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Woodward-Enthüllungen: Joe Biden verurteilt Trump

Bob Woodward: „Rage“

Reaktionen auf Woodward-Enthüllungen verheerend - Donald Trump: „Ich bin Cheerleader der USA“

  • vonMirko Schmid
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US-Präsident und „Cheerleader“ Trump soll in der Corona-Krise gelogen und auf Zeit gespielt haben, das behauptet Enthüllungs-Journalist Bob Woodward. Die Reaktionen darauf fallen heftig aus.

  • Bob Woodward: Präsident Donald Trump ließ die Bevölkerung der USA wochenlang im Unklaren über die Ernsthaftigkeit der Corona-Pandemie
  • Joe Biden und Nancy Pelosi bezichtigen Donald Trump der Lüge und werfen vor, zahllose Todesfälle in Kauf genommen zu haben
  • Donald Trump will alles richtig gemacht haben und nennt sich „Cheerleader der USA“

USA - Es wäre fast geschmeichelt zu behaupten, dass US-Präsident Donald Trump im am 19. September erscheinenden Buch des Watergate-Enthüllungsjournalisten Bob Woodward schlecht wegkommt. Wenig verwunderlich, dass die Enthüllungen nicht unkommentiert bleiben. Dabei fallen die Reaktionen drastisch aus. Der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden beschuldigt Trump, die Ausmaße der Pandemie im Frühjahr bewusst heruntergespielt und die Bevölkerung der USA wissentlich angelogen zu haben.

Donald Trump selbst sieht sich einmal mehr als Opfer einer politischen Kampagne. Auf Twitter konstruiert er einen Zusammenhang zwischen „jahrelang gefälschten Geschichten und Ermittlungen“ wie den Anschuldigen um die Einflussnahme Russlands vor der Präsidentschaftswahl 2016 („Russland HOAX“) und das an der republikanischen Mehrheit im Senat gescheiterte Amtsenthebungsverfahren. Die Enthüllungen Woodwards nennt er einen „politischen Schlag“, das Buch sei langweilig und werde schnell verblassen.

Woodward-Enthüllungen: Joe Biden zerlegt Donald Trump mit klaren Worten

Eine Sicht der Dinge, die in der Blase von Trumps Anhänger eventuell verfängt, mit der ihn führende Politiker der Demokraten allerdings im öffentlichen Diskurs nicht durchkommen lassen. In vorab veröffentlichten Auszügen eines CNN-Interviews mit Joe Biden nimmt der Präsidentschaftskandidat kein Blatt vor den Mund. Trump habe die Pandemie bewusst heruntergespielt, um sicherzustellen, dass dessen „Freunde an der Wall Street kein Geld verlieren“. Um die Aktienmärkte zu stärken, habe Trump den Tod zehntausender Amerikaner in Kauf genommen. Bidens vernichtendes Fazit: Trumps Verhalten sei „beinahe kriminell“.

Biden nennt Zahlen der renommierten Columbia Medical School, die im März darauf hingewiesen hatte, dass über 31.000 Amerikanerinnen und Amerikaner weniger an den Folgen einer Corona-Infektion gestorben wären, hätte Trump eine Woche weniger ohne konkrete Maßnahmen zur Eindämmung von COVID-19 verstreichen lassen. Hätte er bereits zwei Wochen vorher gehandelt, wären über 50.000 Todesfälle weniger zu beklagen, ergänzt Biden. Doch anstatt zu handeln hätte Trump „die weiße Fahne geschwenkt“, sei „weggerannt“ und habe „nicht eine verdammte Sache“ getan, um die Pandemie zu bekämpfen.

Nancy Pelosi: Menschen sind gestorben, weil Präsident Trump gelogen hat

Die Mehrheitsführerin der Demokraten im US-Kongress, Nancy Pelosi, findet ebenfalls deutliche Worte: „Trump wusste es und hat geschwiegen. Trump hat gelogen. Deswegen sind Menschen gestorben.“ Trump habe nichts anderes getan, als von der Krise abzulenken und „unseren Bemühungen, Leben zu retten, im Wege zu stehen“.

Sie fordert ihre Twitter-Follower auf, Trump damit nicht davonkommen zu lassen: „Kommuniziert es weiter!“ Weiterhin fordert Pelosi ihre Follower dazu auf, im November zur Wahl zu gehen: „Unsere Leben hängen davon ab.

Trumps ehemaliger Anwalt Michael Cohen: Trump spuckt Lügen aus

Doch die harte Kritik an Donald Trump kommt lange nicht nur aus den Reihen des politischen Gegners. Trumps ehemaliger Anwalt Michael Cohen bezichtigt den US-Präsidenten in seiner eigenen Welt zu leben, in der keine Regeln gelten würden. Trump denke, er könne sich vor Bob Woodward setzen, sich „einen Kassettenrekorder vor den Mund halten lassen“ und käme trotzdem damit davon, „Lügen auszuspucken, von denen er weiß, dass es Lügen sind.“

Cohen verweist dabei auch auf die Blase, in der Trumps Anhängerschaft lebe: „Es ist sehr stalinistisch. Wenn Sie etwas oft genug sagen, glauben die Leute es. Das schafft er. Und das hat er 38 Prozent des Landes angetan. Seiner Basis. Sie hören zu, was er sagt. Sie akzeptieren, was er sagt. Und sie verbreiten es, als ob es wahr wäre“.

USA: Führende Republikaner verteidigen Trump gegen Woodwards Enthüllungen

Trumps Verteidigungslinie, er habe die Corona-Pandemie heruntergespielt, um eine Panik zu verhindern, findet dagegen Rückhalt im eigenen Lager. Führende Politiker aus den Reihen von Trumps Republikanern stellen sich vor Trump. Senator Thom Tillis, der im November ebenfalls zur Wiederwahl steht, verteidigt Trump: „Wenn Sie sich in einer Krisensituation befinden, müssen Sie die Menschen für die öffentliche Gesundheit informieren. Aber Sie wollen auch keine Hysterie erzeugen.“

Senator Lindsey Graham, der ebenso im November wiedergewählt werden will, schlägt in dieselbe Kerbe: „Ich glaube nicht, dass er (Trump) ins Fernsehen gehen und schreien muss, dass wir alle sterben werden.“ Außerdem lobte er Donald Trump dafür, die Wirtschaft im März zum richtigen Zeitpunkt "geschlossen" zu haben. Unerwähnt ließ Graham geflissentlich, dass das weiße Haus die Entscheidung, die Wirtschaft herunterzufahren den Bundesstaaten überließ.

Gouverneur von New Jersey: „Hätten den Staat früher geschlossen, wäre Trump ehrlich gewesen“

Der Gouverneur des Ostküstenstaats New Jersey, Phil Murphy, richtet schwere Vorwürfe an Donald Trump. Der Demokrat und frühere US-Botschafter in Deutschland sagte am Mittwoch, er hätte aggressivere Maßnahmen zur Bekämpfung von COVID-19 ergriffen, wenn Präsident Donald Trump in den frühen Tagen der Pandemie ehrlicher über die wahre Bedrohung durch das Coronavirus gesprochen hätte.

„Wenn wir das früher gewusst hätten, hätten wir den Staat deutlich früher geschlossen. Wir wären deutlich früher zu einer verbindlichen Masken-Politik übergegangen und hätten die Menschen aufgefordert, zu Hause zu bleiben. Wir haben es ungefähr so ​​früh wie jeder andere amerikanische Staat gemacht, aber wir hätten es früher gemacht und hätten zweifellos Leben gerettet.“

Murphy, der Trump noch Ende April für dessen Hilfe in New Jerseys „dunkelster Stunde“ gedankt hatte, zeigt sich desillusioniert: „Zu sagen, dass es entmutigend und herzzerreißend ist, ist eine Untertreibung. Menschen verlassen sich auf Vertrauen, selbst wenn man ihnen schlechte Nachrichten liefert. Die Leute können es ertragen. Wir waren vom ersten Augenblick ehrlich. Jetzt davon zu hören und über die verschwendete Zeit und die verlorenen Leben nachzudenken, ist leider äußerst entmutigend.“

Trump nennt sich auch nach Woodward-Enthüllungen "Cheerleader" der USA

Für einen besonders geschmacklosen Kommentar ist wie gewohnt Donald Trump selbst zu haben. Er bestätigte gestern im weißen Haus die „Tatsache“, dass er „ein Cheerleader für dieses Land“ sei. Er habe mit seinen öffentlichen Äußerungen zu Beginn der Corona-Pandemie Vertrauen erzeugen wollen. Weiterhin stritt Trump vehement ab, dass seine Beschwichtigungen in Bezug auf die Bedrohung durch das Virus Menschenleben gekostet habe. (Von Mirko Schmid)

Zum Gedenken an den 11. September 2001 reisen Donald Trump und Joe Biden nach Shanksville, Pennsylvania. Hier ließen Entführer bei den Terroranschlägen ein Flugzeug abstürzen. Zuvor hatte Trump sich mit Winston Churchill verglichen, um sich gegen die Woodward-Enthüllungen zu verteidigen.

Biden will mithilfe der Briefwahl den Kampf ums Weiße Haus manipulieren: Diese Verschwörungstheorie verbreitet Donald Trump immer wieder. Dem US-Präsidenten könnten die Äußerungen um die Ohren fliegen.

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