+
Donald Trump will wieder aufrüsten.

Atomwaffen

"Trumps Worte sind gefährlich"

  • schließen

Experte Oliver Meier spricht im Interview über Donald Trumps Aufrüstungspläne.

Herr Meier, Donald Trump will atomar aufrüsten. Macht Ihnen das Sorgen?
Ja. Trumps Behauptung, die USA wären nuklear zurückgefallen, ist falsch. Bei den Atomwaffenarsenalen herrscht mit Russland in etwa Gleichstand. Die USA stehen zwar am Anfang eines Modernisierungszyklus ihres Atomwaffenarsenals, während Russland seine Atomwaffen gerade überarbeitet. Aber kein Staat der Welt gibt so viel Geld für seine Atomwaffen aus wie die USA. Die USA und Russland besitzen mehr als 90 Prozent der weltweit vorhandenen Sprengköpfe. Das sollte reichen.

Die Formulierung „im Rudel ganz oben stehen“ klingt nicht besonders beruhigend.
Nein. Bisher haben die USA unter allen Präsidenten letztendlich darauf hingewirkt, die internationale nukleare Ordnung zu stabilisieren. Die Äußerung gibt Anlass zur Sorge, dass Trump unter Hinweis auf das Atomwaffenarsenal mögliche strategische Konkurrenten wegbeißen will. Dieses Weltbild kennen wir bisher nur aus dem Kreml.
 
Tatsächlich haben die USA rund 4000 einsetzbare atomare Sprengköpfe, Russland aber etwa 4500. Sind Trumps Äußerungen da aus der Perspektive einer Weltmacht nicht sogar nachvollziehbar? Sogar Barack Obama hatte Russland ja als bloße „Regionalmacht“ bezeichnet.
Präsident Trump hat offensichtlich nicht begriffen, dass militärische Überlegenheit bei den Atomwaffen anders gemessen wird, als man gemeinhin denkt. In der Welt der nuklearen Abschreckung ist strategische Stabilität erreicht, wenn man der anderen Seite glaubwürdig die gesicherte Vernichtung androhen kann. Die konkreten Zahlen sind zweitrangig. Das sollte ihm einer seiner Berater dringend erklären.

Das Abrüstungsabkommen „New Start“ sieht vor, dass die USA und Russland bei den Atomwaffen ab 2018 gleichziehen. Gerät das Abkommen jetzt in Gefahr?
Trumps Charakterisierung von New Start als „schlechter Deal“ ist besorgniserregend. Der Vertrag sieht gleiche Obergrenzen für beide Seiten vor. Er ist der einzige nukleare Abrüstungsvertrag, bei dem noch Vor-Ort-Inspektionen stattfinden. Alle Beteiligten waren sich bisher einig, dass der Vertrag funktioniert. Putin hat im Telefonat mit Trump sogar die vorzeitige Verlängerung um weitere fünf Jahre bis 2026 vorgeschlagen. Es wäre eine Ironie der Geschichte, wenn die USA diese Chance leichtfertig vergeben.
 
Mit welchen Folgen der Trump’schen Äußerungen rechnen Sie überhaupt? Steigt womöglich gar die Kriegsgefahr?
Die erste Folge ist eine tiefe Verunsicherung aller Verbündeten der USA. Wenn amerikanische Präsidenten bisher über Atomwaffen geredet haben, dann konnte man getrost jedes Wort auf die Goldwaage legen. Das gilt nicht mehr. Die zweite Folge werden neue Rüstungswettläufe sein. Wenn der mit Abstand militärisch stärkste Staat der Welt mit nuklearer Aufrüstung droht, werden Konkurrenten der USA dagegenhalten. Das ist in der Tat gefährlich.

Welche Konsequenzen sollte Deutschland aus all dem ziehen?
Dieses lose Gerede über Atomwaffen und die Aufwertung der eigenen Atomwaffen durch Moskau und Washington schafft für Europa größere Unsicherheit. Das sollten die Europäer in der Nato deutlich machen. Der amerikanische Präsident ist der Meinung, die Europäer schuldeten den USA etwas für die Solidarität im Bündnis. Dann sollte er aber auch im Gegenzug die Politik der Allianz, die darauf abzielt, die Bedingungen für eine atomwaffenfreie Welt zu schaffen, nicht offen und leichtfertig konterkarieren.
 
Interview: Markus Decker

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion