+
Verbrüderung im Weißen Haus: Benjamin Netanjahu und Donald Trump.

Nahost-Konflikt

Trumps Öl für Israels Feuer

  • schließen

Der US-Präsident empfängt den israelischen Premier Netanjahu in Washington, preist sich als Friedensvermittler und brüskiert sogleich wieder die Palästinenser.

Donald Trump nickte hochzufrieden. „Es war eine historische Entscheidung, die amerikanische Botschaft in unsere Hauptstadt Jerusalem zu verlagern“, dankte ihm sein Besucher im Oval Office, um sodann den US-Präsidenten mit einer regelrechten Lobeshymne zu überschütten: „Das jüdische Volk hat ein gutes Gedächtnis. Wir werden uns daran für alle Zeiten erinnern.“ Großartig sei des Präsidenten Freundschaft, beendete der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu seine Eloge, und Trump revanchierte sich mit der Bemerkung, die Beziehungen beider Länder seien „nie besser“ gewesen.

Dieses gegenseitige Schulterklopfen der beiden Regierungschefs fiel etwas zu demonstrativ aus, um Beobachter nicht argwöhnisch zu machen. So erinnerten viele US-Medien am Dienstag daran, dass sich mit Netanjahu und Trump nicht nur zwei Freunde trafen. Auch ihr politisches Schicksal zeigt viele Parallelen: Just hat der israelische Premier wegen seiner Verwicklung in mehrere Korruptionsskandale ein Polizeiverhör über sich ergehen lassen müssen. Trump sitzt der Russland-Sonderermittler Robert Mueller im Nacken. Bei beiden Politikern herrscht Unruhe im Mitarbeiterstab, und beide haben in ihrer Heimat eine schlechte Presse.

So dürfte die Verbrüderung im Weißen Haus nicht zuletzt innenpolitische Gründe gehabt haben. Von Trumps einstiger Stilisierung zum Friedensbringer in Nahost ist jedenfalls nichts mehr übrig. Als „der neutrale Vermittler“ hatte er sich im Wahlkampf empfohlen. Mit der Entscheidung, die US-Botschaft zu verlegen und Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, ist Trump nicht nur bei Verbündeten wie Deutschland auf Kritik gestoßen. Die Palästinenser, die Ost-Jerusalem als ihre Hauptstadt beanspruchen, sind tief verärgert und erkennen die USA nicht mehr als Vermittler an. Dazu passt, dass Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, der noch vor wenigen Monaten als großer Nahost-Emissär gehandelt wurde, inzwischen wegen Sicherheitsbedenken das Weiße Haus möglicherweise bald verlässt.

Vor diesem Hintergrund klangen Trumps Bekenntnisse ziemlich hohl: „Was gäbe es aus humanitärer Sicht Besseres als einen Frieden zwischen Israel und den Palästinensern?“, fragte er und versicherte: „Wir arbeiten sehr hart daran. Das ist der schwierigste aller Deals.“ Zugleich goss er mit der Ankündigung, er werde möglicherweise zur Eröffnung der US-Botschaft am 14. Mai nach Jerusalem reisen, neues Öl ins Feuer: „Wenn es geht, nehme ich teil.“ Dann pries sich Trump dafür, die Baukosten von der angeblich ursprünglich angesetzten Milliarde Dollar auf nur 250 000 gedrückt zu haben. „Ist das gut?“, fragte er Netanjahu. „Ja, das ist gut“, antwortete der Gast brav.

Tatsächlich wird zunächst nur ein kleiner Diplomaten-Stab aus Tel Aviv in dem bereits bestehenden Gebäude des US-Konsulats untergebracht, das zwischen dem Westteil Jerusalems und den palästinensischen Wohngebieten im Ostteil liegt. Israel hatte den Ostteil samt dessen historischer Altstadt im Sechs-Tage-Krieg 1967 besetzt und 1980 dann annektiert. Die Vereinten Nationen erkennen diese Annexion aber nicht an. Bislang bestand unter den UN-Mitgliedern ein Konsens, dass der Status von Jerusalem erst in einem Friedensabkommen mit den Palästinensern festgelegt werden soll.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion