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Edward Gallagher und seine Frau inszenieren sich gerne als perfektes amerikanisches Paar.

Edward Gallagher

Trumps Vorzeige-Rambo

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Im Irak-Krieg posierte der Elitesoldat Edward Gallagher mit einem getöteten Kriegsgefangenen. Nun hat er ein rechtes Mode-Label gegründet – und bekommt Unterstützung des US-Präsidenten.

Seine einstigen Kameraden bezeichnen ihn als „total bösartig“. Völlig unbeherrscht soll er gewesen sein und bei der Schlacht um die nordirakische Stadt Mossul vor drei Jahren mehrmals auf Zivilisten geschossen haben. Er selber brüstete sich damit, einen IS-Kämpfer „mit meinem Jagdmesser erledigt“ zu haben.

Vor einem Jahr noch drohte ihm deshalb eine lebenslange Haftstrafe. Doch seit US-Präsident Donald Trump die Degradierung des Elitesoldaten Edward Gallagher rückgängig gemacht hat, ist der 40-Jährige richtig durchgestartet. Bei Instagram versucht er sich als Influencer. Er posiert zur Freude der rechten Szene mit einer Maschinenpistole. Und nun startet der Ex-Navy Seal sogar ein Mode-Label. Sein Markenspruch: „Stay Salty“ (Bleib zornig!).

Vom mutmaßlichen Kriegsverbrecher zum Lifestyle-Trendsetter – das ist eine Karriere, wie sie nur im zynischen Amerika des Donald Trump und seines Haussenders Fox vorstellbar ist. Noch vor einem Jahr musste Gallagher befürchten, unehrenhaft aus der Marine entlassen zu werden und ins Gefängnis zu wandern. Er war angeklagt, während seines Irak-Einsatzes im Mai 2017 einen zwölfjährigen Jungen in der Gefangenschaft erstochen zu haben.

Bei anderer Gelegenheit schoss er nach Aussagen seiner einstigen Kameraden unmotiviert auf einen unbewaffneten Mann und ein Mädchen. Im vergangenen Juli aber wurde Gallagher plötzlich freigesprochen. Überraschend hatte ein anderer Soldat – bei Zusicherung eigener Straffreiheit – die Tat auf sich genommen. Gallagher wurde nur für schuldig befunden, vor der Leiche des Jungen für ein Foto posiert zu haben.

Der weitgehende Freispruch warf schon damals Fragen auf. Nicht nur hatte sich der Soldat in einer E-Mail an einen Freund der Tat gebrüstet. Auch wird er von sieben Mitgliedern seiner ehemaligen Einheit schwer belastet.

In Aussagen vor dem Marineermittlungsdienst, deren Video-Aufzeichnungen die „New York Times“ teilweise sichten konnte, wird Gallagher als Sadist beschrieben, der selbst seine Kameraden bedrohte. Manchmal soll er in Mossul ziellos ganze Magazine seiner Maschinenpistole leer geschossen haben. „Man konnte sehen, dass er absolut bereit war, jeden zu töten, der sich bewegte“, berichtete ein Veteran.

Gallagher bestreitet das. Er behauptete, dass ihn Ex-Kameraden verleumden wollen, weil sie mit seiner militärischen Leistung nicht mithalten konnten. Und er kämpfte vehement dagegen, dass ihn das Militärgericht wegen des nachgewiesenen Posierens mit der Leiche degradierte.

Der rechte Sender Fox News war gerne bereit, die Geschichte des Kriegshelden weiterzuspinnen, dessen mutiger Einsatz vom Vaterland nicht gedankt wird. So wurde der Täter in extrem rechten Kreisen zum Opfer – und zum idealen Symbol für Donald Trumps Kulturkampf gegen die vermeintlich von den Linken diktierte politische Korrektheit. Es dauerte nicht lange, bis der Präsident die Chance ergriff, Gallagher als heroischen Patrioten zu verklären und für seine Wiederwahlkampagne einzuspannen.

Wie wenig Trump sich für ethische Fragen im Allgemeinen und das Kriegsrecht im Besonderen interessiert, hat er in den vergangenen Tagen eindrucksvoll vorgeführt. Erst drohte er mit der Zerstörung iranischer Kulturstätten, was nach der Haager Konvention von 1954 ein Kriegsverbrechen wäre. Dann widersprach er seinem Außenminister Mike Pompeo, der die Drohung relativierte: „So läuft das nicht.“ Erst als der Widerstand in der eigenen Regierung und der internationale Protest zu laut wurden, ruderte Trump halbherzig zurück: „Wenn es das ist, was das Gesetz sagt, werde ich mich daran halten.“

Der Gedanke, dass Verstöße gegen das Recht die Legitimität demokratischer Staaten untergraben und Terror-Regimen die Möglichkeit geben, ihre eigenen Schandtaten zu relativieren, ist Trump fremd. Das zeigt auch sein Umgang mit dem Fall Gallagher, der nach den Aussagen seiner Kameraden eindeutig ein schwarzes Schaf und kein Vorbild der Navy Seals war. „Wir kümmern uns um unsere Krieger. Ich werde immer eintreten für unsere großen Kämpfer“, verkündete der Präsident im November bei einer Wahlkundgebung voller Pathos.

Demonstrativ nahm er die Degradierung des Soldaten zurück. Gegen den Protest seiner militärischen Führung verhinderte Trump auch eine bevorstehende Entscheidung über eine unehrenhafte Entlassung – ein beispielloser Eingriff in die Militärdisziplin. Aus Protest trat der Marinestaatssekretär Richard Spencer zurück.

Für Gallagher, der inzwischen freiwillig im alten Rang und unbescholten aus der Marine ausgeschieden ist, nahm damit seine neue Karriere als Rambo-Idol der Trumpisten richtig an Fahrt auf. Mit ordensbestückter Brust in blütenweißer Uniform an der Seite seiner Frau ließ er sich gerne wie ein Offizier und Gentleman ablichten.

Auf seiner Instagram-Seite versucht er sich als Influencer. Er wirbt für „patriotischen Kaffee“ der Firma „Black Rifle Company“ und Protein-Shakes mit dem martialischen Namen „Total War“ (Totaler Krieg). Auch Aufkleber mit dem Slogan „Hillary Clinton tötete meine Freunde“ finden seine Unterstützung.

Den wirtschaftlichen Durchbruch aber hofft der umstrittene Ex-Elitesoldat nun offenbar mit seiner eigenen Lifestyle-Marke zu erreichen. Das Label „Salty Frog Gear“ solle ein „Küsten-Gefühl mit Kanten“ vermitteln, schreibt Gallagher dazu. Auf den PR-Fotos im Netz posiert er mit Bart und eindrucksvollem Unterarm-Tattoo selbst als Model, das mit einem halbautomatischen Sturmgewehr des bei Amokläufern beliebten Typs AR-15 herumballert.

Es gibt T-Shirts in mehreren Farben, Kapuzenpullis und Whiskey-Gläser mit dem Markenemblem. Ansonsten ist die Kollektion bislang noch überschaubar. Das wird kaum so bleiben. Die Nachfrage dürfte bald deutlich anziehen: Kurz vor Weihnachten hat der Irak-Rambo nämlich seinen bislang größten Coup gelandet: Gemeinsam mit seiner Frau wurde er von Trump in dessen Feriendomizil Mar-a-Lago empfangen.

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