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US-Präsident Donald Trump auf Truppenbesuch im Irak. War das jetzt richtig oder falsch?

Donald Trump im Amt

Was Trump alles richtig gemacht hat

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Fast zwei Jahre ist Donald Trump nun US-Präsident. Zeit für einen Kommentar, der auf andere Art zurückblickt. Denn es war ja nicht alles schlecht. Oder doch?

Seit Donald Trump im Weißen Haus wohnt, sprechen wir über seine Wutanfälle auf Twitter, seinen Hass auf Mexikaner und seine zahlreichen Bettgeschichten. Doch ist das alles, was seine Amtszeit bislang bestimmte? Nein, natürlich nicht. Er hat auch gelogen, laut Washington Post über 6.000 Mal. Und eventuell hat er sogar das Gesetz gebrochen, sich selbst bereichert und mit Russland kollaboriert. Außerdem die USA international isoliert und zum Jahreswechsel lahmgelegt.

Doch dieser Rückblick hat ein anderes Thema. Hier geht es um die Dinge, die Trump als 45. Präsident der USA richtig gemacht hat. Gelacht und geschimpft haben wir alle oft und viel über den orangefarbenen Toupetträger (mutmaßlich!) und wir werden noch unzählige weitere Male spotten und verzweifeln.

Doch jetzt ist „zwischen den Jahren“, die kurze Nicht-Ära der Gegenteilzeit. Die perfekte Gelegenheit für einen wohlwollenden Blick auf Trump. Die nächste kommt wohl erst, wenn sein Nachruf verfasst werden muss und wir alle auf einmal voller Güte feststellen, dass es gar nicht so schlimm war mit diesem Egomanen, weil alles was danach kam, noch viel schlimmer war. Also los.

Donald Trump unterstützt die Strafrechtsreform

Unstrittig positiv ist Donald Trumps Unterstützung der Strafrechtsreform in den USA. Die überparteiliche Initiative soll die Haftbedingungen der Insassen verbessern, die Chancen auf Resozialisierung erhöhen und Richtern einen größeren Ermessensspielraum bei Urteilen über Kleinkriminelle ermöglichen. Bislang haben vor allem Wiederholungstäter, denen meistens Drogenvergehen vorgeworfen wurden, lange Haftstrafen erhalten. Ihnen soll ermöglicht werden, Anträge auf Strafminderung zu stellen.

Die Reform wird von beiden Parteien getragen und es gibt selbst unter den republikanischen Hardlinern kaum Gegner. Man mag Trumps Unterstützung deshalb für selbstverständlich halten, aber was ist schon selbstverständlich. Trump hat hier eindeutig das Richtige getan.

Donald Trump und Kim Jong Un starten einen Dialog

Die Männerliebe zwischen Donald Trump und Kim Jong Un hat einen Dialog zwischen dem Westen und Nordkorea in Gang gebracht. Das ist grundsätzlich gut. Jahrzehntelang war Nordkorea, dieser letzte totalitäre Staat der Welt, nahezu vollständig isoliert vom Rest der Welt. Niemand wusste so wirklich, was dort passiert, und wenn man ehrlich ist, es hat auch niemanden so richtig interessiert. Dann kam Donald, traf sich mit Kim und die ganze Welt blickte auf den kleinen Staat mit Atomraketen.

Derzeit befinden sich Süd- und Nordkorea auf einem Kurs der Annäherung, eine Zugverbindung ist in Planung, man will sich gemeinsam um die Austragung der Olympischen Spiele bewerben. Frieden scheint näher als jemals zuvor. Niemand kann seriös einschätzen, welchen Einfluss Trumps Korea-Politik bei diesen Entwicklungen spielte, ihr aber jeglichen Einfluss abzusprechen, wäre ignorant. Trump hat also, zumindest für den Moment, irgendetwas richtig gemacht auf der koreanischen Halbinsel.

Trump will Truppen aus Syrien abziehen

Unlängst gab Trump den amerikanischen Truppenabzug aus Syrien bekannt. Kaum jemand, der das nicht für einen großen Fehler hält. Sein eigener Verteidigungsminister, James Mattis, reichte wohl auch wegen dieser Entscheidung seinen Rücktritt ein.

Die Auswirkungen des Truppenabzugs sind längst nicht bekannt, und keinen dürfte es wundern, wenn die Region dadurch noch instabiler wird und noch mehr Menschen um ihr Leben fürchten müssen. Aber es entsteht ein Logik-Problem, wenn sowohl die Entsendung von Soldaten durch Barack Obama wie auch deren Abzug durch Trump als falsch eingeordnet werden. Genau das aber passiert in den Einschätzungen hiesiger linksliberaler Kommentatorinnen und Kommentatoren.

Dabei sollte gerade unter ihnen der Konsens herrschen, dass weniger Soldaten im Einsatz grundsätzlich eine positive Entwicklung sind. Weniger Gewehre bedeuten weniger Schüsse. Das mag fahrlässig vereinfachend sein, aber alles darüber hinaus ist auch nicht mehr als Spekulation. Etliche amerikanische Familien dürfte Trump auf alle Fälle glücklich gemacht haben, als er ihnen mitteilte, dass ihre Töchter und Söhne bald nicht mehr in einem Kriegsgebiet ihr Leben riskieren, sondern stattdessen zuhause sein werden.

Druck auf die Nato-Partner

Es mag den europäischen Bündnispartnern sauer aufstoßen, aber wenn Donald Trump anmahnt, dass ebenjene Partner ihren finanziellen Verpflichtungen im Bündnis nicht nachkommen, dann spricht er die Wahrheit aus. Wenn er kritisiert, dass Deutschland, Frankreich und Co. nicht die vertraglich vereinbarten Zahlungen von 2 % ihres Bruttoinlandsprodukt leisten, dann stimmt das, genauso wie die Tatsache, dass die Amerikaner mit über 70 Prozent den Großteil der Ausgaben alleine schultern. Man mag es mit dem Verteidigungsbündnis halten, wie man will, als Sprecher amerikanischer Interessen ist es Trumps Aufgabe, diese auch zu vertreten. Und das beinhaltet, die anderen Staaten an ihre Verpflichtungen zu erinnern.

Nikki Haley und James Mattis

Trump hat Nikki Haley zur UN-Botschafterin und James Mattis zum Verteidigungsminister gemacht. Beide genießen hohes internationales Ansehen und sie werden ganz sicher als verlässliche Gesprächspartner… äh, ach, vergessen wir das.

Trump hat den Journalismus gestärkt

Zugegeben, jetzt begeben wir uns auf die Meta-Ebene. Donald Trump hat mit seinen ständigen Anfeindungen gegen die Medien diesen zu neuem Selbstwertgefühl verholfen. Der schleichende Verfall des investigativen Journalismus ist zumindest verlangsamt. Man zeigt wieder Haltung, bei der New York Times und der Washington Post sowieso, aber auch anderswo. Man hat auch allen Grund dazu. Ob sich das in den Verkaufszahlen wiederspiegelt, sei dahingestellt. Aber der Druck von oben hat amerikanischen Medienhäusern dabei geholfen, sich ihrer eigenen Identität bewusst zu werden und Journalisten die Bedeutung der eigenen Arbeit deutlich gemacht. Das war wohl kaum Trumps Absicht, aber was soll's, in diesen Zeiten darf man nicht allzu wählerisch sein.

Das reicht sicher nicht für ein zünftiges „Es war doch nicht alles schlecht“. Noch nicht mal in der Nicht-Zeit zwischen den Jahren. Trump bleibt die Katastrophe, die er ist. Und 2019 geht der ganz normale Wahnsinn sowieso von vorne los.

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