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Eichenfässer für Bourbon aus Louisville, Kentucky, werden verkohlt. Dank Trumps Protektionismus sind Alkoholexporte 2018 um zwölf Prozent gesunken.

Donald Trump

Donald Trump und sein Krieg mit dem Tweet

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US-Präsident Donald Trump droht, den Handelskonflikt mit China zu eskalieren – und er könnte dabei gewinnen.

Mit zwei Tweets hat US-Präsident Donald Trump die Aktienmärkte weltweit auf Talfahrt geschickt. Er droht, die Strafzölle gegen chinesische Einfuhren von Ende dieser Woche an zu verschärfen. Eine Eskalation des Handelskonflikts könnte auch Europa treffen. Trump will vom kommenden Freitag an die Zölle für Einfuhren aus China mit einem jährlichen Gesamtvolumen von 200 Milliarden Dollar von bislang zehn auf 25 Prozent erhöhen. Außerdem droht er – ohne Zeitangabe –, weitere China-Importe zu 325 Milliarden Dollar mit zusätzlichen Strafzöllen von ebenfalls 25 Prozent zu belegen.

Der überraschende Schritt wird von Trump nur mit Andeutungen begründet: Die Verhandlungen über ein Handelsabkommen mit China liefen zwar, aber zu langsam. Und er fügt hinzu, dass es keinerlei Nachverhandlungen geben werde. US-Medien berichten, bei den Gesprächen der beiden Delegationen vorige Woche seien zuletzt von den Chinesen wieder Punkte infrage gestellt worden, über die es zuvor bereits Einigkeit gegeben habe. Dabei soll es vor allem um das Thema Techniktransfer gehen.

Die Verhandlungen sind so kompliziert, weil die US-Regierung die Eckpfeiler der chinesischen Wirtschaftspolitik angeht, die nach wie vor stark von der kommunistischen Partei geprägt wird. Dazu zählt, dass ausländische Unternehmen, die in China Geschäfte machen wollen, zu Kooperationen mit heimischen Unternehmen gezwungen werden – dies bringt zwangsläufig den Transfer von Know-how mit sich.

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Ein weiterer damit eng verknüpfter Faktor ist der Vorwurf des Diebstahls von geistigem Eigentum. Hinzu kommt Verärgerung über die starke staatliche Unterstützung für chinesische Firmen. Erfolge aus chinesischer Sicht sind indes offensichtlich: So ist der Smartphone-Hersteller und Netzwerkausrüster Huawei zum weltweit führenden Anbieter für Mobilfunktechnik aufgestiegen und verzeichnete beim Absatz von Mobiltelefonen im vergangenen Jahr die mit Abstand größten Zuwächse.

Viele Experten halten Trumps Vorwürfe für zumindest teilweise berechtigt. Beim Thema Kooperationszwang verlangt auch die EU eine Lockerung der Regelungen. Erheblich komplexer ist die Frage nach dem geistigen Eigentum, vor allem wenn es um Hightech geht. Im Mobilfunk beispielsweise ist der Nachweis von Wissensdiebstahl oft enorm schwer, weil Unternehmen unabhängig voneinander ganz ähnliche Technik und Algorithmen entwickelt haben – auch zahlreiche US-Firmen haben sich in der Vergangenheit schon gegenseitig mit Patentklagen bekriegt. Chinas staatliche Hilfe für die Wirtschaft ist unbestritten, allerdings gibt es Subventionen auch für US-Konzerne und europäische Unternehmen – das alles zeigt, wie schwierig ein Kompromiss werden dürfte.

Trump will nun durch seine Drohungen die Verhandlungen offenbar beschleunigen und China zum Einlenken bringen. Eigentlich sollte eine Einigung Ende der Woche bekanntgegeben werden. Für abschließende Gespräche wollte Chinas Vize-Premier Liu He am Mittwoch in Washington eintreffen. Er will nun später kommen und seinen Aufenthalt auch kürzer halten.

Indes ist ein Scheitern der Verhandlungen nach Einschätzung von Beobachtern nicht auszuschließen. China könnte dann die neuen Strafzölle nicht auf sich beruhen lassen. Die Regierung müsse reagieren, sagte der chinesische Ex-Diplomat Zhou Xiaoming dem Finanzdienst Bloomberg. Es dürfte darauf hinauslaufen, dass China die Strafzölle auf US-Importe ebenfalls erhöht – derzeit beziehen die sich auf Importe im Wert von rund 110 Milliarden Dollar pro Jahr.

Dass Trump die Eskalation wagt, hat einen einfachen Grund: Er sieht die USA am längeren Hebel. China ist viel stärker auf Exporte in die USA angewiesen als die USA auf Ausfuhren in die Volksrepublik. Hinzu kommt, dass die US-Wirtschaft nach wie vor sehr robust ist – das zeigen unter anderem die jüngsten, unerwartet günstigen Arbeitsmarktzahlen. Hingegen wird nach Berechnungen von Bloomberg das chinesische Wachstum fast ein Prozent einbüßen, sollte Trump die 25- Prozent-Drohung wahrmachen.

Ein härterer Handelskampf könnte auch schnell die europäischen Exporte nach China drücken. Darunter würden zuallererst die Autobauer leiden. Deshalb gaben am Montag die Aktien von Volkswagen, BMW, Daimler und Continental an den Börsen nach. Aber auch Maschinenbauer und Chemiefirmen würden leiden. Der Internationale Währungsfonds warnt sogar vor einer Abkühlung der globalen Konjunktur durch Handelskriege .

Schließlich drohen weitere US-Attacken: Trump muss in den nächsten Tagen über Strafzölle von 25 Prozent für Autos und Autoteile aus der EU entscheiden. Das würde Volkswagen und Co. zusätzlich treffen. Besonders für die Oberklassemarken Audi, Porsche, BMW und Mercedes sind die USA ein wichtiger Markt. Außerdem müsste die EU mit einem Gegenschlag reagieren, was dem Welthandel ebenfalls nicht gerade zuträglich wäre.

Die Reaktionen an den Finanzmärkten fielen am Montag heftig aus. Bei Aktien war bis zum Nachmittag eine eindeutige Richtung zu erkennen: steil nach unten. Anleger suchten sichere Häfen. Deshalb stiegen die Kurse von Staatsanleihen und Gold. Die Preise für Rohöl sanken als Vorwegnahme der womöglich fallenden Nachfrage.

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