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Tsitsi Dangarembga im Kreuzverhör

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Von: Bascha Mika

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Dangarembga vor dem Gericht in Harare.
Dangarembga vor dem Gericht in Harare. © AFP

Die Schriftstellerin Tsitsi Dangarembga muss sich in Simbabwe einem Schauprozess stellen. Trotz Verfahrensfehlern wird er nicht ausgesetzt.

Es ist ein elender Prozess. Voll von Verfahrensfehlern, Willkür und Verzögerungstaktiken. Zum 29. mal musste Tsitsi Dangarembga am Mittwoch vor dem Antikorruptionsgerichtshof in Harare erscheinen – und wieder wurde nicht zu Ende verhandelt. In der kommenden Woche soll es weitergehen mit der Zeugenbefragung. Die Verteidigung der simbabwischen Schriftstellerin hatte beantragt, den Prozess auszusetzen, damit der High Court über die Verfahrensfehler entscheiden könne. Die Richterin lehnte den Antrag ab.

„Ein besseres Simbabwe für alle!“ Das hatte Tsitsi Dangarembga 2020 auf ein Plakat geschrieben. Damit demonstrierte die bekannteste Kunstschaffende des Landes in der Hauptstadt Harare. Friedlich. Doch ob friedfertig oder militant interessiert das autoritäre Regime in Simbabwe nicht, jede Art von Widerstand wird von den Machthabern erbarmungslos verfolgt. Tsitsi Dangarembga, sowie die mitangeklagte Journalistin Julie Barnes, sollen mit ihrem Protest zu öffentlicher Gewalt, Friedensbruch und Bigotterie aufgestachelt haben.

Mann von Tsitsi Dangarambga: „Es geht um Majestätsbeleidigung“

Am Mittwoch wurden die angeklagten Frauen ins Kreuzverhör genommen. „Die Staatsanwaltschaft versuchte, den Gewaltvorwurf nachzuweisen,“ berichtet Olaf Koschke, Ehemann von Tsitsi Dangarembga. Dabei ist seiner Meinung nach deutlich geworden, warum der Schauprozess vor dem Antikorruptionsgerichtshof stattfindet, einem Sondergericht, das direkt Präsident Emmerson Mnangagwa unterstellt ist. Einem Präsidenten, der sich im kommenden Jahr Wahlen stellen muss und im Vorfeld die Repression verstärkt. 2020 hatte ein Bündnis zu Demonstrationen gegen das Regime aufgerufen. Am Vorabend der geplanten Proteste forderte Simbabwes Präsident seine Landsleute auf, zu Hause zu bleiben.

Olaf Koschke: „Vor Gericht sollten Tsitsi und Julie nun unbedingt eingestehen, dass sie dem Verlangen des Präsidenten bewusst zuwiderhandeln wollten.“ Also gehe es bei diesem Prozess eigentlich um Majestätsbeleidigung: „Einem absolutistischen Herrscher handelt man nicht zuwider, sonst...“

Tsitsi Dangarembga über Simbabwe: „Wir haben eine repressive Regierung“

Hinzu kommt für die angeklagten Frauen ein weiteres Problem. Bisher wurde ihre Verteidigung aus Pro-Bono-Töpfen der Menschenrechtsanwälte in Simbabwe finanziert. Doch nach mehr als zweijähriger Prozessdauer und angesichts vieler Verfahren, mit denen Regimekritiker:innen und Oppositionelle überzogen werden, sind diese Töpfe ausgetrocknet. Tsitsi Dangarembga und Julie Barnes sollen nun die Finanzierung der Verteidigung anderweitig sicherstellen.

Noch im Februar hatte der Europäische Rat kritisiert, in Simbabwe habe sich auch nach der Entmachtung des Langzeitpräsidenten Robert Mugabe die Lage der Menschenrechte nicht verbessert. Das Land befindet sich in einer desolaten wirtschaftlichen, politischen und sozialen Situation. Trotz reicher Rohstoffe rangiert es in allen Indizes zur Entwicklung von Staaten im unteren Drittel des weltweiten Vergleichs. „Wir haben eine gierige, repressive und verantwortungslose Regierung auf der einen und eine elende, entmachtete Bevölkerung auf der anderen Seite.“ So beschreibt Tsitsi Dangarembga die Verhältnisse in ihrem Land.

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