„Fahrt das Testen zurück“: Donald Trump dürfte der Anblick dieser verlassenen Teststation in Los Angeles gefallen.
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„Fahrt das Testen zurück“: Donald Trump dürfte der Anblick dieser verlassenen Teststation in Los Angeles gefallen.

Coronavirus

Trump wettet auf Leben und Tod

  • Karl Doemens
    vonKarl Doemens
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In den USA steigt die Zahl der Infizierten drastisch. Präsident Donald Trump regelt das auf seine Weise: Er will einfach weniger testen lassen.

Die Pandemie war verschwunden, das Gotteshaus prall gefüllt, und nur wenige Besucher trugen Masken. „Sie können kommen, Sie sind sicher und geschützt“, hatte Pfarrer Luke Barnett versprochen: Das neue Lüftungssystem der Dream City Church in Phoenix töte „99,9 Prozent von Covid in zehn Minuten.“ Also strömten rund 3000 stramm konservative Schüler am Dienstag in die Megakirche, um dem Präsidenten zuzuhören. Gut gelaunt spielte Donald Trump das Coronavirus mit dem rassistischen Begriff „Kung Flu“ herunter. Er lächelte, als ein Zuhörer rief: „Keine Masken mehr!“

Gut vier Monate vor der Präsidentschaftswahl möchte Trump so schnell wie möglich zurück zur Normalität. Dabei nimmt er immer offensichtlicher die Gesundheitsgefährdung der Amerikaner in Kauf. Tatsächlich hat das Land die Corona-Pandemie keineswegs überwunden. Im Gegenteil steuern die täglichen Neuinfektionen in vielen Bundesstaaten gerade auf neue Rekorde zu. Bundesweit sind sie seit Anfang Juni von etwa 17 000 auf 33 000 hochgeschossen und liegen damit wieder auf Aprilniveau. Alleine in Arizona, wo Trump in der Kirche auftrat, wurden am Dienstag mehr als 5000 neue Fälle gemeldet. Ähnlich ernst ist die Lage in Texas, Kalifornien und Florida. „Ich bin darüber sehr besorgt“, sagte Anthony Fauci, der Chefvirologe der Trump-Regierung, am Dienstag im Kongress.

Doch im Weißen Haus lässt Trump den renommierten Experten schon lange nicht mehr auftreten. Auch die Teststation für Journalisten und Besucher am Eingang wurde abgebaut. „Testen ist ein zweischneidiges Schwert“, erklärte der Präsident: „Wenn wir mehr testen, haben wir viele Fälle.“ Schon jetzt belegen die USA mit mehr als 2,3 Millionen Infizierten und 121 000 Toten den weltweiten Spitzenplatz. Den will Trump auf jeden Fall verlassen. „Ich habe meinen Leuten gesagt: Fahrt das Testen zurück“, berichtete er seinen Anhängern am Wochenende bei einer Kundgebung. Zwar versicherten seine Sprecher hinterher eilig, das sei ironisch gemeint gewesen. Doch Trump beteuerte auf Nachfrage wörtlich: „Ich scherze nicht.“

Tatsächlich haben die USA in den vergangenen Wochen ihre Testkapazitäten deutlich ausgebaut und nun 29 Millionen Tests durchgeführt. US-Gesundheitsexperten rechneten vor, dass das Land die wöchentliche Zahl seiner Tests verdoppeln müsste, um die Wirtschaft sicher wieder in Schwung zu bringen. Doch das will Trump wegen des Statistikeffekts unbedingt vermeiden. Zum Monatsende lässt seine Regierung stattdessen die Bundesförderung für 13 Teststationen in Texas auslaufen.

„Wir gewinnen den Kampf gegen den unsichtbaren Feind“, behauptete Trumps Stellvertreter Mike Pence in einem Gastbeitrag für das „Wall Street Journal“. Der Artikel trug die apodiktische Überschrift: „Es gibt keine zweite Welle des Coronavirus.“ Gesundheitsexperten befürchten hingegen, dass die erste Welle der Pandemie gerade außer Kontrolle gerät. Angefeuert vom Präsidenten haben viele republikanische Gouverneure ohne Rücksicht auf das Infektionsgeschehen die Wirtschaft wieder anlaufen lassen – mit fatalen Folgen. In mindestens zwölf Bundesstaaten werde sich die Lage bald deutlich verschlechtern, wenn nicht neue Restriktionen eingeführt würden, warnt Fauci.

Doch das wollen die Republikaner unbedingt vermeiden. Längst ist die Corona-Krise in den USA zum Kulturkampf geworden: Die Wähler der Demokraten tragen Mund-und-Nasen-Schutz, die Trump-Unterstützer eine rote „Make America great again“-Kappe. Nur widerstrebend hat Doug Ducey, der Gouverneur von Arizona, den Kommunen überhaupt erlaubt, eine Maskenpflicht durchzusetzen. Sein Kollege Greg Abbott in Texas findet, die Prävention sei Privatsache.

Nicht alle Covid-19-Schönfärber werden so schnell überführt wie Pastor Barnett von der Dream City Church in Phoenix. Nachdem der Hersteller der Klimaanlage erklärte, der Trump-Fan habe die Funktionsweise seines Geräts falsch verstanden, löschte der verantwortungslose Gottesmann leise seinen Facebook-Post.

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