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Türkei: Anti-Syrische Ressentiments auf dem Vormarsch

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Von: Lukas Zigo

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Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan.
Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan. © ADEM ALTAN/afp

In der Türkei sitzt eine alte syrische Frau auf einer Bank und bekommt von einem Mann ins Gesicht getreten. Das Video des Vorfalls sorgt für Aufruhr.

Gaziantep – Eine ältere syrische Frau erholt sich im Krankenhaus, nachdem sie in der türkischen Stadt Gaziantep von einem Mann ins Gesicht getreten wurde, inmitten einer zunehmenden Welle der Flüchtlingsfeindlichkeit im Land. Ein in den letzten Tagen verbreitetes Video zeigt, wie die alte Frau, Leyla Mohammed, angegriffen wird, während sie auf einer Bank sitzt.

Der Angreifer, von der Polizei Sakir Cakir genannt, wurde unter dem Vorwurf der vorsätzlichen Körperverletzung festgenommen. Der türkische Staatsbürger gab an, ihm sei gesagt worden, dass Mohammed eine Entführerin sei, wie die Polizei berichtete.

Türkei: Opfer von Flüchtlingsfeindlichkeit wohl geistig behindert

Wie lokalen Nachrichten zu entnehmen war, sei das Opfer geistig behindert. „Die Person, die Leyla geschlagen hat, wurde festgenommen. Zusammen mit meiner Frau und meinen Kollegen haben wir sie besucht und ihr die Wünsche unserer geliebten Nation übermittelt, dass sie bald wieder gesund wird. Wir stehen an der Seite der Unterdrückten gegen die Unterdrücker“, sagte der Gouverneur von Gaziantep, Davut Gül, in einer Erklärung auf Twitter nach einem Besuch im Krankenhaus.

Die Türkei beherbergt 3,7 Millionen Syrer – Opposition will sie zurückschicken

Gaziantep ist eine Stadt mit zwei Millionen Einwohnern in der Nähe der syrischen Grenze und beherbergt fast eine halbe Million syrischer Flüchtlinge. Die Türkei als ganzes beherbergt 3,7 Millionen Syrer, und auch die Zahl derer, die aus Afghanistan und anderen Ländern Zuflucht in der Türkei suchen, ist stetig gestiegen.

Umfragen zeigen, dass sich die Mehrheit der türkischen Bürger die Rückkehr der Flüchtlinge in ihre Länder wünscht. Ein zunehmend populärer Oppositionspolitiker, Umit Özdag, hat sein gesamtes Programm auf das Versprechen ausgerichtet, die Flüchtlinge zurückzuschicken.

Türkei: Erdogan wehrt sich gegen diese Stimmung

Präsident Recep Tayyip Erdogan hat sich gegen diese Stimmung gewehrt und erklärt, dass Flüchtlinge in der Türkei willkommen seien. Erdogan hat jedoch diejenigen, die nach Syrien zurückkehren wollen, zu Neuansiedlung ermutigt. Dies ist eine politisch riskante Haltung.

Denn im Jahr 2023 stehen die nächsten Wahlen in der Türkei an und viele Bürger machen die Flüchtlinge für die anhaltende Wirtschaftskrise im Land verantwortlich. Die Lira ist stark abgewertet und die Inflation hat alarmierende Werte erreicht.

Türkei: Solidarität mit Leyla

Der ehemalige Parlamentsabgeordnete von Gaziantep, Samil Tayyar, stellte in einem Tweet fest, dass Cakir ein umfangreiches Strafregister hat. Der Angriff wurde von einer Vielzahl von Personen und Organisationen in den sozialen Medien verurteilt. Viele Syrerinnen und Syrer haben Fotos gemacht, auf denen sie eine Seite ihres Gesichts mit der Handfläche bedecken und so das Bild von Mohammed imitieren, nachdem sie niedergeschlagen worden war.

„Das ist ein Tritt ins Gesicht der Menschheit und einer von vielen für uns Syrer. Ich stehe in Solidarität mit der 70-jährigen Leyla, die gestern von einem Rassisten in Gaziantep, Türkei, ins Gesicht getreten wurde“, twitterte die syrische Journalistin Husam Hezaber.

Türkei: Internationale Vereinigung für Flüchtlingsrechte beobachtet die Situation

Die internationale Vereinigung für die Rechte von Flüchtlingen in der Türkei erklärte, sie verfolge die Situation. „Alle Strafanzeigen und Gerichtsverfahren in Bezug auf den Angreifer werden von den Anwälten unserer Vereinigung bis zum Ende verfolgt“, teilte die Organisation auf Twitter mit.

Andere bezeichneten das Video als ein weiteres Beispiel für Gewalt gegen Frauen in der Türkei. „Der Tritt gegen die syrische Frau war gegen die gesamte Menschheit gerichtet. Jeden Tag sind Tausende von Migrantinnen Folter, Gewalt und Erniedrigung ausgesetzt. Wir werden diesen Rassismus und diese Gewalt auf jeden Fall zur Rechenschaft zeihen“, erklärten die türkischen Frauensolidaritätskomitees. (lz)

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