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Unverkäuflich: Kulusuk, Grönland, 241 Einwohner.

Grönland

Trumps Expedition ins diplomatische Eis

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Nach der klaren Absage an einen Grönland-Verkauf sagt US-Präsident Donald Trump seinen Staatsbesuch in Dänemark ab.

Vielleicht hat ihn die Warnung von Daniel Thorleifsen erschreckt. Der Vorsitzende des Golfclubs der grönländischen Hauptstadt Nuuk hatte Donald Trump geraten, vor weiteren Kaufangeboten für die Insel dort erst einmal den Schläger zu schwingen: Sein felsiger Platz ist acht Monate im Jahr vom Schnee bedeckt. Im Sommer könne der US-Präsident gerne ein paar Bälle schlagen: „Es ist ziemlich anstrengend.“

Möglicherweise aber haben Trumps Berater ihrem Chef auch erklärt, dass der Erwerb eines fremden Landes seit dem Ende der Kolonialzeit völkerrechtlich eher schwierig ist – von der fehlenden Zustimmung des US-Kongresses ganz abgesehen. Am wahrscheinlichsten aber scheint, dass die teils erboste, teils spöttische öffentliche Zurückweisung seines geplanten Mega-Immobiliengeschäfts dem Dealmaker im Weißen Haus einfach aufs übergroße Ego geschlagen ist.

Am Dienstagabend jedenfalls griff der US-Präsident kurzerhand zum Handy und twitterte, Dänemark sei „ein ganz besonderes Land“. Da jedoch Ministerpräsidentin Mette Frederiksen nicht über den Verkauf von Grönland verhandeln wolle, sage er seinen für den 2. und 3. September geplanten Staatsbesuch ab. So könne man „viel Mühe und Kosten sparen“, konstatierte der Geschäftsmann. „Das Ganze klingt wie eine Parodie, (…) um die Lächerlichkeit einer Trump-Präsidentschaft zu demonstrieren“, rieb sich nicht nur der Kommentator der „Washington Post“ die Augen: „Aber es ist wirklich passiert.“

„Jenseits des Absurden“

Auch der ehemalige schwedische Ministerpräsident Carl Bildt twitterte ungläubig: „Das ist jenseits des Absurden: Trump macht den Staatsbesuch bei einem langjährigen Verbündeten davon abhängig, ob das Land einen Teil seines Territoriums abgeben will.“

Genauso sieht es aus. Als das „Wall Street Journal“ in der vorigen Woche erstmals über Trumps Interesse an der zum dänischen Königreich gehörenden unabhängigen Arktisinsel berichtete, waren selbst seine Mitarbeiter nicht sicher, wie ernst die Sache sei. Am Sonntag aber erklärte der Präsident öffentlich, ein Kauf Grönlands könnte für die USA „strategisch“ interessant sein. In seinem Umfeld wurde auf die Nähe zu Russland und die durch die Erderwärmung leichter zugänglichen Bodenschätze verwiesen.

„Im Grunde wäre es ein großes Immobiliengeschäft“, schwärmte der Hotel-Mogul. Eigentlich sollten Trump und seine Frau Melania Dänemark auf Einladung von Königin Margrethe II. besuchen. Geplant waren bilaterale Gespräche und Treffen mit Wirtschaftsvertretern. Von Grönland war keine Rede gewesen. Nach Informationen der „Washington Post“ hatte der Präsident im engsten Kreis jedoch schon seit Wochen über einen Kauf der Insel fantasiert. Angeblich wollte er Dänemark eine „große Einmalzahlung“ bieten und die jährlichen Subventionen von rund 600 Millionen Dollar aus der dänischen Staatskasse übernehmen.

Ein eindeutiges „Nein“

Die Zurückweisung war eindeutig: „Ich hoffe inständig, dass das nicht ernst gemeint ist“, erklärte Regierungschefin Frederiksen, und das grönländische Außenministerium twitterte: „Wir sind offen für Investoren, stehen aber nicht zum Verkauf.“ Formal hat Trump seinen Besuch erst einmal auf Eis gelegt. „Vielleicht ist das nur Teil von deren Verhandlungsstrategie. Vielleicht wollen die mehr Geld“, fabulierte Pete Hegseth, einer der Lieblingsmoderatoren des Präsidenten, beim rechten Sender Fox.

Tom Wright, Europa-Spezialist beim linksliberalen Brookings Institute, findet den Eklat weniger lustig: „Dänische Truppen haben an der Seite der USA in Afghanistan und im Irak gekämpft. 50 Dänen starben. Der Präsident schmäht das Bündnis und die gebrachten Opfer“, sagt Wright.

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