Donald Trumpkümmert sich nur um das Wichtigste: seine Wiederwahl.
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Donald Trumpkümmert sich nur um das Wichtigste: seine Wiederwahl.

USA

Trump weiß von nichts

  • Karl Doemens
    vonKarl Doemens
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Russland soll Kopfprämien auf US-Soldaten in Afghanistan ausgesetzt haben. Die offenbar seit Monaten darüber informierte US-Regierung erklärt Presse und Geheimdienste für verrückt.

Anderthalb Tage lang war Donald Trump auf Tauchstation. Die Geschichte der „New York Times“ stand erst im Netz, dann auf der Titelseite, dann wurde sie von der Konkurrenz „Washington Post“ und „Wall Street Journal“ bestätigt. Doch Trump schwieg. Erst am Sonntagmorgen setzte er einen defensiven Tweet ab: „Niemand hat mich (…) über die sogenannten Attacken auf unsere Truppen in Afghanistan durch die Russen unterrichtet oder mir davon erzählt.“ Ein Dementi klingt anders.

Sowohl der Zeitverzug wie die inhaltliche Unbestimmtheit der Reaktion fallen auf. Nach US-Medienberichten hat eine russische Spionageeinheit den Taliban in Afghanistan ein Kopfgeld für die Tötung amerikanischer Soldaten angeboten. Das sollen US-Geheimdienste unter anderem bei Verhören von gefangenen Taliban erfahren und nach Washington gemeldet haben. Ende März gab es dazu offenbar eine behördenübergreifende Besprechung im Nationalen Sicherheitsrat, bei der auch mögliche Reaktionen von einer offiziellen Protestnote an Moskau bis zu neuen Sanktionen besprochen wurden. Doch nichts geschah.

Nicht nur der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden war „empört“ ob des Vorgangs, der einen „Betrug an unserer heiligsten Pflicht als Nation“ offenlege. Auch hohe republikanische Kongressabgeordnete, die Trumps Affinität zu Wladimir Putin schon länger kritisch beäugen, geben sich alarmiert. So forderte Richard McCaul, der führende Republikaner im Auswärtigen Ausschuss des Repräsentantenhauses, eine schnelle Unterrichtung: „Wenn das zutrifft, muss die Regierung zügige und ernsthafte Schritte unternehmen, um die Russen zur Verantwortung zu ziehen.“ Senator Lindsey Graham, eigentlich ein Trump-Vertrauter, sagte: „Ich erwarte, dass die Regierung diese Anschuldigungen ernst nimmt und den Kongress unmittelbar über die Substanz dieser Berichte informiert.“

Doch am Wochenende zuckten erst einmal alle Verantwortlichen mit den Schultern. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Kayleigh McEnany, meinte, weder Trump noch dessen Vize Mike Pence seien informiert gewesen. Diese Aussage bestätigte Stunden später auch der oberste Geheimdienstchef John Ratcliffe, der freilich im März noch gar nicht im Amt war. Sein kommissarischer Kurzzeit-Vorgänger war bis Mai der Ex-Deutschland-Botschafter Richard Grenell. „Ich habe davon nie gehört“, behauptete der bei Twitter.

Zum Inhalt der Geschichte äußert sich die US-Regierung also erstmal nicht. Trump twitterte lediglich: „Jeder bestreitet es, und es gab nicht viele Angriffe auf uns (…) Wahrscheinlich ist das eine weitere verrückte Attacke der ,Times’.“ Tatsächlich dementieren Russen und Taliban die Berichte entschieden, denenzufolge dieselbe Spezialeinheit des russischen Militärgeheimdienstes GRU hinter der Operation stecken soll, die auch für den Gift-Anschlag auf den Ex-Spion Sergej Skripal in Großbritannien 2018 verantwortlich gemacht wird. Im vergangenen Jahr kamen in Afghanistan 20 US-Soldaten bei Kämpfen ums Leben. Laut „New York Times“ ist nicht klar, ob das Kopfgeld dabei eine Rolle spielte.

Die Enthüllung trifft Präsident Trump in einer heiklen Phase. Bis zum nächsten Frühjahr will er alle US-Truppen aus Afghanistan abziehen, doch die Umsetzung des entsprechenden Abkommens mit den Taliban stockt. Trump hat sich zuletzt häufig positiv über die Beziehungen zu Moskau geäußert. Angesichts der Kopfgeld-Story wirkt das befremdlich. Doch auch die vorgegebene Unkenntnis wirft ernste Fragen auf. „Wenn das zutrifft, gibt Trump nicht mal mehr vor, als Oberkommandierender zu wirken“, kritisierte Susan Rice. Für die Ex-Sicherheitsberaterin von Barack Obama zeigt der Vorgang vor allem die „tödliche Inkompetenz“ der Trump-Regierung.

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