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In einem Restaurant in Des Moines / Iowa wird die Debatte der republikanischen Präsidentschaftskandidaten geschaut.

US-Vorwahlen

Trump und Cruz liegen vorn

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Am Montag geht es in Iowa los, die Bewerber von Republikanern und Demokraten kämpfen in den kommenden Monaten um den Platz auf der Kandidatenliste. Bei den Republikanern führen zwei Populisten das Feld an.

Der Wahlkampf bei den US-Republikanern begann so, wie alle republikanischen Wahlkämpfe in den vergangenen Jahrzehnten begonnen hatten. Im Kandidatenfeld fanden sich einige schrille Bewerber, die nach einigen Monaten wieder in der Versenkung verschwinden würden. Doch was in der Vergangenheit eine Regel war, gilt heute nicht mehr. In diesem Jahr, in dem es bei der Wahl im November um die Nachfolge des ersten schwarzen Präsidenten in der Geschichte der USA geht, ist alles anders. Radikal anders.

Vor Beginn der Vorwahl-Serie in den einzelnen Bundesstaaten führen in den Umfragen ausgerechnet zwei Populisten das Feld an: Donald Trump, ein selbstverliebter Immobilienmilliardär mit radikalen Ideen, der noch nie ein politisches Amt bekleidet hat, und Ted Cruz, ein Jurist, der mit beinharter Anti-Washington-Rhetorik auf Stimmenfang geht.

Zusammen mit dem pensionierten Neuro-Chirurgen Ben Carson, auch er ohne jede Erfahrung in der Politik, können sie nach derzeitigem Umfragestand auf mehr als 50 Prozent der republikanischen Wähler vertrauen. Traditionelle Kandidaten wie der Präsidentenbruder Jeb Bush liegen so weit hinten, dass sie kaum noch zu sehen sind. Verkehrte Welt bei den US-Republikanern.

Das Phänomen lässt sich mit einem Satz beschreiben: Die Amerikaner leiden – mehr als je zuvor in ihrer Geschichte – an Politikverdrossenheit. Vor allem in republikanischen Wählerschichten ist der Ärger über die Politik in der Hauptstadt Washington über die vergangenen sieben Jahre gewachsen und der von vielen Konservativen gepflegte Hass auf Präsident Barack Obama ebenso. Die Ursachen dafür liegen in der Wirtschaftskrise, die zum Ende der Amtszeit von Obama-Vorgänger George W. Bush ausbrach. Zwar konnte Obama durch massiven Einsatz staatlicher Gelder das Schlimmste abwenden, aber vor allem die weiße Mittelschicht in den USA ist dünner geworden und offenbar deswegen auch anfälliger für radikale Ideen.

Ted Cruz etwa, der für den Bundesstaat Texas im US-Senat sitzt, hat seinen Aufstieg der radikal-populistischen Tea-Party-Bewegung zu verdanken. Sie entstand zu Beginn von Obamas Amtszeit in den Jahren 2009 und 2010 und betreibt eine Politikmischung aus parlamentarischer und außerparlamentarischer Fundamentalopposition.

Cruz, aber noch mehr der derzeitige Umfragekönig Donald Trump, machen sich diese Entwicklung schamlos zunutze, wie Kritiker sagen. Sie setzen auf Show statt Politik, auf Emotionen statt Inhalte, auf schrilles Geläut statt nüchterne Analyse. So werden inzwischen auch nachweislich falsche Darstellungen ernsthaft debattiert. Trump etwa erklärte, nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 hätten Tausende von Muslimen in den USA öffentlich gefeiert. Das ist nicht belegbar, aber beschäftigte dennoch wochenlang die Öffentlichkeit. Cruz etwa behauptete, in Australien sei die Zahl der Vergewaltigungen angestiegen, nachdem die Regierung strenge Waffengesetze erlassen habe. Auch dafür gibt es keinen Beweis, aber es brachte den Senator aus Texas immerhin für einige Zeit in die Schlagzeilen.

Ähnlich ist es mit Vorschlägen wie dem Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko, einem vorläufigen Einreiseverbot für alle Muslime, Flächenbombardements auf Landstriche, die von dem sogenannten „Islamischen Staat“ beherrscht werden, und, und, und… Nichts scheint abwegig genug, um nicht behauptet werden zu können.

Mit dieser Methode haben es Donald Trump und Ted Cruz geschafft, in den Umfragen beständig nach oben zu klettern. Kurz vor der ersten republikanischen Vorwahl im Agrarstaat Iowa, die am Montagabend stattfindet, gilt Trump als der Favorit, dicht gefolgt von Cruz. Sollte Trump in Iowa gewinnen, wäre damit zwar nicht gesagt, dass er im Juli auf dem Nominierungsparteitag der Republikaner auch zum offiziellen Präsidentschaftskandidaten gekürt wird.

Doch von Iowa geht traditionell ein wichtiges Signal aus. Kandidaten müssen dort nicht deutlich gewinnen. Wenn sie allerdings klar verlieren, dann sind sie in der Regel schnell aus dem Bewerberfeld verschwunden. Sollte das auch in diesem Jahr gelten, haben Trump und Cruz noch viele Chancen. Die republikanische Parteiführung jedenfalls scheint sich bereits mit der Aussicht abgefunden zu haben, einen außergewöhnlich populistischen Bewerber im November ins Rennen gegen die Demokraten zu schicken.

Allerdings ist noch nicht ausgeschlossen, dass ein eher traditioneller Republikaner am Ende der Vorwahlen der Kandidat der Grand Old Party wird. Das wäre nach jetzigem Stand Marco Rubio, ein junger Senator aus Florida. Rubio steht in den Iowa-Umfragen auf dem dritten Platz. Das war in der Vergangenheit, sagen Experten, ein guter Ausgangspunkt, um in späteren Vorwahlen zu siegen. Aber in diesem Jahr könnte auch das anders sein – siehe oben.

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