosen der Türkei nach oben“, sagte Erdogan bei einer Konferenz am vergangenen Montag (26. September). Trotz Warnungen von Fachleuten hat Erdogan erneut die Senkung des Leitzinses angekündigt. Um die Inflation zu bremsen, gilt eine Anhebung des Leitzinses als zwingend notwendig. (Erkan Pehlivan)

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