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Europa droht der nächste Konflikt: Serbien sendet Truppen Richtung Kosovo

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Von: Nail Akkoyun

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Serbische Soldaten bewachen ihr gepanzertes Fahrzeug im Dorf Rudnica nahe der kosovarischen Grenze am 27. September.
Serbische Soldaten bewachen ihr gepanzertes Fahrzeug im Dorf Rudnica nahe der kosovarischen Grenze am 27. September. © Irfan Licina/AFP

Neue Auflagen im Kosovo reizen die serbische Minderheit. Das Nachbarland Serbien reagiert mit Truppen nahe der Grenze.

Belgrad – Die Spannungen zwischen Serbien und dem Kosovo nehmen weiter zu. Fielen am Rande von Protesten im August noch Schüsse auf Beamt:innen, soll jetzt ein Video zeigen, wie serbische Truppen an der Grenze zum Kosovo stationiert werden.

Das von lokalen Medien in Serbien und auf Twitter am Dienstag (1. November) verbreitete Filmmaterial zeigt mehrere Armeefahrzeuge, die sich angeblich auf die Grenze zum Kosovo zubewegen. Ein Transporter trägt dabei die Aufschrift „Gendarmerie“ (serbisch: Жандармерија) - eine serbische Einheit, die sich sowohl zivilen als auch militärischen Aufgaben widmet. Hintergrund sind neue Beschränkungen für die serbische Bevölkerung, die die Regierung des Kosovo beschlossen hat.

Serbien-Kosovo-Konflikt: Streit um alte Kennzeichen und temporäre Ausweise

Die Behörden im Kosovo verwarnen seit Dienstag Autofahrer:innen, an deren Fahrzeugen noch die alten serbischen Kfz-Kennzeichen angebracht sind. Bis zum frühen Nachmittag sprachen kosovarische Beamt:innen allein am Grenzübergang Jarinje 40 Verwarnungen aus, berichtete die kosovarische Nachrichtenagentur Kosovapress.

Vor allem ethnische Serb:innen in der serbischen Enklave nördlich der geteilten Stadt Mitrovica lehnen es seit Jahren ab, ihre in Serbien registrierten Autos im Kosovo anzumelden. Viele von ihnen wollen sich nicht damit abfinden, dass die frühere serbische Provinz, die heute fast ausschließlich von Albaner:innen bewohnt wird, seit 2008 ein unabhängiger Staat ist. Darüber hinaus sollen diejenigen, die mit einem serbischen Personalausweis ins Land kommen, ein Formular ausfüllen müssen, das als vorübergehender kosovarischer Personalausweis dient.

Zugleich üben von Belgrad finanzierte paramilitärische Strukturen in der Mitrovica-Enklave enormen Druck auf die kosovo-serbische Bevölkerung aus, sich nicht in den kosovarischen Staat zu integrieren. Nur wenige Serben meldeten bislang ihr Fahrzeug um und brachten die kosovarischen Kennzeichen an. Unbekannte steckten die Autos umgehend in Brand.

Disput zwischen Serbien und Kosovo: Nato wäre „bereit zu intervenieren“

Das erneute Aufflammen der Spannungen zwischen den beiden Balkanländern besorgt auch die EU, die sich seit Jahren in einer diplomatischen Rolle versucht. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hatte indes schon im August erklärt, die KFOR sei „bereit zu intervenieren“, um einen weiteren Krieg in Europa zu verhindern. Bei der KFOR handelt es sich um die sogenannte Kosovo-Truppe – eine von der Nato seit Juni 1999 gelenkte und in der Region stationierte Einheit.

Nach einem blutigen Krieg mit Serbien in den 1990er-Jahren erklärte der Kosovo 2008 seine Unabhängigkeit, welche von Serbien jedoch bis heute nicht anerkannt wird. In dieser Ansicht wird Serbien unter anderem von Russland und China unterstützt. (nak mit dpa)

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