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Vorwurf der Sabotage

Streit mit Russland: Tschechien ruft EU- und Nato-Partner zur Ausweisung russischer Diplomaten auf

  • Friederike Meier
    VonFriederike Meier
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Tschechien wirft Russland vor, an der tödlichen Explosion eines Munitionslagers im Jahr 2014 beteiligt gewesen zu sein. Moskau reagiert kurze Zeit später.

Update vom Dienstag, 20.04.2021, 15.30 Uhr: Im Konflikt mit Russland hat die Regierung von Tschechien ihre EU- und Nato-Partner zur Ausweisung russischer Diplomaten als Zeichen der Solidarität mit Prag aufgefordert. Außen- und Innenminister Jan Hamáček sagte am Dienstag weiter, er werde den russischen Botschafter am Mittwoch (21.04.2021) einbestellen. Hintergrund ist die Ausweisung von 18 russischen Diplomaten durch Tschechien aufgrund von Spionagevorwürfen. Im Gegenzug verwies Moskau 20 tschechische Diplomaten des Landes.

Jan Hamáček, Außen- und Innenminister von Tschechien, ruft EU- und NATO-Partner zur Ausweisung von Diplomaten aus Russland aus.

Streit mit Russland: Tschechien weist Diplomaten aus

Erstmeldung vom Montag, 19.04.2021: Prag/Moskau – Nachdem Tschechien am Samstag (17.04.2021) 18 Beschäftigte der russischen Botschaft in Prag ausgewiesen hatte, reagierte Moskau prompt. Am Sonntagabend (18.04.2021) und damit etwa 27 Stunden später teilte das Außenministerium in Moskau mit, dass 20 Mitarbeiter:innen der tschechischen Botschaft müssen nun bis Montagabend (19.04.2021) das Land verlassen müssen.

Tschechien wirft Russland vor, an der Explosion eines Munitionslagers mit zwei Todesopfern im Jahr 2014 beteiligt gewesen zu sein. In dem Munitionslager in Vrbetice im Osten des Landes war es im Oktober und Dezember 2014 zu mehreren Explosionen gekommen. Dabei kamen zwei Beschäftigte einer Rüstungsfirma ums Leben, zudem entstand hoher Sachschaden.

Tschechien: Russland war an Explosion von Munitionslager beteiligt

Ministerpräsident Andrej Babis sprach am Wochenende von „eindeutigen Beweisen“. Die 18 Beschäftigten der russischen Botschaft seien Agent:innen der Geheimdienste SWR und GRU. Die Regierung setzte ihnen eine Frist von 48 Stunden, binnen der sie Tschechien verlassen müssen.

„Tschechien ist ein souveräner Staat und muss auf diese nie dagewesenen Enthüllungen in entsprechender Form reagieren“, sagte Babis. Der Präsident des Senats, Milos Vystrcil, sprach von „Staats-Terrorismus“. Das russische Außenministerium sprach von einer „beispiellosen Entscheidung“, die völlig unbegründet sei. Die Vorwürfe seien absurd.

Die tschechische Polizei veröffentlichte zudem Fahndungsfotos zweier Tatverdächtiger. Die Bilder zeigen zwei Russen, die bereits in Zusammenhang mit einem Nervengift-Anschlag auf den früheren Doppelspion Sergej Skripal in Großbritannien 2018 gesucht werden. Russland weist jede Verwicklung in den Fall Skripal zurück.

Vermutete Beteiligung an Anschlag auf Skripal: Tschechien sucht Spione aus Russland

Die beiden mutmaßlichen GRU-Spione waren nach Polizeiangaben Mitte Oktober 2014 sechs Tage lang in Tschechien. Dabei hätten sie sich - wie später in England - als Alexander Petrow und Ruslan Boschirow ausgegeben. Sie hätten auch die Region Zlin besucht, in der sich das Munitionslager befindet. Interfax schrieb unter Berufung auf Quellen, dass Russland die Männer nicht ausliefere.

Das Munitionslager wurde von Rüstungsfirmen genutzt. Nach einem Bericht des Magazins „Respekt“ war ein Teil der Güter für die Ukraine bestimmt, die im Osten gegen prorussische Separatisten kämpft. Nach den Explosionen waren Soldaten zwei Jahre lang damit beschäftigt, Blindgänger zu entschärfen und das Areal wieder sicher zu machen.

Spannungen zwischen Tschechien und Russland. Eine Frau schwenkt eine Flagge der Europäischen Union vor der russischen Botschaft in Prag.

Beziehungen zwischen Tschechien und Russland dürften sich verschlechtern

Die GRU-Einheit, die angeblich hinter der Explosion steckt, war nach einem Bericht des Guardian auch an einem gescheiterten Putsch in Montenegro im Jahr 2016 und an Desinformations-Operationen in Moldawien im Jahr 2014 beteiligt. Demnach nimmt man an, dass etwa 15 bis 20 GRU-Eliteoffiziere die Einheit bilden, die ein geheimes Hauptquartier in der Skhodnya-Gegend von Moskau hat.

Die Enthüllungen kommen überraschend. Ursprünglich hatte Innenminister Jan Hamacek am Montag nach Moskau reisen wollen, um über Lieferungen des Corona-Impfstoffs Sputnik V zu verhandeln. Die Reise wurde kurzfristig abgesagt. Hamacek leitet derzeit kommissarisch auch das Außenministerium.

Spannungen nicht nur zwischen Tschechien und Russland: Andere Länder weisen Diplomaten aus

Zuletzt gab es vor einem Jahr Spannungen zwischen Tschechien und Russland. Auslöser war die Entfernung einer Statue für den sowjetischen Weltkriegsgeneral Iwan Konew in Prag. Die neuen Spannungen dürften Folgen für den geplanten Ausbau des tschechischen Atomkraftwerks Dukovany in Südmähren haben. Die Teilnahme russischer Firmen an dem Milliardenprojekt sei nun sehr unwahrscheinlich bis praktisch ausgeschlossen, sagte Industrieminister Karel Havlicek im Sender CNN Prima News.

Kürzlich erst hatten die USA und Polen zusammen 13 russische Diplomaten ausgewiesen, unter anderem mit Verweis auf einen Hackerangriff. Daraufhin hatte Russland seinerseits 15 Diplomaten der beiden Staaten des Landes verwiesen. Zudem gibt es neue Spannungen zwischen Russland und der Ukraine. (Friederike Meier, dpa)

Rubriklistenbild: © MICHAL CIZEK/AFP

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