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Mangelhafte Sicherheit in der Türkei: 243 Menschen sterben bei Arbeitsunfällen im August

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Von: Erkan Pehlivan

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Zahl tödlicher Arbeitsunfälle in der Türkei bleibt hoch
Die Arbeitssicherheit in der Türkei ist nicht sehr groß: Zahlreiche Menschen sterben jeden Monat bei der Ausübung ihres Berufes und Unternehmen müssen keine Konsequenzen fürchten. (Symbolfoto) © IMAGO

In der Türkei sind die Zahlen für tödliche Arbeitsunfälle weiterhin sehr hoch. Alleine im August sind 243 während ihrer Arbeit gestorben, darunter auch viele Minderjährige.

Ankara - In der Türkei häufen sich tödliche Arbeitsunfälle. Alleine im August verunglückten in dem Land 243 Personen an ihrem Arbeitsplatz tödlich. In den ersten acht Monaten sind in dem Land mindestens 1.202 Personen bei ihrer Arbeit umgekommen. Das geht aus einer aktuellen Studie der „ISIG Meclisi“ hervor. Die türkische Nichtregierungsorganisation dokumentiert Fälle zur Arbeitssicherheit. Dagegen hat es laut Statistischem Bundesamt 2020 in Deutschland 399 tödliche Arbeitsunfälle gegeben.

Auch viele Minderjährige erleiden tödliche Arbeitsunfälle in der Türkei

Unter den bei der Arbeit umgekommenen Personen in der Türkei sind auch Minderjährige. Von Januar bis August starben bei ihrer Arbeit 18 Personen, die 14 Jahre alt oder jünger waren. 30 der Toten waren zwischen 15 und 17 Jahre alt. 67 der Betroffenen waren Ausländer oder sie waren als Flüchtlinge registriert. Die meisten tödlichen Unfälle ereigneten sich mit 30 Prozent im Straßenverkehr.

Türkei: Mangelnde Sicherheitsmaßnahmen am Arbeitsplatz

Grund für die tödlichen Arbeitsunfälle sind mangelnde Sicherheit. Am 21. August war der 19-jährige nicht gesicherte Yasin Demirdag in der „Sefine Werft“ in Yalova herabgestürzt und dabei umgekommen. Als das Management des Unternehmens Sicherheitsseile an dem leblosen Körper des jungen Mannes anbringen wollte, um eine Mitschuld zu vertuschen, wurden diese von mehreren Kollegen des Toten angegriffen. Das Unternehmen hat deswegen 35 Mitarbeitern gekündigt.

Unternehmen in der Türkei müssen keine Konsequenzen fürchten

Kritik an den Zahlen kommt von der Gewerkschaft „Umutsen“. „Es gibt keine Kontrolle für die Unternehmen, stattdessen werden Arbeiter in Untersuchungshaft genommen“, beschwert sich die Gewerkschaft über Twitter. Derzeit gibt es jedoch keine Anzeichen für Reformen in der Türkei, die tödliche Arbeitsunfälle verhindern könnten.

Der Höhepunkt der tödlichen Arbeitsunfälle wurde bei Grubenunglück in Soma am 13. Mai 2014 erreicht. 301 Kumpel verloren dabei ihre Arbeit. Als der damalige Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan den Unglücksort besuchte, kam es zu Protesten von Angehörigen und Überlebenden. Dabei hatte Yusuf Yerkel, einer der Berater von Erdogan, einen am Boden liegenden Demonstranten getreten, der von Sicherheitskräften festgehalten wurde. Die Bilder gingen damals um die Welt. Heute ist Yerkel Wirtschaftsattaché im türkischen Generalkonsulat in Frankfurt. (Erkan Pehlivan)

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