1. Startseite
  2. Politik

Rapper Kanye West verbreitet Antisemitismus im US-TV

Erstellt:

Von: Daniel Dillmann

Kommentare

Kanye West empört mit antisemitischen Thesen. Tucker Carlson verteidigt den Trump-Vertrauten und manipuliert die Videoaufnahmen eines Interviews mit dem Rapper.

New York - Seit Wochen dominiert Kanye West wieder die Schlagzeilen. Der Rapper, Modedesigner und Ex-Mann von Kim Kardashian handelte sich eine Sperre seiner Konten auf Facebook, Instagram und Twitter ein. Der Grund: Antisemitische Wutreden. West hatte erklärt, er werde „gegen jüdische Leute vorgehen“ und sich deren „Agenda widersetzen“.

Anfang des Monats hatte Kanye West die Gemüter erregt, als er bei der Pariser Fashion Week ein T-Shirt mit der Aufschrift „White Lives Matter“ getragen hatte. Der Slogan ist die reaktionäre Antwort auf „Black Lives Matter“, das in den USA nach dem Mord an George Floyd bekannt geworden war. Genutzt wird der Spruch „White Lives Matter“ von Gruppen wie der „Arischen Gesellschaft für Renaissance“ und dem Ku-Klux-Klan. Die Anti-Defamation-League stufte den Spruch als Hassrede ein. Seinem Rap-Kollegen P. Diddy, der Kanye West wegen des T-Shirts kritisiert hatte, antwortete er anschließend auf Twitter, „jüdische Leute“ hätten ihn zu der Kritik angestiftet.

Kanye West
US-Rapper Kanye West bei den Pret-a-porter-Schauen in Paris. © Julien De Rosa/AFP/dpa

Trump-Freunde unter sich: Kanye West zu Gast bei Tucker Carlson

Entsprechend groß ist die Empörung über Kanye West in den USA. Das aber hält viele Prominente nicht davon ab, dem Rapper weiter die Stange zu halten. Allen voran Tucker Carlson. Der Moderator von Fox News ist wie West Unterstützer von Donald Trump. Und in der Welt Carlsons ist jeder Trump-Freund auch sein Freund und über Kritik ohnehin erhaben.

Also lud Carlson Kanye ein zum Interview in seiner Show auf Fox News. „Ist West verrückt?“ fragte der Moderator zu Beginn und gab auch gleich die Antwort: „Er hat seine eigenen Ideen. Aber verrückt? Das war nicht unser Eindruck.“ Es folgte das Gespräch der beiden, angefüllt mit bizarren Äußerungen des Musikers und Aussagen, die durchaus als antisemitische Codes verstanden werden könnten.

Kanye West bei Tucker Carlson: Vice veröffentlicht Videos

Viel gravierender erscheint nun aber, was Tucker Carlson nicht zeigte. Das Portal Vice veröffentlichte Teile des Interviews, die offensichtlich entfernt worden waren. In diesen wird der Antisemitismus von Kanye West mehr als deutlich. An einer Stelle wünscht sich der Rapper, seine Kinder würden mehr über jüdische Feiertage wie Chanukka lernen, denn damit würden sie zumindest „Finanztechniken“ beigebracht bekommen.

An anderer Stelle prophezeite West, er werde „der erste Latino-Präsident“ der USA werden. Das strahlte das Team um Tucker Carlson aus, nicht aber, was Kanye dann sagte: „Ich vertraue den Latinos, wenn ich mit ihnen zusammen arbeite. Ich vertraue ihnen mehr als [Pause] ... ich bin lieber vorsichtig. Ich vertraue ihnen mehr als anderen Geschäftsleuten, Du verstehst?“

In seiner folgenden Show ignorierte Tucker Carlson den Fakt, dass er der Manipulation überführt worden war. Stattdessen lobte er Kanye West für seine Unbeugsamkeit, auch im Angesicht der Vorwürfe. Weder Fox News noch Kanye West reagierten laut Vice auf Anfragen. (Daniel Dillmann)

Auch interessant

Kommentare