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Türkei: Ärzteproteste nach Mord an ihrem Kollegen

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Von: Erkan Pehlivan

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In der Türkei mehren sich nach dem Mord eines Arztes am Mittwoch die Proteste seiner Kollegen. Der Unmut des Gesundheitspersonals ist groß.

Ankara - Immer wieder finden in der Türkei Angriffe auf Ärzte statt. Zuletzt wurde am Mittwoch der Arzt Ekrem Karakaya im Stadtkrankenhaus von Konya erschossen. Seither finden in verschiedenen Städten in der Türkei Demonstrationen von Gesundheitspersonal statt. Die Ärzte fordern dabei bessere Arbeitsbedingungen. Wie das Branchenmagazin „Saglik Personeli Haber“ schreibt, haben in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 938 Ärzte die Türkei verlassen. 2021 waren es rund 1.400 Ärzte, die ausgewandert sind.

Erdogan: „Wenn Ärzte gehen wollen, sollen sie gehen“

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan scheint das Auswandern der Ärzte nicht zu beeindrucken. „Wenn sie gehen wollen, dann sollen sie gehen. Ihre Plätze werden nicht frei bleiben“, hatte Erdogan bei einer seiner Ansprache gesagt und damit in den sozialen Medien einen Ansturm von Kritik ausgelöst. Mit dem Hashtag #GidecekOlanHekimlerDegil (übersetzt: Es sind nicht die Ärzte. Die gehen werden) hatten Ärzte ihrer Wut auf Twitter freien Lauf gelassen.

Ein Polizeibeamter in Istanbul.
Ein Polizeibeamter in Istanbul. © YASIN AKGUL/AFP

Türkei: Wenig Geld und schlechte Arbeitsbedingungen

Grund für das Auswandern sind schlechte Arbeitsbedingungen und niedrige Gehälter. Grund für die niedrigen Gehälter ist allerdings die Inflation in der Türkei. Nach offiziellen Angaben liegt die Teuerungsrate bei 78 Prozent. Unabhängige Experten gehen sogar von mehr als 170 Prozent aus. Derzeit verdient ein Krankenhausarzt beim Einstieg in s Berufsleben monatlich 10.632 TL (604 Euro), in Deutschland verdient ein Krankenhausarzt rund 6.200 Euro im Monat.

Türkei: 67 Prozent der Ärzte wollen auswandern

Auch das Thema Sicherheit belastet die Ärzte. In einer Umfrage des Meinungsforschers „Istanbul Ekonomi Arastirma“ gaben über 90 Prozent der Ärzte an öffentlichen Krankenhäusern an, sich nicht sicher zu fühlen. 67 Prozent der Ärzte gaben in der Umfrage an, in den kommenden fünf Jahren in ein anderes Land auszuwandern. Inzwischen hat die türkische Rundfunkaufsicht RTÜK ein Verbot über die Ärzteproteste ausgerufen. Ärzte und ihre Unterstützer berichten daher in den sozialen Medien mit ihren Handys über die Proteste. (Erkan Pehlivan)

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