Jetzt doch unsicher? Donald Trump hat den Parteitag der Republikaner abgesagt.
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Jetzt doch unsicher? Donald Trump hat den Parteitag der Republikaner abgesagt.

USA

Trump sagt Parteitag in Florida ab

  • Karl Doemens
    vonKarl Doemens
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Der US-Präsident verzichtet auf Veranstaltung mit 19 000 Personen, um „das amerikanische Volk zu beschützen“.

Es sollte ein großes, beeindruckendes, natürlich einmaliges Ereignis werden. „Joe Biden bekommt nicht einmal zehn Leute in einen Raum“, prahlte Eric Trump, der zweite Sohn des US-Präsidenten, Ende Mai: „Mein Vater zieht 50 000 in eine Halle. Aber sie werden alles tun, um das zu verhindern.“

Zwei Monate später ist der Plan eines gigantischen Nominierungsparteitags mit jubelnden Fans, bunten Luftballons und einem strahlenden Star tatsächlich geplatzt. Doch schuld sind nicht etwa die Demokraten. Donald Trump selbst hat in einer abrupten Kehrtwende in letzter Minute den Stecker gezogen.

„Der Zeitpunkt für die Veranstaltung ist nicht richtig“, erklärte der Präsident überraschend im Weißen Haus und verwies auf die Corona-Pandemie: „Das Land ist großartig in Form – außer im Westen und im Süden“, erklärte er vor einer großen Karte an dem Tag, an dem die Zahl der offiziell festgestellten Infektionen in den USA über vier Millionen kletterte.

Dummerweise sollte ausgerechnet tief im Süden, in der Stadt Jacksonville in Florida, im nächsten Monat der Parteitag mit rund 19 000 Teilnehmern stattfinden. „Ich muss das amerikanische Volk beschützen“, begründet Trump nun die Absage.

Tatsächlich dürfte die plötzliche Notbremsung eher ein Akt des Selbstschutzes sein. Amerikanische Medien berichten seit Tagen, dass sich angesichts der Infektionsgefahr immer schwerer Spender für das Großereignis finden ließen. Sechs republikanische Senatoren hatten ihre Teilnahme abgesagt. Der lokale Sheriff erklärte, er könne nicht für die Sicherheit garantieren. Pläne, sämtliche Delegierte, Ehrengäste und Journalisten am Eingang der gebuchten Halle einem Corona-Test zu unterziehen, erwiesen sich als nicht praktikabel. Zuletzt ergab eine Umfrage der Quinnipiac-Universität, dass 62 Prozent der Wähler in Florida das Großereignis für gefährlich halten. Der demokratische Herausforderer Joe Biden liegt in dem für Trump politisch äußerst wichtigen Bundesstaat inzwischen deutlich vor dem Amtsinhaber.

So kommt die Absage des Parteitags für Trump nach Meinung der „Washington Post“ einer „Kapitulation“ gleich – und zwar in mehrfacher Hinsicht. Seit Wochen spielt der Präsident die Pandemie herunter und drängt auf eine schnelle Rückkehr des Landes zur Normalität. Als äußeres Zeichen wollte er unbedingt seine eigene Nominierung als „gewaltige Sache“ in Szene setzen. Erst im Juni hatte er deshalb wesentliche Teile des Parteitags aus Charlotte in North Carolina nach Jacksonville verlegt, weil der Gouverneur von North Carolina Abstandsregeln und Maskenpflicht durchsetzen wollte. Trump aber bestand auf einer vollen Halle ohne sichtbare Hinweise auf die Pandemie.

Zu diesem Zeitpunkt hatten die Demokraten längst die Konsequenzen aus der aktuellen Gesundheitskrise gezogen. Sie verschoben ihren ursprünglich für Juli geplanten Parteitag in Milwaukee zunächst auf Mitte August und verkleinerten ihn von ursprünglich einmal 50 000 auf nur noch 300 Teilnehmer. Zwar wird Biden in einer kleinen Halle sprechen, die Delegierten sollen aber zu Hause bleiben. Das Treffen findet damit überwiegend virtuell statt. Auch Fernsehschalten zu kleineren „Satelliten“-Veranstaltungen im Land sind geplant.

Für die Republikaner sollen sich nun ein paar Hundert republikanische Delegierte in der Woche danach nun wie ursprünglich geplant in Charlotte treffen und Trump formal wählen. Die weitere Vorbereitung befindet sich nach Medienberichten in einem chaotischen Zustand. So will der Präsident seine große Rede in anderem Rahmen halten – wann, wie und wo ist noch offen.

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