Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Kanzlerkandidat Olaf Scholz (SPD,), Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen) und Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) diskutieren im Fernsehstudio. Foto: WDR/dpa.
+
Kanzlerkandidat Olaf Scholz (SPD,), Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen) und Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) diskutieren im Fernsehstudio.

TV-Debatte

Triell zwischen Baerbock, Laschet und Scholz: Live-Befragung überrascht

Fast elf Millionen Menschen verfolgen die Fernsehdebatte zwei Wochen vor der Bundestagswahl. Eine detaillierte Umfrage der Uni Freiburg sieht ein enges Rennen.

Die heiße Phase des Wahlkampfs zur Bundestagswahl 2021 hat mit dem sogenannten Triell von ARD und ZDF ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Mehr als 12 200 Zuschauerinnen und Zuschauer beteiligten sich parallel zur TV-Debatte der Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock (Grüne) mit den Kandidaten Olaf Scholz (SPD) und Armin Laschet (CDU) am Umfrageprojekt „Debat-O-Meter“ der Uni Freiburg. Dessen Ergebnisse liegen der Frankfurter Rundschau vor.

Bei der Umfrage bewerteten die Teilnehmenden über das Internet die Debatte am Sonntagabend in Echtzeit mit plus (+ und ++) und minus (- und --). Zusätzlich wurden Vor- und Nachbefragungen erhoben. Insgesamt gab das TV-Publikum rund 642 000 Bewertungen ab.

Auf die Frage: „Alles in allem, wer hat Ihrer Meinung nach in der Diskussion am besten abgeschnitten?“ gab es keine eindeutige Antwort von Seiten der Nutzerinnen und Nutzer. So sahen 32,2 Prozent der Teilnehmer Olaf Scholz als Sieger, Annalena Baerbock 32,0 Prozent und 27,6 Prozent Armin Laschet. Ein Unentschieden sahen 8,3 Prozent der Befragten.

Zweites Triell im TV mit Laschet und Scholz: Baerbock erhält Zustimmung für Renten-Aussage

Vor der Debatte wurden die Teilnehmenden gefragt: „Wer, glauben Sie, wird in der Diskussion am besten abschneiden?“ Hier lag Olaf Scholz noch deutlich mit 41,2 Prozent vorne. Insgesamt hat er damit bei einer Betrachtung der Vor- und Nachbefragung verloren.

Die Echtzeit-Bewertungen des Debat-O-Meters lassen darauf schließen, welchen Aussagen die Zuschauerinnen und Zuschauer besonders zustimmten oder widersprachen.

Am meisten Zustimmung erhielt Baerbock für ihre Aussage, dass „zuallererst Abgeordnete, Minister, Leute wie wir“ in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen sollten, um diese zu stabilisieren. Den deutlichsten Widerspruch erfuhr die grüne Spitzenkandidatin mit ihrem Statement, dass sie den Solidaritätszuschlag nicht abschaffen wolle.

Debat-O-Meter

Das Umfrageprojekt „Debat-O-Meter“ wurde 2016 von Forschenden in der Informatik und Politikwissenschaften der Universität Freiburg entwickelt. Per App kann man mit einem Smartphone, Tablet oder Computer mit „doppel-plus“, „plus“, „minus“ und „doppel-minus“ jederzeit während Diskussion eine Einschätzung abgeben.

Die aus ganz Deutschland eingehenden Bewertungen werden gesammelt. In der Auswertung kann so auf die Sekunde genau festgestellt werden, wie die Diskussion wahrgenommen wird. Die Teilnahme ist anonym. Für die TV-Debatte wurden die Daten mit den Variablen Geschlecht, Alter und Parteineigung erfasst.

2018 begleitete das „Debat-O-Meter“ beispielsweise das TV-Duell zur Europawahl. Darin standen sich der CSU-Politiker Manfred Weber und der niederländische Sozialdemokrat Frans Timmermans gegenüber.

TV-Triell mit Scholz und Baerbock: Armin Laschet wird für Schlusswort abgestraft

Die Forderung von Union-Kanzlerkandidat Laschet, „das Wohnen im ländlichen Raum attraktiv [zu] halten, damit nicht jeder glaubt, für gleichwertige Lebensverhältnisse in die Stadt ziehen [zu müssen]“ fand große Zustimmung. Hingegen wird Armin Laschet für seine Spitze im Schlussstatement gegen die Grünen – dass er nicht gängele, die Menschen machen lasse und ihnen nicht vorschreibe, wie sie zu denken, zu reden oder zu leben hätten – mit negativen Bewertungen abgestraft.

Olaf Scholz erhielt für seine Lehre aus der Corona-Pandemie, wonach der öffentliche Gesundheitsdienst auf den modernsten Stand zu bringen sei, ein Bestreben, das auch nach der Krise nicht aufhören dürfe, den größten digitalen Beifall. Starken Widerspruch erfuhr der SPD-Spitzenmann hingegen, als er sich gegen eine Testpflicht für Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen am Arbeitsplatz aussprach.

NameArmin LaschetOlaf ScholzAnnalena Charlotte Alma Baerbock
ParteiCDUSPDBündnis 90/Die Grünen
PositionenParteivorsitzenderStv. ParteivorsitzenderParteivorsitzende
Ministerpräsident NRWBundesfinanzministerMitglied des Bundestages
Alter60 Jahre (18. Februar 1961)63 Jahre (14. Juni 1958)40 Jahre (15. Dezember 1980)
GeburtsortAachen, NRWOsnabrück, NiedersachsenHannover, Niedersachsen

Gaben vor der Debatte 20,2 Prozent der Befragten ein Unentschieden als erwarteten Ausgang an, so ging dieser Wert in der Rückschau deutlich zurück (auf 8,3 Prozent). Annalena Baerbock verbesserte sich am deutlichsten. Vor Beginn der Debatte erwarteten sie nur 17,2 Prozent als Siegerin. Aber auch Armin Laschet konnte gegenüber der Ausgangserwartung zulegen. Sein Anstieg betrug 7,4 Prozentpunkte.

Nach TV-Triell: Baerbock bei Jungwählern klar vorn, Olaf Scholz überzeugt Senioren

Lässt man die Anhängerinnen und Anhänger von Union, SPD und Grüne bei der Analyse außer acht, kam bei den Unentschlossenen, den Wähler:innen anderer Parteien und den Nichtwähler:innen Annalena Baerbock am besten an, gefolgt von Armin Laschet und Olaf Scholz. Letzter kam zwar bei den Grünen-Anhängern gut an, offensichtlich aber weniger in anderen politischen Lagern.

Bemerkenswert ist der Befund, wenn man sich innerhalb dieser Gruppe die Altersverteilung ansieht: bei den Jungen (unter 40) lag Baerbock vorne, in der Alterskohorte 40-59 Jahre Armin Laschet und bei den über 60-jährigen Olaf Scholz.

Wertet man die Befragung nach Alterskohorten aus, dann liegt bei den unter 40-Jährigen Annalena Baerbock (42,8 Prozent) vor Olaf Scholz (25,4) und Armin Laschet (24,5). Bei der mittleren Alterskategorie dreht sich das Bild. Hier liegt Armin Laschet mit 35,1 Prozent vor Olaf Scholz (30,4) und Annalena Baerbock (27,5). Deutlicher Sieger bei den Senioren ist Olaf Scholz mit 40,6 Prozent, vor Laschet und Baerbock. Damit zeigt sich ein doch erstaunlicher Befund: In den drei Altersklassen (jung, mittel, alt) gibt es drei verschiedene Sieger:innen. (Von Uwe Wagschal, Thomas Waldvogel, Samuel Weishaupt, Linus Feiten. Mit FR)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare