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Ein Soldat in Seoul passiert einen TV-Bildschirm, auf dem die Entfernung Nordkoreas zum US-Stützpunkt Guam im Pazifik erläutert wird.
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Ein Soldat in Seoul passiert einen TV-Bildschirm, auf dem die Entfernung Nordkoreas zum US-Stützpunkt Guam im Pazifik erläutert wird.

USA und Nordkorea

Trump droht vor dem Golfen mal eben mit Atomkrieg

  • Karl Doemens
    vonKarl Doemens
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Donald Trumps massive Drohungen gegen Nordkorea ernten in den USA scharfe Kritik. Außenminister Tillerson versucht es mit moderateren Tönen.

Die Szenerie wirkte ebenso beklemmend wie surreal. Draußen vor dem Fenster des noblen Clubhauses auf dem Trump-Golfplatz im friedlichen Örtchen Bedminster flitzten die Gäste mit Golfcarts über den grünen Rasen. Drinnen im gediegen dunkelgrauen Konferenzraum saß Donald Trump vor einer amerikanischen Fahne neben einer hölzernen Tafel mit den Namen der Sieger des letzten Turniers und sprach über den Dritten Weltkrieg. 

„Nordkorea sollte besser den USA nicht weiter drohen“, hob der US-Präsident auf die Frage eines Journalisten an: „Sonst werden sie Feuer und Wut erfahren, wie es die Welt noch nicht erlebt hat.“ 

Trump sprach ruhig. Er hatte die Arme vor dem Bauch verschränkt. Zuvor, bei seinen Ausführungen über die Opium-Krise in den Vereinigten Staaten, hatte er sich nach vorne gebeugt und viel vom Blatt abgelesen.

Jetzt sprach er frei und lehnte sich zurück. Die Körpersprache kontrastierte merkwürdig mit der dramatischen Rhetorik: „Wie ich gesagt habe: Sie werden Feuer, Wut und Macht erfahren, wie es die Welt noch nicht erlebt hat“, wiederholte Trump noch einmal. 

Keine halbe Minute dauerte die verbale Detonation. Und sofort brach unter den professionellen Beobachtern ein großes Rätselraten aus, was diese radikal undiplomatische Warnung zu bedeuten habe. „Feuer und Wut“ klingt nach einer alttestamentarischen Beschreibung des Weltuntergangs.

Trumps Zusatz, dass die Welt so etwas noch nie erlebt habe, lässt sich als Drohung mit einem Nuklearschlag verstehen. Erst einmal, im Jahr 1945, hatte sich ein US-Präsident ähnlich geäußert, als Harry Truman die Kapitulation der Japaner forderte und ansonsten mit „einem Regen der Zerstörung aus der Luft, wie ihn die Erde noch nicht gesehen hat“ drohte. Das war nach dem Atombombenabwurf auf Hiroshima.

War Trump die Analogie bewusst? Hat er seine apokalyptischen Worte bewusst gewählt? Plant er möglicherweise gar einen Erstschlag in dem hochbrisanten Konflikt um das nordkoreanische Raketenprogramm?

Oder hat er sich in dem Versuch, den Widersacher Kim Jong Un einzuschüchtern, von seinen Emotionen wegtragen lassen? Auch in den abendlichen Polit-Talkrunden der amerikanischen Nachrichtensender überschlugen sich die unterschiedlichsten Interpretationen. Niemand hatte eine sichere Antwort. 

Da half auch das Statement des US-Verteidigungsministers vom Mittwoch nicht weiter. „Die Demokratische Volksrepublik Korea muss aufhören, sich selbst zu isolieren, und ihren Drang hin zu Atomwaffen aufgeben“, heißt es in einem Statement von James Mattis.

Und weiter geht es mit einer kaum verhohlenen Drohung: „Die Demokratische Volksrepublik sollte jeden Gedanken an Handlungen aufgeben, die zum Ende ihres Regimes und zur Zerstörung ihres Volkes führen würden“.

Klar ist nur, dass sich die Spannungen zwischen Washington und Pjöngjang nach dem erfolgreichen Test einer nordkoreanischen Langstreckenrakete Ende Juli täglich verstärken.

Am Samstag hatte der UN-Sicherheitsrat einstimmig schärfere Sanktionen gegen das kommunistische Regime beschlossen. Unter anderem sind Exportverbote für Kohle, Eisen und Fisch vorgesehen. Dass auch Russland und China zustimmten, wertete Präsident Trump als großen persönlichen Erfolg.

Doch am Dienstagmorgen schreckte die „Washington Post“ die Amerikaner mit der Nachricht auf, dass es den Nordkoreanern nach Informationen von US-Geheimdiensten gelungen sei, einen verkleinerten atomaren Sprengkopf herzustellen, der sich auf eine Rakete montieren lasse.

Ob die Meldung stimmt, ist kaum zu überprüfen. Doch die Horrorvorstellung eines von einem unberechenbaren Diktator ausgeführten Atomschlags mit Tausenden amerikanischen Toten schien plötzlich real. 

Rhetorik wie Kim Jong Un 

So war die Lage, als Trump in seinem Golfclub in New Jersey seine bombastische Warnung aussprach. Bewusst oder unbewusst nahm er damit die Rhetorik des Erzfeindes Kim Jong Un auf. Das Regime in Pjöngjang hatte wiederholt gedroht, die USA würden im Falle eines Erstschlags ein einem „Meer von Feuer“ versinken. 

Trotzdem stieß Trumps rhetorische Nachrüstung in den USA auf starke Kritik. „Gegenüber Nordkorea müssen wir hart und mit Bedacht vorgehen“, sagte der demokratische Senator Chuck Schumer: „Unbesonnene Rhetorik ist keine gute Strategie, um die Sicherheit Amerikas zu gewährleisten.“ Bemerkenswerter noch ist, dass sich der Vietnam-Kriegsheld John McCain, ansonsten ein republikanischer Hardliner, von Trumps Wortwahl distanzierte. „Man sollte das, was man androht, auch tun können“, kritisierte der Senator. Die Äußerung sei typisch für Trump, der zu Übertreibungen neige: „Das bringt uns nur näher an eine ernste Konfrontation“, warnte er. 

Auf der anderen Seite der Erdkugel schlug US-Außenminister Rex Tillerson, der sich auf dem Heimflug von einer Asien-Reise befand, am Mittwoch denn auch deutlich moderatere Töne an. Der Diplomat hatte in den vergangenen Tagen erklärt, dass sich Nordkorea durch die USA nicht bedroht fühlen müsse. Er sehe auch „keine unmittelbare Bedrohung“ aus Pjöngjang, sagte er nun im Anflug für einen Tankstopp auf jener Pazifikinsel Guam, die Kim im Falle eines US-Angriffs bombardieren will: „Ich denke, die Amerikaner können ruhig schlafen.“

Zu dieser Zeit aber ging in Washington gerade erst die Sonne auf. Und Donald Trump griff wie üblich zum Handy. Er habe die Nuklearwaffen der USA modernisieren lassen, behauptete er, obwohl das in einem halben Jahr unmöglich ist. Doch dann setzte er hinzu: „Hoffentlich müssen wir diese Kraft niemals einsetzen“. Das klang wie der Versuch einer verbalen Abrüstung. Doch der Tag in den USA war noch lange nicht vorbei.

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