US-Wahl 2020

Eklat um „60 Minutes“-Interview - Vorwürfe gegen Donald Trump: „Nicht an Vereinbarung gehalten“

  • Daniel Dillmann
    vonDaniel Dillmann
    schließen
  • Mirko Schmid
    schließen

Donald Trump veröffentlicht ein Video-Mitschnitt auf seiner Facebook-Seite. Hat der US-Präsident damit eine Abmachung mit dem TV-Sender CBS gebrochen?

  • US-Präsident Donald Trump bricht ein Fernsehinterview mit der renommierten CBS-Journalistin Lesley Stahl vorzeitig ab.
  • Trump wirft der Journalistin vor, sich trotz der Corona-Pandemie ohne Maske im Weißen Haus aufgehalten zu haben und ihm unfaire Fragen zu stellen.
  • Alles Infos zu den Wahlen am 3. November finden Sie in den News zur US-Wahl 2020.

+++ Update vom Freitag, 23.10.2020, 10:15 Uhr: Der Eklat rund um das „60 Minutes“ Interview von Donald Trump auf dem TV-Sender CBS geht in die nächste Runde. Der US-Präsident hatte sich im Verlauf der Woche mehrfach über angeblich unfaire Fragen und eine parteiische Moderatorin beschwert. Am Donnerstag (22.10.2020) machte Trump dann seine Drohung wahr und veröffentlichte einen Video-Mitschnitt des Interviews auf seiner Facebook-Seite - vor der für Sonntag geplanten Ausstrahlung.

In einem Statement bezieht nun der Sender CBS selbst Stellung zu den Geschehnissen und erhebt schwere Vorwürfe gegen Donald Trump. „Die Entscheidung des Weißen Hauses, sich nicht an die Vereinbarung mit CBS News zu halten und das Videomaterial zu veröffentlichen, wird ‚60 Minutes‘ nicht zurückhalten“, heißt es in einem Statement des Senders. Man werde an der Ausstrahlung am Sonntag festhalten.

Laut CBS hatte der TV-Sender mit dem Weißen Haus vereinbart, dass die Presseleute von Donald Trump das Interview zwar filmen dürften, die Aufnahmen aber nur für archivarische Zwecke verwendet werden. Das Weiße Haus selbst hat sich bislang nicht zu einer derartigen Abmachung geäußert.

Donald Trump bei 60 Minutes: „Glaubst Du, sie würde Biden solche Fragen stellen?“

+++ 20:50 Uhr: Während des Interviews anwesend scheint auch Mike Pence zu sein. Donald Trump wendet sich an seinen Vize-Präsidenten mit der Frage: „Glaubst Du, sie würde Biden solche Fragen stellen?“ Pence antwortet: „Ich glaube nicht.“

CBS-Moderatorin Lesley Stahl konfrontiert im „60 Minutes“-Interview den US-Präsidenten mit seiner feindlichen Rhetorik gegenüber seinen politischen Gegnern. Donald Trump streitet alles ab. Er habe weder gefordert, Hillary Clinton einzusperren noch die Bidens. Ohnehin seien die viel schlimmer, genau wie ihre Anhängerschaft, die im Gegensatz zu seinen Fans „unsere Städte anzünden und plündern.“

Nach knapp 40 Minuten reicht es dem Präsidenten. Er beschwert sich erneut darüber, dass Joe Biden niemals so „harte Fragen“ habe beantworten müssen. „Vergessen Sie ihn doch einfach für einen Moment“, empfiehlt ihm Stahl. Das kann oder will Donald Trump aber nicht und sagt: „Ich glaube, wir haben genug.“

Donald Trump gerät bei „60 Minutes“ in Erklärungsnot

+++ 20:35 Uhr: In dem Interview wird Donald Trump auf eine Reihe ihm unliebsamer Themen angesprochen. CBS-Moderatorin Lesley Stahl fragt den US-Präsidenten nach seiner Weigerung, das Tragen einer Maske im Kampf gegen die Corona-Krise zu propagieren. Sie kritisiert Trump für dessen Umgang mit der Pandemie und bohrt beim Thema „Obamacare“ nach. Auf die Frage, womit Trump das Gesundheitsprogramm seines Vorgängers ersetzen möchte, kommt der amtierende Präsident in Erklärungsnot.

Donald Trump beschwert sich daraufhin über unfaire Fragen. „Es wäre schön, wenn sie solche Fragen auch Joe Biden stellen würden“, sagt Trump im Interview mit „60 Minutes“ und wärmt alte Verschwörungstheorien wieder auf - namentlich die, nach der Obama einst die Büros seines Wahlkampfteams abgehört haben soll. Stahl widerspricht ihm und betont den Fakt, dass dieses Gerücht längst widerlegt ist.

US-Präsident Donald Trump, hier mit First Lady Melania Trump, legt sich wieder mit der Presse an.

Donald Trump macht Drohung wahr und veröffentlicht Interview mit „60 Minutes“

+++ 20:08 Uhr: US-Präsident Donald Trump hat seine Ankündigung wahr gemacht. Kurz vor seinem TV-Duell gegen Joe Biden veröffentlichte Trump das Interview mit der TV-Sendung „60 Minutes“. Der US-Präsident hatte die Veröffentlichung bereits im Vorfeld angekündigt.

Ungewöhnlich ist die Plattform, die Donald Trump für die Veröffentlichung nutzte. Statt seines Twitter-Accounts, dem sonst favorisierten Kommunikationsmittel des US-Präsidenten, veröffentlichte er das Video diesmal auf Facebook. Auf Twitter verschickte Trump nur einen Link auf seine Facebook-Seite.

Donald Trump droht TV-Sender und spricht von „Fake-Interview“

+++ 16:03 Uhr: Donald Trump ist weiterhin sauer über den Verlauf des „60 Minutes“-Interview mit Moderatorin Lesley Stahl, das er bereits nach weniger als 50 Minuten einseitig beendet hatte. Jetzt droht der Präsident, das Interview noch vor der geplanten Ausstrahlung selbst zu veröffentlichen - ein Affront gegen den Kabelsender CBS. Mit wütenden Worten kündigte der Präsident auf Twitter an, das Interview zu veröffentlichen, das er als unfair sich selbst gegenüber empfunden hatte.

„Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, dass ich aus Gründen der Genauigkeit der Berichterstattung erwäge, mein 60-minütiges Interview mit Lesley Stahl vor der Ausstrahlung zu veröffentlichen! Dies wird geschehen, damit jeder einen Eindruck davon bekommen kann, worum es bei einem voreingenommenen Fake-Interview geht “, twitterte Trump. „Jeder sollte diesen schrecklichen Eingriff in die Wahlen mit den jüngsten Interviews von Sleepy Joe Biden vergleichen!“

Update vom Mittwoch, 22.12.2020, 10:11 Uhr: In einem TV-Gespräch hat Moderatorin Lesley Stahl davon berichtet, dass sie sich bereits vor dem Interview mit Donald Trump im Trump Tower getroffen habe. „Er ist hinter der Kamera wirklich genauso wie vor der Kamera“, berichtet Stahl. Anschließend ging es im Gespräch um die Rolle der Presse in den USA. Donald Trump habe in einem Hintergrundgespräch 2016 die Presse attackiert. Trump, Stahl und der Vorgesetzte der CBS-Moderatorin saßen im „riesigen Büro“ des Präsidenten, als dieser seine Tiraden über die Presse losließ - ohne, dass auch nur eine Kamera lief.

Lesley Stahl habe den Präsident direkt damit konfrontiert: „Wissen Sie was? Das wird langsam öde. Warum machen sie diesen Mist, immer und immer wieder? Das wird langweilig. Es ist Zeit, das ganze zu beenden. Warum trampeln Sie auf dieser Geschichte immer weiter rum?“ Donald Trump soll geantwortet haben: „Wissen Sie, ich mache das, um euch alle zu diskreditieren und zu erniedrigen. Wenn ihr dann negative Storys über mich schreibt, wird euch keiner glauben.“ Stahl wartet ein paar Sekunden ab, blickt ins Publikum und sagt: „Das hat er gesagt. Lassen Sie das mal eine Minute wirken.“

Erstmeldung vom Mittwoch, 21.12.2020, 07:28 Uhr: Washington – Zwei Wochen vor der Präsidentschaftswahl in den USA hat Amtsinhaber Donald Trump ein TV-Interview vorzeitig abgebrochen. Das teilte der Fernsehsender CBS am Dienstagabend (Ortszeit) mit. Trump drohte auf Twitter damit, einen Mitschnitt noch vor dem geplanten Ausstrahlungstermin am kommenden Sonntag selbst zu veröffentlichen. Er kritisierte das mit der renommierten Journalistin Lesley Stahl für die CBS-Sendung „60 Minutes“ geführte Gespräch als „Fake“ und „parteiisch“. Vor der Wahl sollte das Interview Teil einer „60 Minutes“-Sonderausgabe über den Republikaner Trump und seinen demokratischen Herausforderer Joe Biden an diesem Sonntag sein.

Kurz vor der US-Wahl: Präsident Trump macht sich Corona zunutze

Trump sprach von einem „furchtbaren Eingriff“ in die Wahl am 3. November. Bei einem Wahlkampfauftritt am Dienstagabend in Erie im US-Bundesstaat Pennsylvania schien er CBS zu drohen. „Ihr müsst Euch anschauen, was wir mit ‚60 Minutes‘ machen. Ihr werdet einen solchen Kick daraus bekommen“, sagte der Präsident vor jubelnden Anhängern. „Lesley Stahl wird nicht glücklich darüber sein.“ Bereits zuvor hatte Trump ein kurzes Video auf Twitter veröffentlicht, zu dem er schrieb: „Lesley Stahl von „60 Minutes“ ohne Maske im Weißen Haus nach ihrem Interview mit mir. Da kommt noch viel mehr.“

Corona-Leugner Trump attackiert vor der US-Wahl Medien

Trump, der zu Monatsbeginn selbst an Covid-19 erkrankte, trägt fast nie einen Mund-Nasen-Schutz. Zudem hat er wiederholt nachweislich falsche Aussagen über Gesichtsmasken und das Coronavirus verbreitet. Medien, die kritisch über ihn berichten, bezeichnet der US-Präsident als „Volksfeinde“ und ihre Berichte als „Fake News“. Regelmäßig wirft er US-Medien vor, diese würden Biden nicht annähernd so hart angehen wie ihn. (dpa)

Rubriklistenbild: © Alex Brandon

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare