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Mike Mohring hat nach den deutlichen Verlusten der CDU sichtbar keinen Grund zur Freude.

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Das traurige Solo des Mike Mohring

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Mike Mohring und die Thüringer CDU haben Wahlkampf gegen alle Erwartungen gemacht.

Zuletzt brachte Mike Mohring „Simbabwe“ ins Gespräch – eine Koalition aus CDU, SPD, Grünen und FDP, also in den Farben des südafrikanischen Landes. Linkspartei und AfD sollten natürlich außen vor bleiben. Er sei ein Brückenbauer, der das Land in der Mitte zusammenführen könne, meinte der CDU-Spitzenkandidat.

Am Sonntagabend entlarvte sich das als Wunschdenken, denn nur in Umfragen vor der Wahl war Mohrings Partei auf Platz zwei hinter den Linken gelandet. In der Realität hat die CDU massiv verloren. In einem Land in dem sie seit der Wiedervereinigung bis 2014 immer den Ministerpräsidenten gestellt hat und in dem sie noch bei der Wahl 2014 stärkste Partei wurde, ist die Linkspartei stärkste Kraft, und auch die völkisch auftretende AfD ist wohl an der CDU vorbeigezogen. Aus der Traum.

Vor der Wahl beteuerte Mohring wieder und wieder, er werde Bodo Ramelow auch dann nicht die Hand zum Regieren reichen, wenn der sie ausstrecke. Das hörte sich dann nur Minuten nach der ersten Prognose, die der CDU ein Minus von elf Prozent verordnete – bestätigt von den Hochrechnungen –, schon relativer an: Man solle Parteigremien (auf Bundesebene?) nicht vorgreifen, die später diskutieren, was in Thüringen gehe, hieß es von der CDU.

Fehleranalyse in Berlin

In der Berliner Parteizentrale war die Reaktion auf das erste Wahlergebnis erstmal ein Schweigen: Keine Rufe, kein Klatschen, nicht einmal ein trotziger Applaus als klar war, dass das bisherige rot-rot-grüne Regierungsbündnis abgewählt war. Eine Art Schockstarre vielleicht

Ein Bündnis mit der in Thüringen besonders rechten AfD hatte Mohring vor der Wahl wohlweislich ausgeschlossen und den AfD-Spitzenkandidaten Björn Höcke als Nazi bezeichnet. Berichte, er habe vor der Landtagswahl 2014 als CDU-Fraktionschef bei der AfD sondiert, ob eine Zusammenarbeit nicht möglich sei, hat Mohring dementiert. „Die Abgrenzung ist richtig. Es muss möglich sein, in der Mitte eine Mehrheit zu finden“, sagte Reiner Haseloff, CDU-Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt und auch der Generalsekretär der CDU, Paul Ziemiak, bekräftigte: „Es wird keine Koalition der CDU mit der Linkspartei oder der AfD geben.“ Doch kann Mohring seine Versprechen halten, wenn sonst kein Bündnis möglich ist?

Zumindest mit Blick auf die Linkspartei hat Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther schon einmal ein freundliches Interview gemeinsam mit Bodo Ramelow geführt und der frühere sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf hat Sympathien für den ersten Regierungschef der Linkspartei erkennen lassen. Doch Ziemiak sagt, es sei nicht möglich, mit einer Partei zusammenzuarbeiten, die die DDR nicht als Unrechtsstaat bezeichnen wolle.

Lieber treibt die Union die Suche nach Gründen für ihre krachende Niederlage voran. Den Ministerpräsidenten-Bonus Bodo Ramelows führt Ziemiak an. Er lobt Spitzenkandidat Mohring, der wacker gekämpft habe, erst gegen seine Krebserkrankung und dann im Landtagswahlkampf: „Wir kämpfen zusammen, wir gewinnen zusammen, wir verlieren zusammen.“ Das klingt, als müsse sich da einer schützend vor Mohring stellen.

Tatsächlich aber dürften sich die Blicke in der CDU eher auf Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer richten. Ihre Führungskraft wird nach einer Fehlerserie in Frage gestellt. Ihre Gegner werden die weitere Niederlage bei einer Landtagswahl (nach Brandenburg) zu nutzen wissen: Kramp-Karrenbauers Nimbus als Wahlsiegerin, erworben einst im Saarland, ist zumindest angekratzt – das ist ein entscheidendes Kriterium, wenn es um die Kanzlerkandidatenfrage geht. Mohring hat sich zwar gegen Personaldebatten gewendet, aber wiederholt deutlich gemacht, dass er aus der Koalition in Berlin zu wenig Rückenwind bekomme. Die Wahl kann also bestehende tektonische Risse in der CDU weiten. (mit rut)

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