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Truss schon wieder vor dem Aus? Tories diskutieren Ablösung

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Von: Stefan Krieger

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Die neue britische Regierungschefin Liz Truss gerät immer mehr unter Druck. Besonders auch aus den Reihen der eigenen Partei.

London – Wegen ihres umstrittenen Wirtschafts- und Steuersenkungsprogramms gerät die Regierung der neuen Premierministerin Liz Truss in Großbritannien in immer stärkere Turbulenzen. Die Zukunft von Truss, die erst kürzlich die Nachfolge von Boris Johnson angetreten hatte, ist nach nur wenigen Wochen im Amt völlig offen.

Nach einem Bericht der Times erwägen Spitzenpolitiker der Tories angeblich, die Premierministerin abzusetzen und sie durch eine Doppelspitze zu ersetzen. Ihr sollen Penny Mordaunt, die Präsidentin des britischen Unterhauses, und Rishi Sunak, der frühere Finanzminister, der gegen Truss für die Führung der Tory-Partei kandidierte, angehören.

Großbritannien: Truss‘ Nachfolge angeblich schon geregelt

Nach dem Bericht würde einer der beiden unterlegenen Rivalen zum Premierminister ernannt, während der andere eine Schlüsselrolle als Nummer zwei einnehmen würde. Die Zeitung berichtet weiter, dass Sunak unter einer Regierung Mordaunt Kanzler werden könnte, während für Liz Truss selbst der Posten der Außenministerin und stellvertretende Premierministerin übrig bliebe.

Neuer Ärger für Liz Truss.
Neuer Ärger für Liz Truss. © Jessica Taylor/afp

Auch ein prominenter Kenner der Partei, Paul Goodman, sagte, einige Abgeordnete zögen eine Ablösung von Finanzminister Kwasi Kwarteng und sogar von Truss selbst in Betracht. „Alle möglichen Namen“ würden für die Nachfolge genannt, so Goodman gegenüber der BBC. Dazu zählten der frühere Finanzminister Rishi Sunak, der gegen Truss für die Führung der Tory-Partei kandidierte, und „sogar Boris Johnson“, der Vorgänger von Truss im Amt des Regierungschefs, den die Partei zum Rücktritt gezwungen hatte.

Großbritannien: Pläne der Regierung gescheitert

Außenminister James Cleverly sagte, die Regierung solle „unbedingt“ an den Plänen von Finanzminister Kwarteng festhalten, um das Wirtschaftswachstum in Großbritannien anzukurbeln. „Ich denke, dass ein Wechsel bei der Führung sowohl politisch als auch wirtschaftlich eine katastrophale Idee wäre“, sagte Cleverly der BBC.

Kwarteng hatte im vergangenen Monat ein drastisches Maßnahmenbündel von Steuersenkungen bis hin zum Einfrieren von Strom- und Gaspreisen vorgestellt, mit dem die britische Regierung das Wirtschaftswachstum wieder in Gang bringen und die hohe Inflation dämpfen wollte.

Das Paket hatte auf den Finanzmärkten für Aufsehen gesorgt, da Anleger die Anhäufung großer Schuldenberge fürchten. Das britische Pfund fiel auf einen beispiellos niedrigen Kurs im Vergleich zum Dollar, Zinsen für Staatsanleihen schossen in die Höhe.

Die Bank of England sah sich gezwungen, auf den Anleihemärkten einzugreifen, um die Finanzstabilität zu wahren. In der Zwischenzeit kündigte Finanzminister Kwarteng an, zumindest die geplanten Steuererleichterungen für Topverdiener zu streichen.

Großbritannien: Wechsel an der Spitze „völlig bekloppt“

Ein ranghoher Tory-Politiker sagte gegenüber der Times: „Eine Ablösung [von Liz Truss] wird nicht so schwer zu arrangieren sein.“ Er sei aber der Meinung, dass es für die Partei „verfrüht“ sei, über eine Abwahl von Truss nachzudenken. Der Abgeordnete sagte, es wäre schließlich „völlig bekloppt, drei Premierminister in nur einem Jahr zu haben“. (Stefan Krieger)

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