Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Alexandria Ocasio-Cortez als Aktivistin gegen Trumps Flüchtlingspolitik bei einem Protest am Grenzzaun in Texas,
+
Alexandria Ocasio-Cortez als Aktivistin gegen Trumps Flüchtlingspolitik bei einem Protest am Grenzzaun in Texas,

USA

Trumps neue Gegnerin

  • Sebastian Moll
    vonSebastian Moll
    schließen

Alexandria Ocasio-Cortez aus der Bronx ist das neue demokratische Gesicht des Widerstands gegen das Trump-Regime.

Alexandria Ocasio-Cortez hatte nie daran gedacht, in die Politik zu gehen, „das war einfach nichts für Leute wie uns“, sagt die 28-Jährige. Cortez stammt aus einfachsten Verhältnissen, ihre Eltern waren Busfahrer und Putzhilfe in der Bronx. „Politik war ein Spiel für Leute mit Macht und Geld.“ Doch als sie vor zwei Jahren die Lakota-Indianer bei ihrem Kampf gegen eine Pipeline mitten durch ihr Reservat unterstützte, änderte sie ihre Meinung: „Diese Leute setzten alles aufs Spiel, ihr ganzes Leben und ihr Hab und Gut, um für ihr Volk zu kämpfen.“ Für ihre Leute, die meist aus Einwanderern bestehende Arbeiterschicht in den New Yorker Außenbezirken, setzte sich jedoch bislang niemand ein.

So nahm Ocasio-Cortez, die damals putzte und in einer Bar arbeitete, um ihren Studienkredit abzuzahlen, es auf sich, zur Fürsprecherin ihrer Leute zu werden. Mit Erfolg – am vergangenen Dienstag gelang ihr in der Vorwahl zum US-Kongress der sensationellste Überraschungssieg der Saison. Ocasio-Cortez stürzte in ihrem Bezirk Queens und der Bronx alleine mit Kleinspenden und der Unterstützung ihrer Mitbürger einen der mächtigsten Politiker der demokratischen Partei. Ihr Gegner, Joseph Crowley, ist seit 1999 in Washington und galt in politischen Kreisen als sicherer Anwärter auf den Posten des Oppositionsführers im Kongress.

Die Bedeutung von Ocasio-Cortez’ Favoritensturz ist kaum zu überschätzen. Die „Washington Post“ nannte den Vorwahlsieg das „bestimmende politische Ereignis des Jahres 2018“. Im Triumph von Ocasio-Cortez, so das Blatt, bekomme das neue Profil der demokratischen Partei im Kampf gegen das Trump-Regime Gestalt.

Ocasio-Cortez verkörpert die Basis

Crowley gehörte zur selben demokratischen Riege wie Hillary Clinton. Er fühlte sich im Kreise von Wall-Street-Finanziers ebenso wohl wie mit Gewerkschaftsbossen. Er wusste genau, welche Drähte zu ziehen sind, um die Macht zu erhalten. Die Bronx und ihre Bevölkerung kannte er nur von Wahlkampfauftritten, zu denen er sich alle vier Jahre einmal bemühte.

Ocasio-Cortez hingegen ist eine Außenseiterin. Sie ist eine Frau, sie ist Latina. Sie hat nicht nur Kontakt zur Basis – sie ist die Basis. Sie vertritt radikal progressive Positionen wie die Einführung einer gesetzlicher Krankenversicherung und die Abschaffung der Einwanderungspolizei ICE, die sie für verfassungswidrig hält.

Lesen Sie auch: Sind Holocaust-Vergleiche tabu? Alexandria Ocasio-Cortez löst Debatte in den USA aus

Seit der Niederlage gegen Trump scheint die demokratische Partei unentschlossen, welche Richtung sie einschlagen soll. Der Sieg von Ocasio-Cortez macht die Dinge um einiges klarer. Die Basis der Partei ist der multiethnische, weibliche, progressive Flügel der Demokraten. Ocasio-Cortez konnte die Wähler mobilisieren, die sich von der Partei seit Jahrzehnten vernachlässigt fühlen – die nicht-weiße Arbeiterschicht. „Diese Menschen haben sich nicht von der Politik abgewandt, weil sie ungebildet oder uninformiert sind“, sagt Ocasio Cortez. „Sie sind nur nicht wählen gegangen, weil niemand mit ihnen geredet hat.“

Ocasio-Cortez hat das getan. Anders als ihr Kontrahent, der mit seiner Familie in der Nähe von Washington lebt und aus den besseren Vororten von Queens stammt, stand sie wochenlang an den U-Bahn-Stationen der Bronx, hat sich vorgestellt und die Sorgen und Nöte der Menschen angehört, nicht zuletzt auch die Ängste vieler Einwanderer ohne Dokumente vor dem Terror von Trumps Einwanderungspolizei. So schaffte sie es, praktisch ohne Geld die nötigen Unterschriften zu sammeln, um überhaupt auf den Wahlzettel zu kommen.

Dabei halfen ihr freilich auch ihr Jurastudium sowie ihre persönliche Erfahrung mit dem Filz der New Yorker Politik. Ocasio-Cortez kannte die Parteifreunde von Crowley an den Gerichten, die es unter allen möglichen juristischen Vorwänden über Jahrzehnte geschafft hatten, jegliche Kandidatur eines potenten Herausforderers zu verhindern.

Es waren dieselben Leute, mit denen Ocasio-Cortez sich herumschlagen musste, nachdem ihr Vater früh an Krebs starb. Die noch blutjunge Studentin musste darum kämpfen, dass die Familie ihr Eigentum nicht verliert, weil kein Testament vorhanden war. So lernte sie auf die harte Art die korrupte New Yorker Bürokratie kennen, in der Zwangsenteignungen ein Millionengeschäft sind.

Ocasio-Cortez schaffte es, dass ihre Familie ihr Eigentum behielt. Und sie schaffte es, sich durch denselben Morast durchzuwühlen, um als Kandidatin des Volkes in das Rennen um den US-Kongress zu starten. Nun steht sie kurz davor, zum nationalen politischen Star aufzusteigen – als das neue, frische Gesicht des Widerstands gegen Trump.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare