+
Bald ein Team: Donald Trump (r.) mit Mike Pence.

US-Präsidentschaftsbewerber

Trump macht Pence zum Vize-Kandidaten

  • schließen

Der Anti-Pence Trump setzt auf Pence, den Anti-Trump. Er braucht ihn, um die Ultrakonservativen unter den republikanischen Wählern zu gewinnen. Eine logische Entscheidung - auf den ersten Blick.

Er ist das totale Gegenteil von Donald Trump. Das fängt beim Bekanntheitsgrad an. Den Populisten Trump kennen inzwischen wahrscheinlich die meisten Menschen auf der Welt. Mike Pence aber dürfte außerhalb seines Bundesstaates Indiana und außerhalb des Washingtoner Politik-Betriebes kaum jemandem etwas sagen. Dennoch soll der 57 Jahre alte Gouverneur jetzt an der Seite Trumps in den Wahlkampf ziehen, um Vizepräsident der USA zu werden. Der Anti-Pence Trump setzt auf Pence, den Anti-Trump. Er braucht ihn, um die Ultrakonservativen unter den republikanischen Wählern zu gewinnen.

Auf den ersten Blick ist die Entscheidung aus Trumps Sicht logisch. Mike Pence ist ein Macher, er saß zwölf Jahre im Repräsentantenhaus in Washington, führt seit knapp vier Jahren Indiana. Trump, der sich gerade seiner Unerfahrenheit in der Politik rühmt, kann erfahrene Leute an seiner Seite brauchen. Ob er allerdings im Zweifel auf sie hört, ist eine andere Sache.

Pence vertritt die Ansichten jener ultrakonservativen Wählerinnen und Wähler, deren Stimmen Trump braucht, um Präsident zu werden. Der dreifache Vater hat dieses Jahr eines der schärfsten Anti-Abtreibungsgesetze der USA erlassen. Das hat ihm in Indiana viel Beifall gebracht. 2015 ließ Pence aufhorchen, weil er ein Gesetz zur freien Religionsausübung auflegte. Das sah vor, dass Gewerbetreibende homosexuelle Kunden aus religiösen Gründen abweisen dürfen.

Pences Kampf gegen Abtreibung und Homo-Ehe sind zwei Themen, an denen Trump bislang kein gesteigertes Interesse gezeigt hat. Er ließ sogar erkennen, dass er kein Problem mit dem einen wie den anderen hat. Die lockere Grundhaltung könnte allerdings dazu führen, dass evangelikale Christen im November eher nicht zur Wahl gehen und Trump entscheidende Stimmen fehlen.

Wenig attraktiv für Latinos und Afro-Amerikaner

Auf den ersten Blick scheint Pence also eine gute Wahl. Auf den zweiten Blick vielleicht weniger. Denn Pence ist ein mittelalter, weißer Mann. Und Trump ist auch ein weißer Mann, nur mit seinen 70 Jahren etwas älter als Pence. Das Duo könnte sich also im Wahlkampf als wenig attraktiv für Frauen, Latinos und Afro-Amerikaner erweisen.

Doch Trump hatte zuletzt offenbar wenig Auswahl. Neben Pence waren noch der Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, und der frühere Sprecher des Repräsentantenhauses, Newt Gingrich, im Gespräch für den Posten des „running mate“. Beide aber sind ebenfalls weiße Männer. Christie ist zudem ein Scharfmacher, dessen Zungenfertigkeit der Trumps in nichts nachsteht.

Trump hätte durchaus die Möglichkeit gehabt, sich für eine Frau mit Migrationshintergrund als Kandidatin für die Vizepräsidentschaft zu entscheiden. Und er hätte nicht einmal auf Sarah Palin zurückgreifen müssen, die dem Republikaner John McCain 2008 wegen ihrer schrillen Auftritte viele Sorgen bereitete. In der republikanischen Partei geben Gouverneurinnen wie Niki Haley, deren Eltern aus Indien stammen, oder Susana Martinez, die mexikanischer Abstammung ist, schon seit geraumer Zeit Signale, dass sie höher hinaus wollen. Doch Haley wie Martinez wurden derart von Trump vergrault, dass sie es offenbar vorziehen, weiter zu warten.

So gesehen ist Mike Pence nicht erste Wahl. Von sich selbst sagt der Mann mit dem weißen Kurzhaarschnitt: „Ich bin Christ, Konservativer und Republikaner, in dieser Reihenfolge.“ Für Trump mit seiner weltlichen Grundeinstellung dürfte vor allem Pences Bekenntnis zum Christentum wichtig gewesen sein. Dass Late-Night-Legende John Lettermann Mike Pence einmal gehässig als den Typen beschrieben hat, der zum Klassentreffen mit einem gemieteten Ferrari vorfährt, dürfte ihn nicht gestört haben. Sollte es nötig werden, könnte Trump seinem neuen Weggefährten sicherlich einen Ferrari kaufen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion