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Kanzlerin Merkel ruft Trump indirekt zur Einhaltung demokratischer Grundwerte auf.

US-Wahl

Trump und Merkel - ein gespanntes Verhältnis

Kanzlerin Merkel bietet dem künftigen US-Präsidenten Trump eine enge Zusammenarbeit an. Doch die dürfte schwierig werden. Trump hat Merkel im Wahlkampf übel attackiert.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den gewählten US-Präsidenten Donald Trump indirekt zur Einhaltung demokratischer Grundwerte aufgerufen. "Auf der Basis dieser Werte biete ich dem künftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Donald Trump, eine enge Zusammenarbeit an", sagte Merkel am Mittwoch in Berlin. Ausdrücklich verwies die Kanzlerin auf die gemeinsame Wertebasis zwischen Deutschland und den USA und nannte "Demokratie, Freiheit, den Respekt vor dem Recht und der Würde des Menschen unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung oder politischer Einstellung".

Es wird nicht einfach werden, ein gutes Arbeitsklima zwischen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem künftigen US-Präsidenten Donald Trump aufzubauen. Immer wieder attackierte Trump in den vergangenen Monaten die deutsche Regierungschefin auf seine sehr direkte Weise. Fast immer ging es um ihre Flüchtlingspolitik. Doch vor einigen Wochen kam Trump dann auch ein Lob für Merkel über die Lippen. Eine Auswahl:

Deutschland als Beispiel verfehlter Flüchtlingspolitik - das war ein Dauerbrenner Trumps im Wahlkampf. Mitte Juni nannte er Deutschland als Warnung für die USA. Die Folgen der deutschen Flüchtlingspolitik seien eine "Katastrophe" für das Land, sagte er. Der Rechtspopulist sprach bei einem Wahlkampfauftritt vage von "fürchterlichen Dingen", die in Deutschland geschähen. "Und schaut, was mit den Frauen passiert", sagte er in Anspielung auf die Übergriffe in der Silvesternacht in Köln. Trump erzählte, dass er Freunde in Deutschland habe, die ihm seit 20 Jahren berichtet hätten, was für ein großartiges Land zum Leben es sei. Einer dieser Freunde "verlassen das Land jetzt".

Die deutsche Flüchtlingspolitik als Quell der Kriminalität war auch Thema einer Wahlkampfrede im August. Trump nannte Merkel dabei ausdrücklich als abschreckendes Beispiel. "Hillary Clinton will Amerikas Angela Merkel werden. Und Sie wissen, welches Desaster diese massive Zuwanderung für Deutschland und die Deutschen angerichtet hat", sagte er - mit Blick auf seine demokratische Konkurrentin Clinton.

In Deutschland habe die massive Zuwanderung die Kriminalität "auf ein Niveau steigen lassen, das niemand je erwartet hatte", behauptete der Republikaner. Erneut prangerte er die "sexuelle Gewalt und Angriffe" in der Silvesternacht in Köln an.

Nach den Anschlägen von Brüssel zog Trump die Verbindung von Einwanderung zu Terrorismus und attackierte erneut insbesondere Merkels Linie. "Diese Frau" habe Millionen von Menschen ins Land gelassen, deren Integration "sehr, sehr schwierig und in manchen Fällen unmöglich" sei, sagte Trump im März einem TV-Sender, ohne die Kanzlerin allerdings beim Namen zu nennen.

Merkels Rede im Wortlaut

Im Januar leitete Trump bei einem Auftritt in Iowa eine Tirade zur deutschen Flüchtlingspolitik erneut mit seinem Lieblingswort "Desaster" ein - um dann einen Aufstand gegen Merkel vorherzusagen. Die deutsche Bevölkerung werde die Kanzlerin am Ende "stürzen", erklärte er. "Ich weiß nicht, was zur Hölle sie sich denkt."

Bereits im Dezember vergangenen Jahres prophezeite Trump Deutschland wegen Merkels Flüchtlingspolitik und der daraus folgenden Kriminalität ein "totales Desaster". Europa erlebe nun Probleme, die der Kontinent seit "einer Million Jahre" nicht gesehen habe.

Trump kritisierte damals zugleich die Wahl von Merkel zur "Persönlichkeit des Jahres" durch das US-Magazin "Time": "Ich glaube, sie haben die Person ausgewählt, die Deutschland wirklich enormen Schaden zugefügt hat", sagte er. Merkel hatte den Titel zuvor für ihrer Rolle als Krisenmanagerin in der EU erhalten.

Ende September allerdings lobte Trump die deutsche Kanzlerin - in seinem seltenen Moment der Einigkeit mit seiner Rivalin Clinton. Trump sagte einem TV-Sender auf die Frage nach seinem Lieblingspolitiker im Ausland, Merkel sei eine "wirklich großartige" Führungspolitikerin. Er beeilte sich aber hinzuzufügen: Wegen der "Geschichte mit der Einwanderung" sei er allerdings "sehr enttäuscht" (afp)

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