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Reges Treiben in N’Djamena, der Hauptstadt des Tschad. Das Land ist von Armut gebeutelt. wiche/afp
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Reges Treiben in N’Djamena, der Hauptstadt des Tschad. Das Land ist von Armut gebeutelt.

Afrika

Nach Tod von Staatschef Idriss Déby: Tschad unter Schock

  • Johannes Dieterich
    VonJohannes Dieterich
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Der überraschende Tod des langjährigen Staatschefs Idriss Déby an der Front macht auch Frankreich nervös. Tschad steht unter Schock.

N‘Djamena - Womöglich dachte Idriss Déby, dass er unbesiegbar sei. Doch wenn sich der Präsident des Sahel-Staats Tschad einen Tod vorstellte, dann gewiss diesen: An der Front, seine Truppen kommandierend, als „Cowboy der Wüste“, wie ihn seine Bewunderer nannten, oder auch: „der grandiose Nichtunterzukriegende“.

Eigentlich sollte der 68-Jährige an diesem Montag eine triumphale Rede zu seinem sechsten überwältigenden Wahlsieg halten: Doch der in Frankreich ausgebildete Offizier zog eine andere Tätigkeit vor. Bereits am Sonntag hatte sich der „Feldmarschall“ mit zwei seiner Generäle in einen gepanzerten Jeep gesetzt und das gut 200 Kilometer nördlich der Hauptstadt N’Djamena gelegene Städtchen Mao ansteuern lassen. Dort suchten seine Truppen einen Konvoi der Rebellentruppe „Front Pour l’Alternance et La Concorde au Tchad“ (Fact) aufzuhalten, die sich vom benachbarten Libyen aus auf dem Weg nach N’Djamena befand.

An der Front angelangt bestieg der betagte Präsident mit den gefärbten Haaren ein Gefechtsfahrzeug, um die Moral seiner Soldaten anzufeuern. Ähnliches hatte der „hemdsärmelige“ Déby bereits öfters getan. Seine Armee war in den 31 Jahren seiner Herrschaft in zahllose Kämpfe verwickelt: Gegen Rebellen, gegen die Milizen der Boko-Haram-Sekte oder auch gegen Al Kaida im Maghreb (Aqim). Doch am Montag waren die sieben Leben des grandiosen Nichtunterzukriegenden offenbar aufgebraucht. Der Präsident wurde von einer Kugel in der Brust getroffen: Noch bevor ihn ein Hubschrauber in die Hauptstadt zurückbrachte, war Idriss Déby tot.

Tschad: Flughäfen und Grenzen geschlossen

Sein überraschendes Ableben schockierte nicht nur die Bevölkerung. Flughäfen und Grenzen wurden geschlossen, eine Ausgangssperre ausgerufen, in N’Djamena fuhren Panzer auf. Auch die ausländischen Freunde Débys wurden nervös. Allen voran Frankreich, das in seiner Ex-Kolonie noch immer Truppen stationiert hat. Französische Kampfjets griffen regelmäßig ein, wenn sich wieder einmal ein Rebellenkonvoi auf dem Weg in Richtung N’Djamena befand: Das war in jüngster Vergangenheit immerhin drei Mal – 2006, 2008 und 2019 – der Fall. Auch diesmal werden Tschads Streitkräfte von Fremdenlegionären unterstützt.

Dem Land, das an gleich sechs afrikanische Problemstaaten angrenzt, wird eine außergewöhnliche strategische Bedeutung beigemessen. Im Südwesten ist es am Kampf gegen die nigerianische Sekte Boko Haram beteiligt, im Süden grenzt es an die bröckelnde Staatsruine der Zentralafrikanischen Republik an. Im Osten befinden sich die unruhigen sudanesischen Darfur-Provinzen. Und im Westen liegt der neben von Boko Haram auch von Al Kaida verunsicherte Niger. Der nördliche Anrainerstaat heißt Libyen, von wo seit dem Tod Muammar Gaddafis die gesamte Sahelzone mit Waffen und ehemaligen Söldnern überschwemmt wird.

Tschad: Débys Macht nicht am Ende

Im Kampf gegen den „afrikanischen Terror“ räumte dem Präsidenten vor allem Paris eine Schlüsselstellung ein. Déby stellte 1500 Soldaten zur Verfügung, als Frankreich vor acht Jahren im Norden Malis gegen islamistische Extremisten eingriff, und im Kampf gegen Boko Haram war die nutzlose nigerianische Armee auf die gedrillten Haudegen des Wüsten-Cowboys angewiesen.

Kürzlich versprach Déby seinem „Freund“ Emmanuel Macron, ein tschadisches Kontingent in das vom Terror beherrschte Dreiländereck zwischen Mali, Burkina Faso und dem Niger zu schicken, damit sich die 5100 Soldaten der französischen Opération Barkhane auf die Verfolgung der „Terroristen“ in Mali konzentrieren kann.

Kein Wunder, dass Paris gegenüber Débys Regierungsstil beide Augen zudrückte. Der „Feldmarschall“ regierte mit eiserner Faust, schusterte sich seine Wahlergebnisse (dieses Mal fast 80 Prozent der Stimmen) zusammen und gab die Einnahmen aus der Erdölförderung für Waffen und der Zementierung seiner Herrschaft aus. Selbst mit seinem Tod ist Débys Macht nicht ans Ende gekommen: Ein Militärrat setzte entgegen den Bestimmungen der Verfassung dessen Sohn Mahamat Idriss Déby zum Nachfolger ein. Dass der 37-jährige Viersternegeneral den labilen Vielvölkerstaat zusammenhalten kann, wird weithin bezweifelt. Schafft er es nicht, droht dem Herzen Afrikas ein weiterer Infarkt. (Johannes Dieterich)

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