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Trump und Kim an der demilitarisierten Grenzlinie zwischen Nord- und Südkorea.

Nordkorea

Trump überschreitet die Grenze

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US-Präsident Donald Trump würdigt Nordkoreas Diktator Kim mit einem Kurzbesuch.

Die Szene dauerte nur eine Minute. „Es ist schön, Sie wiederzusehen“, sagte der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un: „Ich hätte Sie hier niemals erwartet.“ Freundlich schüttelte Donald Trump seine Hand. Dann betrat er am Sonntag vom südkoreanischen Grenzort Panmunjom aus als erster US-Präsident im Amt nordkoreanischen Boden. Zwanzig Schritte legte er an der Seite des Diktators zurück, bevor er sich umdrehte und in die Kameras schaute. „Das ist historisch. Das ist ein großer Tag für die Welt.“

Es war vor allem ein perfekter Moment für den früheren Reality-TV-Star Trump. Mit einer Twitternachricht hatte er die Begegnung angeblich erst am Vortag initiiert. Er sei auf dem Weg nach Südkorea, schrieb er: „Falls Chairman Kim das liest – ich würde ihn an der Grenze treffen, nur zum Händeschütteln und um Hallo zu sagen.“ Das Zusammentreffen, bei dem die beiden Politiker die Wiederaufnahme ihrer Gespräche über ein Atomabkommen vereinbarten, wurde live in die ganze Welt übertragen.

Die Verbrüderung mit dem Alleinherrscher Kim Jong Un, den der US-Präsident nach eigenen Worten „vom ersten Tag an mochte“, steht in scharfem Kontrast zu seinen aggressiven Drohungen an die Führung des Iran, der er vor wenigen Tagen mit „großer und überwältigender Härte“ bis hin zur Auslöschung drohte. Während Nordkorea nachweislich Atomraketen besitzt, hatte sich der Iran 2015 verpflichtet, im Gegenzug für eine wirtschaftliche Zusammenarbeit auf die weitere Entwicklung atomarer Waffen zu verzichten. Das Abkommen hat Trump vor einem Jahr gekündigt. Nun will Teheran den vereinbarten Grenzwert für die Urananreicherung überschreiten. Trump erhöht den Druck durch Sanktionen und lässt europäische Firmen warnen: „Sie können nicht mit den USA und dem Iran Geschäfte machen.“

Der Druck wirkt nicht

Der scheinbar widersprüchliche Ansatz kennzeichnet Trumps Außenpolitik, die von Narzissmus und Geschäftssinn getrieben wird. Auch Kim Jong Un hatte er vor zwei Jahren mit „Feuer und Zorn“ gedroht und ihn als verrückten „Raketenmann“ beschimpft. Die Wende kam, als der Nordkoreaner zu Verhandlungen bereit war und Trump zu umschmeicheln begann. „Er hat mir eine wunderbare Geburtstagskarte geschickt“, schwärmte der US-Präsident vor wenigen Tagen. Der iranische Religionsführer Ajatollah Ali Chamenei hingegen hat den US-Präsidenten als „geistig zurückgeblieben“ verspottet.

Lesen Sie dazu auch den Leitartikel: Trumps Grenzen

Im Grunde folgt Trumps Verhalten gegenüber beiden Ländern demselben Drehbuch: Der Präsident will mit maximalem Druck Zugeständnisse erpressen, um sich dann als großer „Dealmaker“ feiern zu können. Trotz der Schmeicheleien ist die Rechnung in Nordkorea bislang nicht aufgegangen. Zwar hat das Land auf Raketentests verzichtet. Die angebliche Sprengung seines Atomtestgeländes ist jedoch nicht nachprüfbar. Der US-Auslandgeheimdienst CIA ist nach Medienberichten überzeugt, dass der Diktator heimlich weiter an der Entwicklung von Waffensystemen arbeite. Vor vier Monaten war ein zweiter Gipfel zwischen Kim und Trump in Hanoi gescheitert. Die jetzige Begegnung pries Trump zwar in höchsten Tönen, doch ist unklar, ob den Fernsehbildern dieses Mal konkrete Taten folgen.

Trump dürfte vorerst mit dem Foto von Panmunjom zufrieden sein. Im Verhältnis zum Iran hingegen wirkt er konzeptlos, nachdem seine Taktik des maximalen Drucks die Mullahs nicht beeindruckt. So pendelt er seit Tagen zwischen Drohungen und Lockrufen. Beim G20-Gipfel in Osaka wurde dieser Widerspruch deutlich. Demonstrativ schob er den saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, den die US-Geheimdienste für die bestialische Ermordung eines Journalisten verantwortlich machen, ins Zentrum des Geschehens und lobte ihn als einen „Mann, der in den letzten fünf Jahren wirklich etwas getan hat“. Das dürfte nicht nur Bürgerrechtlern übel aufstoßen, sondern auch dem Iran, dessen Erzfeind Saudi-Arabien ist. Ausdrücklich beriet sich Trump nach Angaben des Weißen Hauses mit dem Kronprinzen über die „wachsende Bedrohung durch den Iran“.

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