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Zieht im Weißen Haus die Fäden: Stephen Miller.

USA

Trumps unheimlicher Türsteher

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Stephen Miller ist die treibende Kraft hinter der rigiden Anti-Einwanderungspolitik des US-Präsidenten – Porträt eines Rechtspopulisten mit wachsendem Einfluss.

An diesem Freitag wird er 34 Jahre jung. Doch der Mann mit dem argwöhnisch verschleierten Blick und der hohen Stirn könnte auch 20 Jahre älter sein. Stephen Miller pflegt einen pedantischen Habitus und die archaische Sprache eines reaktionären Kreuzritters. Die amerikanische Staatsbürgerschaft ist ihm „etwas Heiliges“. Wer ihn einen Rassisten nennt, wird als „Verdammter, für den es keinen Platz in dieser zivilisierten Gesellschaft gibt“, diffamiert.

In der Öffentlichkeit zeigt sich Miller eher selten. Dabei ist er einer der langjährigsten und mächtigsten Einflüsterer des amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Als dessen Chefberater schreibt er nicht nur seine Reden. Vor allem ist er der Architekt der Anti-Migrationspolitik: Von den Einreise-sperren für Moslems über die Asylverschärfungen bis zu den Familientrennungen an der Grenze tragen alle restriktiven Maßnahmen seine Handschrift. Mit der von ihm auf 800 Seiten entworfenen und in der vergangenen Woche verkündeten Einwanderungsvorschrift, die Hunderttausenden Greencard-Besitzern das dauerhafte Bleiberecht verweigert, ist Miller auf dem Höhepunkt seiner Karriere angekommen.

„Er hat sich tief in den Apparat eingegraben, um fundamentale Änderungen zu bewirken“, äußert sich Trumps inzwischen in Ungnade gefallener Ex-Chefideologe Stephen Bannon in der „Washington Post“ anerkennend über seinen einstigen Zögling. Geradezu besessen sei Miller vom Kampf gegen eine multikulturelle Gesellschaft und die amerikanische Einwanderungsgeschichte, heißt es in seiner Umgebung. So sieht die neue Vorschrift vor, dass legale Zuwanderer, die im Laufe der oft jahrelangen Wartezeit auf die offizielle Staatsbürgerschaft auch nur einmal auf staatliche Unterstützung angewiesen waren, abgewiesen werden können. Selbst das konservative „Wall Street Journal“ zeigt sich befremdet über den „Versuch, Amerika in ein Land ohne Einwanderer zu machen“.

Während Trump die nationalistische Stimmung ohne Kenntnis der Gesetzeslage befeuert, liefert Miller die in Paragrafen gefasste Munition. Er ist seinem Chef in loyaler Treue und leidenschaftlicher Verehrung zugetan. „Wie einen Stromschlag in meiner Seele“ habe er 2016 dessen Kandidatur empfunden, sagte Miller nun der „Washington Post“: „Alles, was ich in meinem tiefsten Herzen gedacht hatte, wurde (…) vor der ganzen Welt ausgesprochen.“

Dabei stammt der Rechtspopulist aus einem liberal-jüdischen Elternhaus im progressiven Santa Monica. Doch schon in der Schule wandte er sich gegen den liberalen kalifornischen Zeitgeist, und in einer Studentenzeitung nannte er es seine „Pflicht, den Linken die Stirn zu bieten“. Das tat er zunächst als Pressereferent der Tea-Party-Abgeordneten Michelle Bachmann, dann als Kommunikationsdirektor des Hardliner-Senators Jeff Sessions, bevor er ins Trump-Lager wechselte. Keine zehn Jahre nach dem Uni-Abschluss zieht er nun im Weißen Haus die Strippen. Nur Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, heißt es in Washington, habe ähnlich viel Einfluss auf den Präsidenten.

Der konservative Heißsporn hat eine atemberaubende Karriere hingelegt. Doch besonders stolz scheint seine Familie deswegen nicht auf ihn zu sein. Er verfolge die Entwicklung des Verwandten „mit Bestürzung und wachsendem Entsetzen“, erklärte Millers Onkel David Glosser, ein Neuropsychologe, in einem Zeitungsartikel. Glosser nannte seinen Neffen offen einen „Heuchler“: Anfang des 20. Jahrhunderts waren nämlich die gemeinsamen Vorfahren auf der Flucht vor russischen Pogromen mittellos in den USA angekommen.

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