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Armenien übergibt zwei Kurden an Geheimdienst MIT

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Von: Erkan Pehlivan

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Armenische Regierung übergibt zwei Kurden an den türkischen Geheimdienst MIT
Armenischer Ministerpäsident Nikol Pashinyan © IMAGO/Asatur Yesayants

Armenien hat zwei Mitglieder der PKK an den türkischen Geheimdienst MIT ausgeliefert. Armenische Diaspora und Opposition sind enttäuscht von der Regierung in Jerewan.

Ankara/Jewrewan – Zwischen Armenien und der Türkei gibt es erste Anzeichen von Annäherungsversuchen. Armenien hat die zwei Kurden Atilla Çiçek und Hüseyin Yıldırım an die Türkei ausgeliefert. Am 25. September hatte die PKK die Übergabe ihrer beiden Mitglieder an den türkischen Geheimdienst MIT bekannt gegeben. Die armenische Regierung versucht sich zu den Hintergründen möglichst bedeckt zu halten.

Türkei: Regierungsnahe Medien feiern erfolgreiche Operation

„Nach internationalem und armenischem Recht hätten sie freigelassen werden müssen. Stattdessen wurden sie vom armenischen Geheimdienst verschleppt und festgehalten. Obwohl nach unternommenen Initiativen ihre Freilassung zugesagt wurde, sind sie vor ungefähr einem Monat von Armenien an die Türkei ausgeliefert worden“, teilt die PKK mit. Mit der Auslieferung habe Armenien sowohl internationales als auch nationales Recht gebrochen.

In den regierungsnahen Medien wird die Auslieferung der Kurden durch Armenien als Erfolg gefeiert. „Die Männer wurden bei einer Grenzoperation des MIT festgenommen und in die Türkei gebracht“. Die PKK dementiert jedoch eine solche „erfolgreiche MIT-Operation“. Der regierungsnahe Sender Ahaber nannte die Operation „atemberaubend“.

Türkei: Armenischer Abgeordneter bittet Kurden um Verzeihung

Kritik an der Auslieferung der Kurden kommt von der armenischen Opposition. „Verzeiht uns, Brüder, dass eure Kinder von den Armeniern an die Türken übergeben wurden, wo sie gefoltert werden“, sagt der armenische Abgeordnete Gegham Manukyan in einer Mitteilung. In dreißig Jahren hat Armenien nie einen solchen Akt des Verrats erlebt. In diesen Jahren hat es keinen ähnlichen Fall gegeben“, so der armenische Politiker.

Türkei: Zusammenarbeit zeigt Schwäche von armenischer Regierung

Der Kommunikationswissenschaftler und Aktivist Kerem Schamberger zeigt sich im Gespräch mit FR.de von IPPEN.MEDIA ebenfalls enttäuscht von der armenischen Regierung. „Die Zusammenarbeit mit dem türkischen Geheimdienst zeigt die Schwäche der Regierung von Ministerpräsident Nikol Pashinyan. Und sie zeigt, dass sich auf Solidarität von Nationalstaaten nicht zu verlassen ist. Die muss zwischen der kurdischen und armenischen Bevölkerung entstehen“, so Schamberger.

Türkei: Diasporaarmenier in arabischer Welt enttäuscht

Nach Angaben des Nahostreferenten der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV), Kamal Sido, zeigen sich die Diaspora-Armenier in der arabischen Welt ebenfalls empört über die Zusammenarbeit mit dem türkischen Geheimdienst. „Die Kurden werden an ein Land ausgeliefert, das verantwortlich für den Völkermord an den Armeniern sind. Das stärkt die Völkermordleugner unter Türken und Kurden“, erzählt uns der Nahost-Experte.

Türkei: Vorwurf der Staatsfeindlichkeit und Terrorismus

Laut der staatlichen Nachrichtenagentur „Anadolu“ werden den beiden Männern Terrorismus und die „Zerstörung der Einheit des Staates“. Die PKK-Kämpfer sollen bei Anschlägen und Kämpfen mehrere türkische Soldaten getötet haben, schreibt Anadolu. Außerdem sollen beide Männer zur Führungsriege der PKK gehören.

Türkei: Aufenthaltsort von PKK-Kämpfern unbekannt

Derzeit ist der Aufenthaltsort der beiden kurdischen Männer unbekannt. Bei ähnlichen „Operationen“ hat der MIT ihre Opfer zunächst für Monate in unbekannte Verhörzentren gebracht und diese dort monatelang unter Folter gefoltert. Erst danach werden die Betroffenen der Justiz übergeben und kommen dann in Gefängnisse und haben dann auch Zugang zu Rechtsanwälten.

Türkei: PKK-Mitglieder offenbar in Verhörzentrum von MIT

Ähnlich war es Ayten Öztürk ergangen, die vom Libanon an die Türkei übergaben wurde. Öztürk war sechs Monate in einer sogenannten „Blacksite“, in der sie nach eigenen Angaben schwerer Folter ausgesetzt war, bevor sie an die türkische Polizei übergeben wurde. Öztürk wog anschließend nur noch 40 kg und war mit Wunden übersät. Später kam raus, dass sich das Verhörzentrum des MIT in der Nähe des Flughafens von Ankara befindet. (Erkan Pehlivan)

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