Düstere Stimmung: Trump raubt den USA den Glanz.
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Düstere Stimmung: Trump raubt den USA den Glanz.

Klima-Rückzug

Trump provoziert die Rebellion

  • vonThomas Spang
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Experten, Wirtschaftsvertreter und selbst Ölkonzerne machen Front gegen den Klimakurs von Donald Trump. Der Bürgermeister von Pittsburgh will sich von dem US-Präsidenten nicht den Ruf seiner Stadt ruinieren lassen.

Die Klimaschützer in den USA haben einen neuen Helden. Sein Name: Bill Peduto. Sein Job: Bürgermeister der Industriestadt Pittsburgh. Seine Großtat: Er führte das Kernargument in Trumps Klimarede im Rosengarten des Weißen Hauses ad absurdum. Dort hatte der Präsident den Rückzug aus dem Pariser Abkommen damit begründet, er sei gewählt worden, „um die Bürger von Pittsburgh zu vertreten, nicht die von Paris“.

Die Worte waren kaum verhallt, da twitterte Bürgermeister Peduto seinen Protest. Er könne sich nicht erinnern, dass Trump ein Mandat der Bürger seiner Stadt habe. Tatsächlich sei er der gewählte Bürgermeister einer Stadt, die zu 80 Prozent Hillary Clinton im Weißen Haus wollte. „Pittsburgh steht an der Seite der Welt und wird die Kriterien des Pariser Abkommens einhalten.“

Das illustrierte, was der Fakten-Prüfer der „Washington Post“ präzise als Märchenstunde im Rosengarten entlarvte. Trumps Opfer-Narrativ von den USA, die sich gegen die Ausbeutung durch andere Länder wehren müssten, beruhe auf „zweifelhaften Fakten“. Unter anderen verwahrte sich Umweltexperte John Reilly vom renommierten „Massachusetts Institut of Technology“ gegen den Missbrauch seiner Studie durch Trump. Der hatte unter Berufung auf das MIT behauptet, das Pariser Abkommen trage nur „einen winzigen, winzigen“ Teil zur Verringerung der Erderwärmung bei. „Ich bin komplett anderer Auffassung“, hält Reilly dem Präsidenten grobes Unverständnis vor.

„Es ist die dümmste und unverantwortlichste Handlung unserer Nation, seit sie den Krieg im Irak begann“, stimmt Klimaexperte Bill McKibben zu. Trump weise damit „die beiden wichtigsten Kräfte zur Zivilisierung der Menschheit zurück: Diplomatie und Wissenschaft.“

Als Erfolg verbuchten dagegen Trumps Chefstratege Stephen Bannon und dessen Mitstreiter des nationalistischen Flügels im Weißen Haus den Sieg im internen Kräftemessen mit Tochter Ivanka und pragmatischeren Akteuren wie Außenminister Tillerson. Bannon bewies mit dem Klimaausstieg, das er die dominante Kraft im Weißen Haus bleibt.

Jenseits der Republikaner im Kongress, der Trump-Anhänger in den Kohle-Staaten und der Lobby der Industrie fossiler Brennstoffe findet sich kaum jemand, der Trumps Rede ernst nimmt. Zwei Drittel der US-Amerikaner hatten sich in Umfragen für einen Verbleib im Klimaabkommen ausgesprochen.

Und die US-Wirtschaft und deren Arbeiter, in deren Namen der Präsident angeblich handelte? Die haben den Klimaschutz längst als Wachstumssektor entdeckt. In einer großen Anzeige in der „New York Times“ hatten Konzerne wie Apple, Microsoft, Facebook, Morgan Stanley und Intel am Donnerstag an Trump appelliert, den Vertrag nicht aufzugeben. Zu den Hunderten Unternehmen, die im Oval Office die Drähte heiß glühen ließen, gehörten auch Ölmulti Exxon Mobil und Royal Dutch Shell. Auch der Appell von Tesla-Chef Elon Musk, der im Wirtschaftsbeirat des Weißen Hauses sitzt, verhallte ohne Erfolg.

Unter Protest trat Musk unmittelbar nach der Rede im Rosengarten denn auch von seiner Beraterrolle zurück. Seinem Beispiel folgte Disney-Vorstandschef Robert Iger, der Trumps Entscheidung als „nicht gut für Amerika und die Welt“ kritisierte. Ein Tenor, der sich auch in der Kritik des mächtigen Vorsitzenden von Goldman Sachs, Lloyd Blankfein, findet. „Ein Rückschritt für die Umwelt und die Führungsposition der USA in der Welt“.

Der außenpolitische Analyst Fareed Zakaria geht in der „Washington Post“ noch weiter. Der Präsident habe mit seinem Alleingang „dem Wiedererstarken Europas“ geholfen: „Trump dürfte den Westen nicht abschaffen, aber die Rolle der USA als sein Zentrum beenden.“ Der ehemalige politische Direktor im Außenministerium, Richard Haas, denkt, neben der EU profitieren vor allem Russland und China: „Er hat China damit weltweite Einflussnahme gesichert.“

Pittsburghs Bürgermeister Peduto verspricht, wie auch Kollegen in New York, Los Angeles und Boston die Klimaanstrengungen jetzt erst recht zu verstärken. Und auch 30 Bundesstaaten machten klar, dass sie an ihren Umweltzielen festhalten wollen.

Der Gouverneur von New York stellte demonstrativ einen 1,5-Milliarden-Dollar-Förderplan für erneuerbare Energien vor. Kalifornien beschloss, bis 2045 zu 100 Prozent grüne Energie zu produzieren. Beispiele, die illustrieren, was Barack Obamas Paris-Unterhändler, Todd Stern, Trump nach dessen Klimakatastrophe im Rosengarten ins Stammbuch schrieb: „Das war nicht das Ende. Das war ein Ruf zu den Waffen“.

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