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Trump-Helfer macht die Drecksarbeit der AfD

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Von: Thomas Spang

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Online macht das für die AfD noch mehr her: Beatrix von Storch auf Wahlkampftour in Bayern.
Online macht das für die AfD noch mehr her: Beatrix von Storch auf Wahlkampftour in Bayern. © dpa

In den USA machte der Fundamentalist Vincent Harris mit Hetz-Filmchen Stimmung für Donald Trump. Jetzt steuert er mit ähnlichen Mitteln die Online-Kampagne der AfD.

Vincent Harris liebt Deutschland. Echt. Trotz „America First“ stehen die „Krauts“ ganz oben in der Beliebtheitsskala des 29-jährigen BMW-Fahrers aus Austin, Texas. Dort betreibt der bibeltreue Trump-Mann den Politik-Beratungsshop „Harris Media“, in dem an Steve Bannons Traum einer rechten Internationalen gebastelt wird.

Harris liebt auch die Israelis – solange sie Benjamin Netanjahus Likud angehören. Die Briten auch – sofern sie Rechtspopulisten unter der Fahne der europafeindlichen Ukip sind. Die beiden Parteien haben den provokanten Internet-Guru in der Vergangenheit schon angeheuert.

In Berlin darf er nun einen guten Teil des drei Millionen Euro starken Budgets für die Online-Aktivitäten der AfD zur Bundestagswahl ausgeben. Dafür treten jeden Morgen drei seiner Leute in der Parteizentrale an der Schillerstraße in Berlin an, wo sie unter anderem die von Skandalautor Thor Kunkel entworfenen „Bikini statt Burka“-Poster in eine breitere Onlinekampagne für die Schlussphase des Wahlkampfs integrieren. Die Plakatserie Kunkels spielt ganz offen mit völkischem Gedankengut, hetzt gegen Muslime und propagiert ein Mutter- und Frauenbild aus den 30er Jahren.

Ted Cruz zum Durchbruch verholfen

Wie es mit dem Slogan „Deutschland den Deutschen“ wäre, erkundigte sich einer der Wahlhelfer aus dem Harris-Shop. Die AfD winkte ab. In Deutschland geht bisher nicht, was in der verrohten politischen Landschaft von Donald Trumps Amerika ohne weiteres möglich ist.

Kürzlich tauchte Vincent Harris persönlich in Berlin auf, um sich über den Fortgang des AfD-Projekts zu informieren. Wes Geistes Kind der an der fundamentalistischen „Baylor“-Universität in Waco, Texas, ausgebildete Agitator ist, demonstrieren seine Hetz-Filmchen, die er mit der Pro-Trump-Organisation „Secure America Now“ auf dem Höhepunkt des US-Wahlkampfs ins Netz stellte.

In dem Streifen mit dem Titel „Willkommen in der islamischen Republik Deutschland“ verbreitet Harris die absurde Idee eines Landes, in dem als Flüchtlinge gekommene Anhänger des „Islamischen Staats“ den Kölner Dom zur Moschee umwandeln und auf dem Oktoberfest Bier und Schweinefleisch verbieten.

Irrsinn dieser Art gehört schon lange zum Repertoire der US-Rechten, hat aber in Deutschland noch einen gewissen Neuigkeitswert. Dass diese Machwerke von dem Mann stammen, der – wie bloomberg.com in einem Porträt Harris’ schreibt – „den Republikanern das Internet beigebracht hat“, verheißt nichts Gutes.

Zu Recht galt Harris lange Zeit als Außenseiter, um den traditionelle Republikaner einen großen Bogen machten. Bis der rechte Rebell 2012 dem nicht minder obskuren Ted Cruz bei den Senatswahlen in Texas zum Durchbruch verhalf.

Die digitale Kampagne für den bis dahin völlig unbekannten Rechtsaußen Cruz sorgte für so viel Aufsehen, dass konventionelle Konservative bei dem Jungspund plötzlich Schlange standen. „Harris Media“ wuchs zu einer beachtlichen Politberatung an, deren Dienste zuletzt sogar der Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell, in Anspruch genommen hat.

Was Harris in Trumps Stall getrieben hat, ist sein instinktives Verständnis der sozialen Medien. Seine Strategie für eine von kollektiver Aufmerksamkeitsstörung geprägte Zeit besteht darin, um jeden Preis aufzufallen; mögen seine Aussagen noch so absurd sein.

Das Rüstzeug dazu hat er schon als Teenager gelernt, als er in seiner Heimat im Norden Virginias als Freiwilliger für den Republikaner Tom Davis arbeitete. Mit 15 gründete er auch seinen ersten Blog tooconservative.com („zu konservativ).

Stolz erzählt der christliche Fundamentalist heute, wie ihn Kommilitonen „Pastor“ nannten und dann überrascht waren, „mich auf einer Party einer Studentenverbindung zu treffen“ (auf denen sehr viel getrunken und oft über die Stränge geschlagen wird, Anm. d. Red.). „Sie können Personen nicht in Schachteln stecken“, versucht er sich in dem Bloomberg-Porträt als modern und rechts interessant zu machen.

Kritiker dagegen meinen, an Harris sei wenig dran. Er verkörpere bloß die Bigotterie, die heute bei den Republikanern nicht mehr ungewöhnlich sei und jemanden wie Trump überhaupt erst möglich machte.

Laut „Spiegel“ stellte AfD-Propagandist Kunkel den Kontakt zu den rechten Gesinnungsfreunden in Amerika her. Die Ergebnisse können sich sehen lassen: Mit Hilfe von Harris nahmen die Klicks im Internet deutlich zu. Und Dank seiner Kontakte ins Silicon Valley kann die AfD nun ihre Werbung direkt via Google und Facebook platzieren – vorbei an den Bedenken der deutschen Niederlassungen.

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