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Bekommt immer mehr Zustimmung aus den eigenen Reihen: Präsidentschaftskandidat Donald Trump.

US-Vorwahlen

Trumps Richterschelte

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US-Republikaner kommen durch Trumps Breitseiten gegen Angehörige von Minderheiten in arge Bedrängnis.

Chaos bei den US-Republikanern: Zähneknirschend haben sich in den vergangenen Wochen führende Konservative in den USA dazu entschlossen, den Populisten Donald Trump als Präsidentschaftskandidaten zu unterstützen. Die Spaltung der konservativen Partei sollte damit überwunden werden. Doch der New Yorker Immobilienmilliardär scheint daran kein gesteigertes Interesse zu haben. Mit einer beispiellosen Richterschelte belegte Trump jetzt wieder einmal, dass er in der Wahl seiner Wahlkampf-Mittel keine Grenzen kennt.

Auf einer Wahlkampfveranstaltung in der kalifornischen Stadt San Diego ging Trump einen Richter mexikanischer Abstammung frontal an: „Über mich soll ein Richter urteilen, der ein Trump-Hasser ist. Sein Name ist Gonzalo Curiel. Und er tut nicht das Richtige.“ Der Grund für die Voreingenommenheit des Richters sei: „Er ist ein Mexikaner.“ Auch habe er wahrscheinlich ein Problem mit Trumps Plan, eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu bauen, um die illegale Einwanderung in die USA in den Griff zu bekommen.

Nun hat sich Curiel bislang noch mit keinem Wort öffentlich zur Mauer geäußert, und er ist in Wirklichkeit ein US-Staatsbürger, der 1953 als Sohn mexikanischer Einwanderer im Bundesstaat Indiana zur Welt kam. Doch derlei Feinheiten scheinen Trump nicht zu interessieren. Denn Curiel ist Richter an einem Bundesgericht in San Diego und muss über eine Sammelklage gegen Trumps umstrittene Universität entscheiden. Kursteilnehmer, die an der sogenannten Trump University zwischen 2005 und 2011 Seminare für ein erfolgreiches Immobiliengeschäft belegten, werfen dem Milliardär vor, Millionensummen erschwindelt zu haben.

Die Richterschelte setzte Trump am Wochenende in Fernsehauftritten fort. Er hielt Curiel vor, „Mitglied eines Clubs zu sein, der sehr stark promexikanisch eingestellt ist“. Das sei zwar in Ordnung, aber der Richter sei wegen der geplanten Mauer trotzdem voreingenommen. Als Trump dann von einem TV-Journalisten gefragt wurde, ob er ähnliche Interessenkonflikte auch sähe, wenn er vor einem muslimischen Richter aussagen müsste, sagte der Präsidentschaftsbewerber: „Das ist denkbar. Yeah. Das wäre möglich. Absolut.“

Die Breitseiten des Kandidaten gegen Angehörige von Minderheiten haben führende Republikaner in arge Bedrängnis gebracht. Sie müssen gleichzeitig Schadensbegrenzung betreiben, um wichtige Wählergruppen wie die Latinos nicht zu verprellen, wollen sich aber auch nicht allzu deutlich von Trump distanzieren, um das Bild einer geeinten Partei nicht zu verwischen.

Der frühere Präsidentschaftskandidat Newt Gingrich, dessen Name als möglicher Vizepräsidentschaftsbewerber debattiert wird, sagt dazu: „Das ist einer der größten Fehler, die Trump gemacht hat.“ Doch auch Gingrich fand schnell in die Rolle des Parteisoldaten zurück. Zwar seien die Äußerungen nicht entschuldbar. Aber Trump lerne schnell, sagte Gingrich und wollte damit offenbar andeuten, dass er von dem Kandidaten keine Bitte um Entschuldigung erwartet, sondern lediglich den Verzicht auf eine Wiederholung der Verbalattacken.

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